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Feuerwehralltag ist nicht alltäglich

  • Rolf Schwickert
    vonRolf Schwickert
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Immer mehr Flächenbrände, weniger Löschwasser aus Bächen und jetzt noch die Corona-Pandemie. Die Mücker Feuerwehren haben es 2020 nicht leicht. Aber Gemeinde und Politiker unterstützen, wo sie können. Deshalb schauen Gemeindebrandinspektor Michael Schlosser und Bürgermeister Andreas Sommer optimistisch in die Feuerwehr-Zukunft.

Anfang August stellten die Mücker Feuerwehren ihre Schlagkraft unter Beweis. Bei Höckersdorf kam es in der Feldgemarkung in Richtung Ober-Ohmen zu einem großen Flächenbrand. Das Feuer verbreitete sich von den Feldern aus rasch in Richtung eines Waldstücks. Ein weiträumiger Waldbrand konnte verhindert werden, weil die Ausrüstung stimmte und die Zusammenarbeit klappte.

Zudem kam Unterstützung von Landwirten und Nachbarwehren aus Grünberg, Ulrichstein, Homberg und Laubach. Deren Tanklöschfahrzeuge lieferten auch Wasser. Das macht eine Besonderheit der vergangenen Jahre deutlich. Trockenheit begünstigt Flächenbrände, Wassermangel erschwert die Löscharbeiten. Jetzt kam im laufenden Jahr noch die Corona-Pandemie dazu. Bedeutet das Leiten der Feuerwehren einer Großgemeinde mit zwölf Ortsteilen schon einen erheblichen Zeitaufwand, so haben sich durch die Kontaktbeschränkungen zusätzlich Beschwernisse ergeben.

Vor diesem Hintergrund erläuterten Gemeindebrandinspektor Michael Schlosser und Bürgermeister Andreas Sommer die Herausforderungen im Jahr 2020 und zogen eine Zwischenbilanz in Hinblick auf Investitionen und organisatorische Neuerungen.

Wenn die stille Alarmierung läuft oder Sirenen heulen, sind es immer Freiwillige, die Arbeitsplatz oder Familie verlassen, um anderen zu helfen. Die Rahmenbedingungen dazu wurden in diesem Jahr neu geordnet, und Bürgermeister Sommer ist sehr zufrieden, dass mit neuen Dienstausweisen und einem Einsatzentgelt eine Form der Anerkennung gefunden wurde. Dabei hätten nicht nur die Fraktionen in der Gemeindevertretung an einem Strang gezogen, bei den Dienstausweisen hätten auch die Gewerbetreibenden mitgemacht. Das sei eine Voraussetzung gewesen.

So bekommen die Aktiven der Feuerwehren bei Vorlage des Dienstausweises beispielsweise bei einem Baumaschinen- und Fahrzeugverleiher 20 Prozent, andere Firmen übernehmen die Getränke bei den Jahreshauptversammlungen.

Moderne Fahrzeuge, gute Ausrüstung und Anerkennung in der Bevölkerung - das sind optimale Voraussetzungen für ehrenamtlichen Einsatz. In diesem Sinne haben Schlosser und Sommer eine gute Stimmung in der Truppe ausgemacht.

Der Bürgermeister ist zufrieden mit der Entwicklung, dass man sich nicht als Ortsteilfeuerwehr, sondern als Mücker Feuerwehr begreift. "Die Truppe steht zusammen".

Das sieht auch Schlosser so, der das als Basis wertet, beim Nachwuchs auf der sicheren Seite zu sein. Denn eine allgemeine Werbung bringe nichts, die Aktiven müssten für ihren Job werben, Begeisterung rüber bringen. Die neuen Medien tragen dazu bei, dass die Aktiven besser orientiert sind, was andernorts los ist, personell sowie materiell, und wie eine gute Zusammenarbeit aussehen kann. Das führt dazu, dass viele Ideen haben und der Gemeindebrandinspektor das kanalisieren muss. So haben die Feuerwehrleute alte Ergebnisse von Prüfdiensten im Hinterkopf und dringen auf das Beseitigen von Mängeln. "Heute können die Leute mitreden", so Schlosser.

Prüfprotokolle, Anträge für neue Fahrzeuge, die Überwachung von Verbrauchsmaterialien und die schriftliche Nachbereitung von Einsätzen sind sehr zeitintensiv und Schlosser ist froh, dass mit der Sachbearbeiterin Nadine Müller aus der Gemeindeverwaltung jemand die Aufgabe übernommen hat, die darin aufgeht. So hat sie angeregt, ihren Arbeitsplatz in den Stützpunkt zu verlegen.

Außerdem hat sie dann Kontakt zu den Feuerwehrleuten, die tagsüber etwa in der Atemschutzwerkstatt arbeiten. "Das hätte ich nie anordnen können", zeigt sich auch der Bürgermeister vom Engagement Müllers begeistert. Und nach der entsprechenden Ausbildung ist sie Mitglied in der Einsatzabteilung.

Die Kontaktbeschränkungen durch die Pandemie haben den Übungsalltag gründlich durcheinander gewirbelt. "Wir fangen jetzt so langsam wieder an", berichtet Schlosser, "immer in kleinen Gruppen". Und im Bereich Atemschutz wird noch ganz von Übungen abgesehen. Denn dabei schwitzen die Übenden sehr stark.

Die zunehmende Trockenheit und der Rückgang von Wasser in den Bachläufen bereitet den Feuerwehren mehr und mehr Probleme. "Früher haben wir noch mit Brettern Saugstellen aufgestaut", erinnert sich Schlosser, das kann man heute vielfach nicht mehr. Ein Beispiel ist der Bachlauf durch Groß-Eichen, der regelmäßig trocken fällt. "Deswegen werden wir bei Neubeschaffungen nur noch Fahrzeuge mit einem Wasserreservoir von 1000 Liter ordern", kündigt der Gemeindebrandinspektor an. Bisher hatten die Mücker Feuerwehren im Jahr 2020 etwas über 80 Einsätze. Das deutet auf den normalen Schnitt von 100 im Jahr hin. Davon entfallen auf die A5 etwa zehn bis 15 Einsätze. Besondere Anforderungen sind oft in die Unfälle verwickelte Lastwagen und demnächst wohl auch E-Autos.

Die können mit Wasser gelöscht werden. Aber dann ist die Batterie zu kühlen. Wie man das macht?

Dazu gibt es noch keine Norm. "Vielleicht den Wagen in eine Schüttmulde stellen und fluten", meint Schlosser augenzwinkernd.

Man sieht, Feuerwehralltag ist kein Alltag. Es gibt immer neue Herausforderungen.

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