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»Geschichte darf sich nicht wiederholen«

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Von: Herbert Schott

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Die Konfirmandengruppe mit Pfarrerin, Bürgermeister und Vereinsmitgliedern am Gedenkstein. © Herbert Schott

Feldatal-Kestrich (hso). In der kleinen Landsynagoge in Kestrich fand auch in diesem Jahr am 9. November die Gedenkveranstaltung an die Reichspogromnacht statt. Eingeladen hatten die Gemeinde, die ev. Kirchengemeinde und der Verein »Historisches Feldatal«. Einige Dinge aber waren in diesem Jahr etwas anders als sonst.

An der Kirche, in Sichtweite zur Synagoge, stand ein Streifenwagen der Polizei zur Beobachtung der Veranstaltung. Der Besucherraum der kleinen Landsynagoge war nahezu voll besetzt, was in erster Linie am Besuch der diesjährigen Konfirmandinnen und Konfirmanden und deren Eltern lag. Diese waren von Pfarrerin Nena Raab extra eingeladen worden. Es waren gerade die Konfirmanden, die diese Gedenkveranstaltung prägten. Der Vorsitzende des Vereins, »Historisches Feldatal«, Ernst Uwe Offhaus, erklärte ihnen und den übrigen Gästen die Geschichte der Synagoge und einige jüdischen Sitten und Bräuche.

So erfuhren die Gäste, dass die Frauen oben auf der Empore über einen separaten Eingang ihren Platz hatten und die Männer unten saßen.

Das Interesse der Konfirmanden war groß und so entwickelte sich ein lebhaftes Frage- und Antwortspiel. Dabei waren die Ausgestaltung des Raumes und die jüdischen Symbole von großem Interesse. Dass die Synagoge in Kestrich noch steht, habe man Rudolf Weifenbach zu verdanken, welcher die NS-Leute aus Angst um seinen angrenzenden Bauernhof von der Brandschatzung abhielt. So wurden in dieser Nacht »nur« die Innenräume samt Inventar zerstört.

Zeichen setzen

Anlässlich des 83. Jahrestages zum Gedenken an die Reichspogromnacht erinnerte Bürgermeister Leopold Bach an die Zerstörung und Brandschatzung von jüdischen Synagogen, Geschäften und Häusern. »83 Jahre nach dieser Nacht holen uns die schrecklichen Ereignisse von damals mit beklemmender Aktualität wieder ein«, sagte der Bürgermeister.

Hass und Hetze im Internet animierten zu Gewalt und Terror auf der Straße.

Der Rechtsextremismus habe wieder eine neue unfassbare Dimension erreicht. »Wir dürfen es nicht zulassen, dass sich die Geschichte wiederholt und sollten lautstark gegen Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus aufbegehren. Und dieses besonders im unmittelbaren Umfeld: In der Familie, unter Freuden, im Verein, in der Schule und am Arbeitsplatz. Hier gilt es unmissverständlich Zeichen zu setzen«.

Pfarrerin Nena Raab bat um eine friedliche Zukunft für alle Menschen. Dietmar Schlosser vom Verein »Historisches Feldatal« richtete noch einen Dank an den anwesenden Albert Weifenbach, »ohne dessen Bereitschaft zum Erhalt und Renovierung der Synagoge wir hier nicht sitzen würden«.

Danach legte man mit den Konfirmanden zum Gedenken an die Opfer am Gedenkstein vor der Synagoge ein Blumengebinde nieder.

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