Stühle hoch: Kaum eine Branche ist so stark von den Corona-Einschränkungen betroffen wie die Gastronomie und Hotellerie. Die Gewerkschaft NGG fordert Hygienepläne und Gefährdungsbeurteilungen, bevor Lokale wieder öffnen. FOTO: PM
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Stühle hoch: Kaum eine Branche ist so stark von den Corona-Einschränkungen betroffen wie die Gastronomie und Hotellerie. Die Gewerkschaft NGG fordert Hygienepläne und Gefährdungsbeurteilungen, bevor Lokale wieder öffnen. FOTO: PM

720 Firmen in Kurzarbeit

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Der Feiertag 1. Mai ist in vielen Orten nicht nur als Tag der Arbeit bekannt. Im Vogelsbergkreis begann am Freitag im 20. Jahr die Saison des Vulkanexpress, und normalerweise damit der Run auf die Gastronomie sowie das Freizeitangebot auf dem und rund um den Hoherodskopf. Aber in Corona-Zeiten dominiert der Stillstand. Mehr als jede vierte Firma ist in Kurzarbeit, darunter ein Großteil der Lokale.

Mit Kurzarbeit durch die Krise: Im Vogelsbergkreis hat seit Beginn der Coronavirus-Pandemie mehr als ein Viertel aller Unternehmen (27 Prozent) Kurzarbeit angemeldet. Das teilt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) mit. Die NGG beruft sich dabei auf neueste Zahlen der Bundesagentur für Arbeit (BA).

Danach haben bis Ende April 720 der insgesamt 2652 Betriebe im Landkreis Vogelsberg Kurzarbeitergeld bei der BA beantragt. Zum Vergleich: Zu Beginn der Corona-Krise im März waren es lediglich 27 Firmen gewesen.

Andreas Kampmann, Geschäftsführer der NGG-Region Nord-Mittelhessen, spricht von einer "Erschütterung auf dem heimischen Arbeitsmarkt". Besonders betroffen ist nach seinen Angaben das Gastgewerbe. "Die Branche liegt seit Wochen weitgehend brach. Gerade kleinere Hotels und Gaststätten kämpfen ums Überleben. Es ist gut, dass die Bundesregierung ein riesiges Rettungspaket für die Unternehmen geschnürt hat. Aber für die Beschäftigten kommt die beschlossene Erhöhung des Kurzarbeitergeldes zu spät", sagt Kampmann. So steigt das Lohnausfallgeld nach Angaben der Gewerkschaft erst nach sieben Monaten Kurzarbeit auf 80 Prozent (Eltern: 87 Prozent) des Netto-Einkommens.

Für Köchinnen, Kellner und Hotelangestellte sei das eine enorme Durststrecke. "Vielen wird nur der Gang zum Sozialamt oder zum Job-Center bleiben", warnt Kampmann.

Eine Mitverantwortung für die Lage trage auch der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga), ist sich der Gewerkschaftsvertreter sicher. Anders als etwa in der Systemgastronomie (unter anderem bei McDonald’s, Starbucks, Nordsee) weigerten sich die Arbeitgeber bis heute, das Kurzarbeitergeld per Tarifvertrag aufzustocken.

Umso wichtiger sei nun, eine Perspektive für die langsame Wiederbelebung des Gastgewerbes zu finden - "vorausgesetzt, der Gesundheitsschutz für Beschäftigte und Gäste ist sichergestellt". Bei jedem Restaurant, das im Vogelsbergkreis wieder öffnen wolle, müssten die Behörden kontrollieren, ob die Schutzmaßnahmen für die Gäste ausreichen, legt die Gewerkschaft als Forderung dar. Gaststätten, Cafés und Bars seien eigentlich Orte der Geselligkeit. "Jetzt müssten die Gäste darauf vertrauen können, dass sich keiner ansteckt", macht Geschäftsführer Kampmann deutlich.

Um die Beschäftigten optimal vor Infektionen zu schützen, sei eine gründliche Gefährdungsbeurteilung nötig. "Darüber hinaus braucht es ausreichend Personal, das sich neben Küche und Service darum kümmert, dass die Hygiene- und Abstandsregeln wirklich eingehalten werden: "Es muss genügend Kellnerinnen geben, die darauf achten, dass Tische und Stühle nicht zusammengeschoben werden", sagte Kampmann. Und ebenso seien genug Köche in der Küche nötig, damit es keinen Wartestau beim Essen und damit ein zu volles Lokal gebe. Kein Restaurant sollte hier auf Sparflamme kochen, sondern die Wiedereröffnung frühzeitig akribisch planen, meint Gewerkschafter Kampmann.

Doch bis wieder ein "Stück Normalität" in die Branche einziehe, bleibe der Schaden für Beschäftigte und Betriebe groß. Nach Angaben der Arbeitsagentur haben bis Ende April bundesweit 751 000 Betriebe Kurzarbeit angemeldet - 115 000 davon im Hotel- und Gaststättengewerbe. Das sind 72 Prozent aller Betriebe der Branche.

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