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Erster Beigeordneter Daniel Wolf (l.) und Ortsvorsteher Uwe Steuernagel (r.) danken den Ladeninhabern Brigitte und Manfred Böck für die jahrzehntelange Nahversorgung in Stumpertenrod.

»Feldes« schließt nach 175 Jahren

  • vonDieter Graulich
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So ändern sich die Zeiten: Heute geht man in ein Lebensmittelgeschäft, früher suchte man Spezereihändler oder Läden mit Hirse, Samen und Leisten auf. Das alles bot eine Familie in Stumpertenrod über Generationen. Mitte März ist Schluss damit. Aber etwas hat sich gehalten: 1864 gab es einen Weckverkauf ohne Backofen. Das gibt es auch heute, wenn auch nicht in Stumpertenrod.

Eines der wohl ältesten Geschäfte im Feldatal, das Lebensmittel- und Gemischtwarenlädchen von Brigitte und Manfred Böck, schließt offiziell zum 15. März diesen Jahres. Gemeinsam mit Ortsvorsteher Uwe Steuernagel überraschte Feldatals Erster Beigeordneter Daniel Wolf am Samstagvormittag die Geschäftsleute, um dem Ehepaar Böck für die Jahrzehnte lange Nahversorgung des Ortes zu danken. Als äußeres Zeichen des Dankes überreichten sie jeweils ein Präsent.

Bei einem Gespräch mit den Geschäftsinhabern erhielten Steuernagel und Wolf sehr interessante Einblicke in die Geschichte des seit 175 Jahren bestehenden Lädchens. So wurde das heutige Geschäft bereits 1848 mit einer Weinzapferlaubnis für Johann Konrad Finkernagel begonnen und mit dem Kauf des heutigen Hauses 1896 mitgebracht. Da dieser bereits seit 1846 Händler war, besteht das Geschäft somit seit 175 Jahren.

Wie man aus den Aufzeichnungen von Ehrenbürgermeister Ernst-Uwe Offhaus, auch Vorsitzender des Vereines »Historisches Feldatal«, entnehmen kann, sind in dem Geschäft Finkernagel und später Böck unzählige Berufe und Tätigkeiten ausgeübt worden. So meldete sich Finkernagel 1861 als Schuhmacher an und ein Jahr später als Spezereihändler, Fuhrmann um Lohn, Hausierer mit Seifen, Öl und Hirse. Spezereihändler waren früher Lebensmittel-, Gewürz- und Gemischtwarenhändler. Im Jahre 1875 meldete die Witwe Elisabetha Finkernagel diese Tätigkeiten ab, weil Sohn Georg Finkernagel 1864 sich als Zäpfer von Obstwein, Bier- und Branntwein über die Straße und am Stand angemeldet hatte

Im gleichen Jahr folgte noch das Gesuch auf eine Zapfwirtschaft und einen Weckverkauf ohne Backofen. Ein Jahr später folgte dann die Anmeldung als Spezereikrämer sowie 1879 die Anmeldung als Hirse-, Samen- und Leistenhändler.

Nach Abmeldung dieser Gewerbe am 1. April 1911 meldete der Sohn von Georg Finkernagel, Wilhelm Finkernagel, die Hirse-, Samen- und Leistenhandlung wieder an. Er hatte bereits am 23. Februar 1897 einen Wandergewerbeschein erhalten.

Das Geschäft übernahm dann nach dem Zweiten Weltkrieg dessen Sohn Karl sowie Ehefrau Toni Finkernagel, und 30 Jahre später wurde es an deren Tochter Brigitte und deren Ehemann Manfred Böck in der damit fünften Generation übergeben.

Geschäftsaufgabe aus Altersgründen

Alle Angaben sind durch Eintragungen in den verschiedenen Gewerbebüchern enthalten. Diese sind in deutscher Schrift geschrieben und deshalb teilweise sehr schwer zu lesen. Interessant sind auch die Briefe und Übergabeverträge vom »Großherzoglichen Kreisamt Schotten« und der »Großherzoglichen Bürgermeisterei Stumpertenrod«.

Aus Altersgründen gibt das 72- und 76-jährige Ehepaar Böck das »Lädchen« jetzt auf. Für die Dorfbewohner ist dies ein entscheidender Eingriff in die örtliche Nahversorgung. Ab dem 15. März geht es nicht mehr mit: »Oh, das fehlt uns ja zum Mittagessen, wir gehen noch mal schnell zu Feldes und holen es«. Unter dem Dorfnamen »Feldes« war das Geschäft bei den Einheimischen im Dorf bekannt. Entweder muss der Speiseplan geändert werden, oder die fehlenden Sachen müssen im benachbarten Groß-Felda oder Ulrichstein geholt werden.

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