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Kleines Land als Spielball der Weltmächte

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Von: Herbert Schott

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Von links die Initiatorinnen des Weltgebetstages von Kestrich: Regine Seibert, Silke Schmidt, Kerstin Sobota, Anita Schaaf und Astrid Lukas. © Herbert Schott

Feldatal-Kestrich (hso). Nach drei Jahren »Corona-Pause« haben in diesem Jahr wieder Frauen aus beiden Konfessionen zum »Weltgebetstag« in die kleine Fachwerkkirche eingeladen. Über Länder- und Konfessionsgrenzen hinweg engagieren sich Frauen seit über 100 Jahren für den Weltgebetstag. Rund um den 3. März laden diesmal Frauen aus dem kleinen Land Taiwan ein, daran zu glauben, »dass wir diese Welt zum Positiven verändern können.

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Hektisches Leben und Traditionen

Grundgedanke in jedem Jahr ist es, über das jeweilige Land zu informieren und den Fokus auch auf das Leben der Frauen dort zu richten. Rund 180 km trennen Taiwan vom chinesischen Festland. Doch es liegen Welten zwischen dem demokratischen Inselstaat und dem kommunistischen Regime in China. Die Führung in Peking betrachtet Taiwan als abtrünnige Provinz und will es »zurückholen«. Taiwan hingegen pocht auf seine Eigenständigkeit. In diesen unsicheren Zeiten haben taiwanische Christinnen Gebete, Lieder und Texte über ihre persönliche Situation für den Weltgebetstag verfasst, die auch in Kestrich, wie in über 150 Ländern der Erde, gemeinsam gesungen, gelesen und gebetet wurden.

»Wir wollen mit ihnen für das einstehen, was uns gemeinsam wertvoll ist: Demokratie, Frieden und Menschenrechte«, so Anita Schaaf bei der Begrüßung der Gäste. In einem Diavortrag von Regine Seibert erzählten die Protagonistinnen des Abends viel über Land und Leute. Die Hauptinsel des 23 Millionen-Volkes im Pazifik ist ungefähr so groß wie Baden-Württemberg. Der Konflikt zwischen China und Taiwan geht zurück auf den chinesischen Bürgerkrieg zwischen 1927 und 1949, wo die national-chinesischen Truppen vor den Kommunisten nach Taiwan flohen.

Es folgte nicht nur der wirtschaftliche Aufschwung, sondern auch die Errichtung einer Diktatur. Nach langen Kämpfen fanden im Jahr 1992 die ersten demokratischen Wahlen statt. Heute ist dort gerade die junge Generation stolz auf Errungenschaften wie digitale Teilhabe, Meinungsfreiheit und Menschrechte. Der hektische Alltag in den Hightech-Metropolen wie Taipeh ist geprägt von Leistungsdruck, langen Arbeitstagen und steigenden Lebenshaltungskosten. Dennoch spielen Spiritualität und Traditionen eine wichtige Rolle. Die meisten Taiwaner praktizieren einen Volksglauben, der daoistische und buddhistische Einflüsse vereint. Zentrum des religiösen Lebens sind die zahlreichen Tempel. Christen machen nur vier bis fünf Prozent der Bevölkerung aus. In den Fürbitten bat man um Stärke und Weisheit, damit die Menschen in Taiwan mit ihrer ungewissen Zukunft zurechtkommen. Beim gemütlichen Beisammensein wurde landestypisches Gebäck wie Ananaskekse und Saft und Tee gereicht.

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