Brauereien

Koscheres Bier hat Tradition

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Ralf Weidert hat in einem Vortrag in Kestrich an den Einfluss von Juden auf die deutsche Braukultur berichtet. Es wurde auch koscheres Bier ausgeschenkt.

Am Ende löste sich die Veranstaltung in einer kleinen Bierprobe auf - schließlich stand ja der Gerstensaft im Mittelpunkt des Abends in der Alten Synagoge Kestrich. Beim Gedenktag an die Pogrome gegen Juden von 1938 gingen Erinnern an die Schrecken von einst und Informationen über Juden und das Bier Hand in Hand. Den mahnenden Worten von Bürgermeister und Pfarrer (die Alsfelder Allgemeine berichtete) schloss sich ein Vortrag von Ralf Weidert an, der mit einer detailreichen Präsentation den Bogen von den ersten Biertrinkern im Nahen Osten bis hin zur Verfolgung jüdischer Braumeister im Dritten Reich schlug.

Zum Abschluss der Veranstaltung des Vereins Historisches Feldatal und der evangelischen Kirchengemeinde schenkte er Proben des Gerstensafts aus, darunter ein koscheres Pils aus Sachsen.

Besonderes Augenmerk richtete der Kestricher auf das Hexagramm, den sechszackigen Stern, der die Fahne Israels und das Zunftzeichen der Brauer ziert. Als Stern ist es auf Flaschenetiketten in Süddeutschland zu finden. Das Bier selbst begleitet die Menschheit seit langem, älteste Spuren sind 13 000 Jahre alt, wie Weidert berichtet. Es war ein wichtiges Handelsgut der Hansestädte bis in das 17. Jahrhundert hinein. Im Jahr 1516 sei dann das bayrische Reinheitsgebot erlassen worden, zuvor hatten die Brauer Zutaten wie Fliegenpilz und Kräuter zugesetzt. Ab dem 17. Jahrhundert habe sich das Bier als Volksgetränk in Deutschland durchgesetzt, wie Weidert sagte.

Das Hexagramm als Zunftzeichen habe eventuell den Hintergrund, dass der Sechszack als Schutzzeichen gegen Feuersbrünste gesehen wurde. Brände waren in den Städten von einst eine große Gefahr, auch von Brauereien konnten sie ausgehen.

Brauereiverkauf unter Androhungen

Weidert verwies auf die lange Verfolgungsgeschichte von Juden in den Kreuzzügen und während der Pestepidemien im 15. Jahrhundert. Die Gleichstellung kam in Folge der französischen Revolution von 1789. Erst 1871 mit Gründung des Deutschen Reichs wurden auch deutsche Juden gleichberechtigt. Als Symbol der zionistischen Bewegung diente der sechszackige Davidsstern, übernommen in die israelische Fahne.

Eine bedeutende Rolle maß Weidert den jüdischen Unternehmern in der Entwicklung der Brauereien bei. So hat der Alsfelder Branntweinhändler Meier Wallach 1858 in Alsfeld die Brauerei übernommen und zu einem stolzen Unternehmen ausgebaut. 1901 baute sein Enkel Carl in der Grünberger Straße ein modernes Braugebäude. 1935 wird Carl Wallach unter Waffengewalt von SA-Männern gezwungen, das Unternehmen an eine Genossenschaft zu verkaufen. Weidert fügte an, dass Helmut Wallach 1937 nach Südamerika flüchten konnte, ein Versuch, die Brauerei nach dem Krieg wieder zu betreiben, scheiterte.

Eine wichtige Rolle bei der Industrialisierung der Brauereien spielten Eisenbahn und später Kühlwagen, um das Bier großer Unternehmen in andere Regionen zu transportieren. Fusionen waren die Folge, wie Weidert am Beispiel des Münchener Unternehmers Joseph Schülein erläuterte, der 1895 seine erste Braustätte kaufte. 1905 übernahm er Kindl-Bräu, 1925 fusionierte man zu Löwenbräu. Die jüdischen Unternehmer verloren ihr Eigentum später in den Arisierungskampagnen.

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