Bislang läuft der Betrieb bei den Kamax-Werken in Homberg normal, hier wird gerade ein Lastwagen beladen. Man werde in nächster Zeit überlegen, wie die Produktionskapazitäten angepasst werden, heißt es. FOTO: RS
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Bislang läuft der Betrieb bei den Kamax-Werken in Homberg normal, hier wird gerade ein Lastwagen beladen. Man werde in nächster Zeit überlegen, wie die Produktionskapazitäten angepasst werden, heißt es. FOTO: RS

Firmen entwerfen Krisenpläne

  • Joachim Legatis
    vonJoachim Legatis
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Die großen Autohersteller legen die Bänder still. Davon betroffen sind Zulieferer wie die Kamax in Homberg. Die Corona-Krise schlägt auch auf andere Sektoren der Wirtschaft durch. Kleine Firmen könnten massive Probleme bekommen.

Im Autoland stehen die Produktionsstraßen für Pkw und Lkw still. Inzwischen haben so gut wie alle Hersteller von Audi bis VW den Produktionsstopp beschlossen. Das trifft auch Zulieferer wie die Kamax Holding. Der Spezialist für Spezialschrauben in Motorblöcken und Fahrgestellen hat ein großes Werk in Homberg. Zudem sind Ausbildung und Entwicklung in der Vogelsberger Kleinstadt zu finden. Ein Produktionsstopp für die gesamte Fertigung ist aktuell nicht geplant, wie man der Antwort auf eine Anfrage der Alsfelder Allgemeinen Zeitung entnehmen kann.

Wie das Unternehmen mitteilt, arbeitet man bereits seit mehreren Wochen im Rahmen eines Krisenplanes an der Vorbereitung und Umsetzung von geeigneten Maßnahmen zum Schutz der Belegschaft. Auch die Versorgung der Kunden soll gesichert werden. "Dazu gehört auch, unsere Produktionskapazitäten an die sich ändernden Kundenanforderungen anzupassen", teilt ein Unternehmenssprecher mit.

Auch wenn ein Teil der Kunden kurzfristig die Produktion einstellt, erwarteten andere in den nächsten Wochen weiter beliefert zu werden. "Dort laufen die Detailabsprachen, damit die Verantwortlichen entscheiden können, in welchem Umfang unsere Produktion aufrechterhalten werden muss." Aktuell gebe es eine sehr dynamische Entwicklung, man überprüfe täglich diese Situation.

An erster Stelle stehe für die Kamax-Unternehmensspitze die Gesundheit der Mitarbeiter. "Wir sind sehr stolz auf unsere Belegschaft und möchten uns auch auf diesem Weg bedanken, dass sie in diesen schwierigen Zeiten eine hohe Flexibilität und Verständnis für diese für uns alle extreme Situation zeigen", heißt es weiter.

Ohne Einschränkungen läuft die Produktion bei HLU in Atzenhain weiter. Das Unternehmen fertigt Ventilatoren für Industrie- und Gewerbeanwendungen. Peter Fischer, Geschäftsführer Technik, sagt, dass der Hauptmarkt für HLU-Erzeugnisse in Deutschland ist. Deshalb laufe die Produktion ganz regulär weiter. Allerdings seien Vorkehrungen zum Schutz der Mitarbeiter vor Ansteckungen mit dem neuen Coronavirus nötig. Denn dann droht eine Quarantäne für die betroffenen Beschäftigten. So bleibe der Vertrieb in erster Linie über Telefon und Videochats mit den Kunden in Kontakt. "Treffen werden auf das absolut Nötigste reduziert", sagt Fischer. Mit Blick auf die Betreuung von Kindern sind die Arbeitszeiten flexibler gestaltet. "Das funktioniert weitgehend", so Fischer. Zum Schutz der Mitarbeiter hat die nahegelegene Hürner Schweißtechnik auf eine Produktion im Zwei-Schicht-Betrieb umgestellt. "Wir sind voll mit Aufträgen, aber die Abläufe müssen wir ändern", erläutert Gesellschafter Michael Lenz. So kann ein Team von morgens bis 14 Uhr arbeiten, das andere nach einer Desinfektionspause bis in die Abendstunden.

Desinfektionspause im Betrieb

Der Vorteil: Wenn eine Corona-Infektion in einem Team festgestellt wird, kann das andere weiter arbeiten. Denn die beiden Teams stehen in keinem Kontakt untereinander. Die Auftragslage des Unternehmens für Kunststoff-Schweißanlagen ist sehr gut. "Wir haben für zehn Wochen Vollauslastung, in manchen Bereichen sogar ein halbes Jahr", sagt Lenz.

Während ein größeres Unternehmen wie seines eine Weile unter den erschwerten Bedingungen bestehen kann, sieht es bei kleinen Geschäftspartnern schlechter aus. "Die geraten jetzt in Panik", sagt Lenz, weil ihnen die Aufträge wegbrechen und sie keine längere Durststrecke überwinden können. So bitten sie darum, Vorprodukte für Hürner auf Vorrat produzieren zu können, um die Mitarbeiter zu halten. Deshalb hat Lenz Sorge, was geschieht, wenn die Produktionsunterbrechungen über mehrere Wochen andauern. "Dann haben wir eine Riesenkrise." Im Unternehmen wird die aktuelle Lage in Teamsitzungen offen kommuniziert. "Wir sind ein Team", fasst Lenz die Grundeinstellung bei Hürner zusammen. Ein Sonderthema sind die Mitarbeiter in Italien.

Denn die Schweißtechnik-Firma hat ein Werk in der Nähe von Mailand. Das soll nach zwei Wochen Unterbrechung in der nächsten Woche wieder anlaufen, sagt Lenz. Schließlich will man die Mitarbeiter halten. Doch dann stellt sich die nächste Hürde beim Transport der Produkte: Aktuell fährt kein Lkw von Italien nach Deutschland.

Natürlich habe Corona auch Auswirkungen bei FFT in MÜcke, heißt es. Man habe alle erforderlichen Vorsorgemaßnahmen eingeleitet. Es wurde eine Task Force gegründet und ein sehr enges Netzwerk zu allen Mitarbeitern aufgebaut. Besondere Beobachtung sei bei Mitarbeitern, die außerhalb der FFT bei Kunden und Lieferanten arbeiten, erforderlich.

"Unsere Betriebe laufen weiter, müssen jedoch auf die äußeren Einflüsse täglich neu reagieren, dazu zählen Materialengpass, das Fernbleiben von Lieferanten und Veränderungen bei unseren Kunden," heißt es seitens der Geschäftsleitung.

Von einem normalen Ablauf könne man nicht sprechen, "doch wir können noch unter Einhaltung der Richtlinien vernünftig arbeiten". Man biete den Mitarbeitern mehr Flexibilität an, sodass sie ihr Privatleben besser mit dem Arbeitsleben vereinbaren könnten. Kurzarbeit sei zurzeit kein Thema bei FFT.

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