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»Müssen für die Freiheit kämpfen«

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Von: Herbert Schott

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Zu Gebeten für die Opfer des Krieges in der Ukraine kamen Mitglieder der Kirchengemeinde und Kommunalpolitiker in Windhausen zusammen. Dabei wurde besonders auf tapfere Feuerwehrleute verwiesen und Spenden gesammelt. © Herbert Schott

Feldatal-Windhausen (hso). Eintreten für Frieden: In Zusammenarbeit der Ortsvorsteher, Bürgermeister Leopold Bach und den Kirchen in Feldatal fand dieser Tage auf dem Kirchengelände in Windhausen eine Kundgebung zur Solidarität mit den Menschen in der Ukraine statt. Mit einer Andacht, Gebeten und einem Aufruf zu Spenden haben viele Bürgerinnen und Bürger aus dem Feldatal und darüber hinaus ein deutliches Zeichen für den Frieden gesetzt.

Das Ergebnis des Spendenaufrufs konnte sich durchaus sehen lassen. Laut Pfarrerin Nena Raab kamen erfreuliche 815 Euro an Spenden an diesem Abend zusammen, die uneingeschränkt an die Katastrophenhilfe des Diakonischen Werks gehen.

Pfarrerin Raab sagte, der Angriffskrieg dauere mit zunehmender Härte an. Aber nicht die Zahlen sind es, die uns berühren, sondern die einzelnen Schicksale hinter der grausamen Fratze des Krieges. »Wir sehen die Kinder, die nach stundenlanger Zugfahrt und der Flucht nicht begreifen, was passiert. Wir sehen Soldaten, die sich von ihren Frauen und Kindern verabschieden, ohne zu wissen, ob man sich jemals wieder sehen wird.« Da gibt es Menschen, die in ihren Wohnungen das letzte Stück Heimat suchen, die Fassade des Hauses ist nicht mehr da. Hunderte Menschen müssen in Tunneln in Charkiw und anderswo ausharren. »Unsere eigene Sicherheit, das erkennen wir jetzt, war eigentlich gar keine Sicherheit«, so die Pfarrerin weiter.

1. Beigeordneter ruft zu Hilfe auf

An allen Ecken und Enden der Welt brennt es, schwelen Konflikte: »Jemen, Syrien, Afghanistan und in weiteren Regionen. Nur war es lange nicht so nah. Nicht einmal einen Tag braucht es, nur Stunden und wir wären mitten im Konflikt.« Die Sinnlosigkeit und die Feigheit dieses Krieges besonders gegen Zivilisten, mache sprachlos. Es kommen Gefühle von Hilflosigkeit und Alleinsein auf, es gebe Angst und Sorge, was da kommt. Wir müssten für unsere Freiheit und unsere liberalen Werte kämpfen und protestieren: »Gegen Machthaber, die Recht und Menschenleben mit Füßen treten!«

Raab forderte dazu auf, aktiv zu sein. Es sei wichtig, für Demokratie, unsere Werte und für die Menschen einzutreten. Weil auch die Feldataler mit den Menschen in der Ukraine verbunden sind, rief Raab dazu auf, zu »spenden, zu demonstrieren, beten und helfen, wo wir können«.

Der 1. Beigeordnete Timo Wagner verurteilte den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine und den Bruch des Völkerrechtes auf das Schärfste. Er forderte einen sofortigen Stopp aller Kriegshandlungen. Dieser Krieg sei auch ein Angriff auf Frieden und die Freiheit in ganz Europa. »Er betrifft uns alle und es ist somit auch unsere Pflicht den Ukrainerinnen und Ukrainern in ihrer jetzigen Notlage beizustehen.« Auch im Feldatal werde man humanitäre Hilfe leisten und Flüchtlinge im Rahmen der Möglichkeiten aufnehmen.

Tapfere Aktive der Feuerwehren

Gemeindebrandinspektor (GBI) Rüdiger Klaus berichtete danach von Rettungskräften vom Roten Kreuz, Katastrophenschutz und Feuerwehr, die vereint sind, um tagtäglich ihren Mitmenschen in diesem vom Krieg zerrütteten Land helfen. Das seien Männer und Frauen in der Ukraine, die jede Stunde schier Unmögliches leisten. Beispielhaft nannte er Feuerwehrmann Artem Kravets aus Mariupol, der bis heute nicht weiß, ob seine Frau Diana und seine beiden Kinder Daria und Dysa es sicher über die Grenze nach Polen geschafft haben. Aber er leistet trotzdem täglich 18 bis 20 Stunden seinen Dienst.

Feuerwehrfrau Oleksandra Vasylenko aus Charkiw ist mit schusssicherer Weste und Helm über die in Schutt und Asche liegende Straße geeilt, um einem russischen Soldaten aus seinem brennenden Lkw zu helfen. Denn als Feuerwehrfrau hilft sie Jedem in der Not. Klaus rief ihnen zu: »Bleibt stark, standhaft und euch selbst treu!«

Er sprach noch ein Gebet für alle Feuerwehrleute in der Ukraine. Die versammelte Gemeinde sang begleitet von Pfarrerin Nena Raab auf der Gitarre das Freiheits- und Friedenslied »We shall overcome«. Die Ortsvorsteher, Vertreter und Vertreterinnen der Gemeinde Feldatal beteten die Fürbitten für die Menschen in der Ukraine und für den Frieden im Land.

Mit dem am Ende gesprochenen »Vater unser« endete eine beeindruckende »Friedensveranstaltung« in Windhausen. Danach forderte Pfarrerin Nena Raab alle Beteiligten auf, ob Groß oder Klein, Friedenszeichen und Botschaften mit bunter Kreide auf das Kirchenpflaster zu malen.

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