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Firmenkonkurrenz bereitet Sorge

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Von: Joachim Legatis

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So werden Glasfaserleitungen zwischen den Orten verlegt: Mit einem Erdpflug werden bei Erbenhausen Leerrohre für Breitband verlegt, das Arbeitsgerät wiegt rund 25 Tonnen. Gezogen wird es von einem Windenfahrzeug. © Joachim Legatis

Die Breitbandversorgung in Mücke bewegt viele Menschen, zur Bürgerversammlung mit diesem Thema kamen gut 60 Besucher. Gegen Glasfaserkabel bis ins Haus sprach sich keiner aus, nur die Konkurrenz mit zwei Anbietern bereitet Sorgen. Klar wurde, dass Glasfaserleitungen die Technik der Zukunft sind, die Datenmenge verdoppelt sich binnen drei Jahren.

Mücke will den Anschluss an das Internet der Zukunft nicht verpassen. So stieß die Bürgerversammlung zum Glasfaseranschluss der Haushalte auf reges Interesse. Gut 60 Besucher beteiligten sich an der Diskussion unter Leitung von Gemeindevertretungsvorsitzendem Dr. Hans Heuser im Gemeinschaftshaus Nieder-Ohmen.

»Alle drei Jahre verdoppelt sich das Datenvolumen«, darauf wies Dennis Pucher hin, regionaler Breitbandberater im Auftrag des Landes Hessen. Er votierte dafür, das Angebot der Firmen Goetel und TNG Stadtnetz anzunehmen, sein Haus an Glasfaserkabel anzuschließen. Das bringe auch »einen Wertzuwachs von zehn Prozent für die Häuser«.

Wichtig war Pucher, dass Glasfaserkunden darauf achten, nach der Mindestvertragslaufzeit zu einem anderen Anbieter wechseln zu können. Diese Klausel, »Open Access« oder freier Zugang, solle vertraglich festgehalten werden.

Pucher gab zunächst einen Überblick über die Bedeutung der schnellen Datenleitungen. Dabei gehe es um einen leistungsstarken Zugang zum weltweiten Datennetz. Das Rückgrat dieses Netzes sind weltweit verlegte Datenleitungen, auch über die Ozeane hinweg, und Knotenpunkte, um die Anfragen bei einer Suchmaschine oder eine Planzeichnung für das Büro weiterzuleiten.

Aktuell setzt die Telekom auf Glasfaseranbindung bis zu einem Verteilerkasten im Ort, das Kabel in das Haus hinein sei aus Kupfer. Damit lässt sich eine Datenrate von bis zu 250 Megabit pro Sekunde erreichen. Das reicht vielen Hauseigentümern, ist aber nicht die Technik mit Zukunft. In der Großgemeinde Mücke sei für 75 Prozent der Haushalte 100 MBit/sec machbar, dazu kommt eine gute Mobilfunkabdeckung.

Wenn ein Glasfaserkabel bis ins Haus gelegt ist, sind Datenraten von 1000 MBit/sec machbar. Um das neue Kabel zu verlegen, müssen Gehweg und Straße aufgefräst werden, zurück bleibt eine Rille. Der technische Anschluss im Haus sei grundsätzlich Sache des Hauseigentümers.

Heuser warb für das Umsteigen auf Glasfaser bis ins Haus, denn »die Zeit vergeht so schnell, es kann sein, dass wir in fünf Jahren abgehängt werden«. Ein Besucher sprach an, dass es mit Goetel und TNG zwei Anbieter gibt, die Vorverträge für den Glasfaseranschluss abschließen wollen. »Das ist ein Dilemma, wenn man einen Vorvertrag mit dem einen hat, und dann macht das der andere.« Denn beide Firmen haben angekündigt, nur dann ein Glasfasernetz zu bauen, wenn eine Mindestzahl an Haushalten mitzieht, dabei sind Zustimmungsraten von 40 und 60 Prozent im Gespräch.

Ein anderer Teilnehmer äußerte die Sorge, »wir erreichen die Quote bei beiden Anbietern nicht und haben dann am Ende gar nichts«. Der Goetel-Mitarbeiter sagte, wenn 60 Prozent der Hauseigentümer einen Vorvertrag abschließen, »bauen wir aus«. Wenn es weniger seien, werde eine Wirtschaftlichkeitsprüfung erfolgen, ob das Unternehmen dennoch ausbaut.

Der Goetel-Mitarbeiter sagte, dass der »Open Access« nach einer Vertragslaufzeit von zwei Jahren »bei uns gegeben ist«. Er ging davon aus, dass sich am Ende ein Anbieter durchsetzen werde.

Bürgermeister Andreas Sommer verwies darauf, dass im Moment die Firma Goetel die Nase vorn habe. Das Unternehmen habe sich seit zwei Jahren in Bernsfeld engagiert. Man müsse mit beiden Unternehmen erst Erfahrungen sammeln. Er appellierte an die Hauseigentümer, den Glasfaseranschluss anzugehen. »Jetzt haben wir die Chance, Mücke zukunftsfähig zu machen.«

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