Rathaus

Sichten und Sägen bei Bürgermeistern

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Unterschiedlicher kann ein erster Arbeitstag für einen Bürgermeister kaum anfangen: Der Jurist Leopold Bach sägt in Feldatal beim Frühschoppen, Förster Andreas Sommer sichtet in Mücke Post.

Um 6.30 Uhr am Dienstagmorgen macht es bei zwei Handys pling. "Alles Gute im neuen Amt" wünschen sich Leopold Bach und Andreas Sommer. Beide hatten ihren ersten offiziellen Arbeitstag als Bürgermeister, beide haben etwas unruhig geschlafen. Und beide lernen ihre Mitarbeiter kennen – allerdings in sehr unterschiedlichem Ambiente. Bach ist am frühen Morgen nur kurz im Rathaus um seine Jacke aufzuhängen, dann schlendert die Verwaltungscrew mit dem neuen Chef in die Feldahalle nebenan zum nachösterlichen Frühstück mit anschließendem Fassanstich und Frühschoppen. Akten und Termine stehen für den Neuen in Feldatal erst heute auf dem Programm. Auch Andreas Sommer hat seine Mitarbeiter kennen gelernt. Allerdings bei einem Rundgang und einer Versammlung in der Gemeindeverwaltung sowie einem Treffen am Nachmittag auf dem Bauhof.

Locker mit offenem Hemdkragen schlendert Leopold am Dienstag Nachmittag durch die Feldahalle, ein Bierglas in der Hand. Gleich beginnt der Sägewettbewerb. Immer wieder wird er von Bürgern angesprochen, die dem neuen Verwaltungschef bedeuten, auf ein stärkeres Miteinander der Fraktionen hinzuwirken. In diesem Sinne will sich Bach kommende Woche mit den Fraktionen treffen, auch um eine neue Leitung der Gemeindevertretung zu bekommen. Wenn er nicht geht und steht betreibt Bach "Tisch-Hopping", wie er es nennt, immer im Gespräch mit Bürgern. Und es sind einige Kollegen gekommen, unter anderem Lothar Bott aus Gemünden und Edwin Schneider aus Ulrichstein. Besonders gefreut hat Bach die Stippvisite von Monika Bech, Bürgermeisterin aus der thüringischen Partnergemeinde Friedrichswerth. Neben Landtagsabgeordnetem Kurt Wiegel (CDU) sind auch Bewerber für dieses Mandat da: Michael Ruhl für die CDU, Mario Döweling für die FDP und Swen Bastian für die SPD.

"Ich wäre heute gerne in Feldatal gewesen", äußert Sommer seine Verbundenheit zum neuen Amtskollegen. Nach einem Anruf vor Monaten von Bach bei Sommer zu Fragen der Wahlkampfführung haben die beiden Rathaus-Neulinge viele Gemeinsamkeiten entdeckt. Und sie helfen sich, wo sie können: Sommer hat ein 300 Seiten starkes Handbuch für den Kommunalpolitiker durchgearbeitet, Bach ein Handbuch für Bürgermeister gekauft mit "so um die 500 Seiten". Um 8 Uhr ist Sommer in der Verwaltung in Merlau erschienen, denn morgens will er in Ruhe beginnen, "dafür abends dann auch mal länger". In Begleitung des Verwaltungsmitarbeiters André Kern hat Sommer einen Begrüßungsrundgang durch die Verwaltung gemacht, später allen Mitarbeitern bei einer Versammlung seine grundsätzlichen Vorstellungen der Zusammenarbeit erläutert. Diese kamen am Nachmittag auch bei einem Besuch des Bauhofes zur Sprache. Sommer ist sich sicher, dass er sich auf das Fachwissen der Kollegen verlassen kann. Er möchte die Kompetenz der Bediensteten stärken und ihnen Freiräume gewähren, die er für kreative Anstöße zum Nutzen der Gemeinde für nötig erachtet. Ansonsten werde er sich im Arbeitsalltag in die laufenden Geschäfte einarbeiten. Sommer will sich nicht im Tagesgeschäft verlieren, sondern schöpferisch wirken, nach Fördermöglichkeiten und neuen Ideen suchen.

Im Mücker Bürgermeisterzimmer sind die Wände noch etwas kahl, nur der Drei-Monats-Kalender eines Bauunternehmens lockert etwas auf. Der Amtsvorgänger hatte unter anderem Urlaubsbilder aufgehängt, Sommer schweben Gruppenbilder der verschiedenen Abteilungen Verwaltung und Bauhof vor, ein Bild der Ortsvorsteher und eines der Wehrführer. Und es gibt etwas Farbe für den Raum: Das Bild "Der Tiger" von Franz Marc (1880-1916) hat es Sommer angetan, seit er es als Schüler in der Gießener Ricarda-Huch-Schule gesehen hat.

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