Ein Jahr im Amt

Leopold Bach bringt frischen Wind ins Feldatal

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Noch vor einem Jahr schien die Situation in Feldatal recht verfahren. Dann kam ein junger Mann von außerhalb und wurde prompt gewählt. Bürgermeister Leopold Bach zieht eine positive Bilanz.

Der Mann muss gute Nerven haben. Leopold Bach wirkt entspannt, obwohl er vor wenigen Tagen zum dritten Mal Vater geworden ist. Zufrieden schaut der 30-Jährige aus dem Rathaus in Groß-Felda, wo auf der Baustelle der Volksbank nebenan gearbeitet wird: "Das alte Möbelhaus ist auch verkauft, da wird sich bald etwas tun."

Vor einem Jahr hat er als Rathauschef angefangen. Seinen zünftigen Einstand gab der geborene Münchner ("Zum Oktoberfest fahre ich immer noch gern") beim Wettsägen am Ostermarkt. Dem Bayern, den die Liebe vor zwölf Jahren nach Kirtorf-Wahlen verschlug, ist es anscheinend ganz gut gelungen, die vorher schwierigen Feldataler Verhältnisse aufzubrechen. Im Gespräch stellt er zufrieden fest: "Es bewegt sich was."

Eine ganz wichtige Voraussetzung war, dass es offenkundig gelungen ist, die Kommunalpolitiker aller Farben ins Boot zu holen und auf einen gemeinsamen Kurs einzuschwören. Es gab ein Treffen, bei dem sich die Gemeindevertreter aussprechen konnten und Bach vorschlug: "Wir drehen einfach alles auf Null und fangen noch mal neu an."

Vieles über Förderung erreichen

Dabei verweist er am Rande auf seine Stimmenzahl bei der Bürgermeisterwahl, er weiß die Mehrheit der Wähler hinter sich. Er freut sich darüber, dass die Bürger wieder Interesse an der politischen Arbeit haben, was sich an den Zuschauern in den Sitzungen der Gemeindevertretung zeigt. Kommunikation hält er für das A und O der Arbeit, ohne sie geht es aus seiner Sicht nicht, und noch ein weiteres K ist für ihn ausgesprochen wichtig – nämlich Kontakte. Er besucht Lehrgänge, tauscht sich mit Kollegen aus, um Anregungen zu bekommen: "Man muss das Rad nicht immer neu erfinden."

Den Kirtorfer Bürgermeister und Neu-Rentner Ulrich Künz als Berater engagieren, wie er vor einem Jahr leicht scherzhaft angekündigt hat? Das braucht er nicht, bereits jetzt ist es gelungen, einige Förderprogramme an Land zu ziehen, wie es der "ewige Bürgermeister" Künz erfolgreich vorgemacht hat.

Beispiel Bürgerbus. Bei einem Treffen auf Einladung der WI-Bank in Wiesbaden hat Bach in einer Kaffeepause Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir angesprochen, wie das läuft mit dem Programm, mit Gewerbevereinsvorsitzendem Michael Schneider gesprochen, und schon kam die Sache ins Rollen: "Das ist kein Hexenwerk."

Genügend Bauplätze vorhanden

Beim Freibad kann die Gemeinde vom "Swim-"Programm profitieren, und wenn noch der Breitband-Ausbau kommen und die ärztliche Versorgung gesichert ist, ist er erstmal recht zufrieden. "Wir sichern das Erreichte, dann schauen wir weiter. Ich bin noch jung und habe hoffentlich noch einige Jahre hier vor mir." In Sachen Internet sei die Gemeinde gar nicht so schlecht versorgt, er verweist auf die fast überall vorhandenen 50 mBit. Und bei der ärztlichen Versorgung wird sich bald etwas tun, verspricht er, hier wird eifrig mit der Kassenärztlichen Vereinigung verhandelt.

Bauplätze gebe es noch ausreichend, denn die prognostizierte Nachfrage aus Frankfurt gibt es noch nicht, aber wenn, dann werde man reagieren. Der Tourismus ist im Aufwind, er soll unter anderem durch den großen Wandertag am 2. Juni beflügelt werden.

Straßenausbaubeiträge? Sie sind auch in Feldatal ein Thema, der Ausbau der Ortsdurchfahrt Köddingen (läuft) und die Pfingstweide/Moos (für 2023 geplant) stehen an. Gemeinsam wollen Bürgermeister und Gemeindevertretung prüfen, ob man sie abschaffen kann, und welche Gegenfinanzierungsmöglichkeiten es gibt, eigentlich sei hier die Landesregierung in der Pflicht, den Gemeinden zu helfen. Was die Finanzen angeht, so hofft Bach, dass der Haushalt in zwei Wochen beschlossen wird, "und auch die Schulden gehen langsam runter."

Bei Hochwasser im Einsatz

Zu tun bleibt noch einiges, langweilig wird es bestimmt nicht. Am Kleiderständer hängt in Greifnähe eine Bauhofjacke, falls Besichtigungen anstehen. Vergangenes Jahr war Bach beim großen Hochwasser im Einsatz, er ist mit der Feuerwehr ausgerückt und nachts mit den andern Helfern durchs Wasser gewatet. Ein gutes Verhältnis zu den Feuerwehren ist ihm wichtig, betont er.

Ist es ein Nachteil, wenn er jeden Tag aus dem Kirtorfer Stadtteil Wahlen ins Feldatal fährt? Eher im Gegenteil, meint Bach. So hätten ihm schon einige Bürger gesagt, dass er es genau richtig macht: "Den Blick von außen hat Feldatal vielleicht gebraucht."

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