Ernst-Uwe Offhaus: "Es waren zwölf sehr schöne Jahre im Amt"

Feldatal (jol). Die zwölf Jahre im Entscheidungszentrum der Gemeinde haben ihm Spaß gemacht, das merkt man Bürgermeister Ernst-Uwe Offhaus im Gespräch an.

Feldatal (jol). Die zwölf Jahre im Entscheidungszentrum der Gemeinde haben ihm Spaß gemacht, das merkt man Bürgermeister Ernst-Uwe Offhaus im Gespräch an. Aber es kommt genauso ehrlich ‘rüber, wenn er sagt, dass er sich auf den Ruhestand freut. "Das ist wunderbar - es hat so etwas Befreiendes", meint er mit breitem Lächeln. Am heutigen Freitag Abend wird er als Ehrenbürgermeister verabschiedet, sein Stellvertreter Dietmar Schlosser tritt dann den Dienst an. Und auch wenn Offhaus sagt, er stehe jederzeit für Hilfen zur Verfügung, so wird ihm bestimmt die Zeit nicht lang. Im Gespräch mit der Allgemeinen Zeitung zog er jetzt Bilanz einer Zeit, die der Gemeinde viel gebracht hat - er ist aber auch besorgt, weil das Feldatal überaltert.

Er hat bereits angefangen, sein "grünes Reich" im Erdgeschoss des alten Fachwerk-Rathauses zu sortieren. Ein Teil der über zwei Meter hohen Pflanzen zieht in das Wohnhaus um, die größte wird im Flur des Rathauses ihren Platz finden. Und er hat die Kiste mit den Unterlagen für das Heimatbuch Feldatal bereits an die Bürotür gestellt, da wartet viel Arbeit auf den passionierten Lokalforscher. Und er kandidiert für den Kreistag, "da wird wohl wieder ein Ausschuss auf mich zukommen".

Es ist schwer vorstellbar, dass der Mann, der bisher mit viel Einsatz für die Gemeinde am Werk war, einfach nur lesend und Zigaretten rauchend im heimischen Wohnzimmer sitzt. Schließlich ist für ihn die wichtigste Tugend eines Bürgermeisters, fleißig zu sein. Er war meist sechs Tage die Woche für die Gemeinde aktiv, mit vielen Abendterminen bei Vereinen und Festen. Wenn es nötig war, hat er am Sonntag noch das eine oder andere aufgearbeitet. So auch am vergangenen Wochenende, als er nach dem Gottesdienstbesuch noch die Bauplanungen für den Außenbereich des Gemeinschaftshauses Köddingen geprüft hat, um am Montag gleich die Bezuschussung abzuklären.

Am heutigen Freitag wird für Offhaus ein gravierender Abschnitt eines langen Politikerlebens abgeschlossen. Das hat bereits 1972 in Homberg mit dem Einsatz im Ortsbeirat begonnen, daran schlossen sich Stationen wie 16 Jahre als Ortsvorsteher Groß-Felda, 18 Jahre Gemeindevertretungsvorsitzender und zwei Jahre als 1. Beigeordneter der Gemeinde sowie ein Kreistagsmandat an. Dabei hat er miterlebt, dass die Gemeinden immer weniger Geld frei einsetzen können, die Auflagen von Land und Bund nehmen zu (zum Beispiel für die teure Kanalsanierung), im Gegenzug sinken die Einnahmen.

"Man muss den Mut haben, die Gemeindegremien von Innovationen zu überzeugen." So war es strittig, die OVAG-Brunnen zurückzukaufen, "aber heute sind wir froh darüber". Ähnlich bei der Sternwarte Stumpertenrod. Nach langen Debatten im Gemeindeparlament gab es immerhin eine Mehrheitsentscheidung für den Bau der Beobachtungsstation, die nun sehr gut genutzt wird. Dabei freute er sich über die Unterstützung von CDU-Fraktionschef Manfred Müller, der meinte, dann müsse man halt ein Risiko eingehen. Was er an seiner Arbeit so schätzte, ist die Notwendigkeit, flexibel zu sein. Beispiel: An der Kläranlage Schellnhausen war eine Dränage nicht in Ordnung - Folge war, dass eine Wiese mit Wasser voll gelaufen ist. Das hat den Eigentümer alles Andere als erfreut, aber nach einigem Nachdenken fand man eine gute Lösung. Über ein Naturschutz-Programm wurde der Bereich aufgekauft und hat sich zu einem sumpfigen Gelände weiterentwickelt, "das ist herrlich für Vögel". In den zwölf Jahren hat sich für die Gemeinde viel getan, vor allem im Abwasserbereich. Die Ortsdurchfahrt Groß-Felda wurde komplett hergerichtet, die alte Kläranlage Köddingen geschlossen und der Ortsteil mit einer langen Leitung über Kestrich an die Kläranlage angeschlossen.

Nicht zu vergessen der Ausbau des Neubaugebiets Bereich "Alter Weg" und die Sanierung der Alten Synagoge Kestrich. So gehört für Offhaus zu einem guten Bürgermeister, "dass er fleißig ist und zielgerichtet arbeitet". Die eine oder andere unbequeme Entscheidung sei unvermeidlich, auch wenn dann einzelne Bürger alle Hebel in Bewegung setzen, um ihr eigenes Interesse durchzusetzen.

"Fleiß, Innovationskraft und Durchsetzungsvermögen werden von den Bürgern honoriert", wie Offhaus immer wieder im Gespräch mit den Feldatalern erlebt hat. Dabei wird ihm auch immer wieder bescheinigt, dass er über den Tellerrand schaut und zwar als Sozialdemokrat erkennbar bleibt, aber für alle Bürger agiert. Was ihm aber Sorgenfalten bereitet, das ist die Entwicklung der Gemeinde.

Die Feldataler werden älter und weniger, das ist für einen Angehörigen seiner Generation bedauerlich und auch nur schwer verständlich: "Früher haben wir auch rumgemacht und wenn ein Kind kam, wurde geheiratet." So manche Ehe ist nicht so toll geworden, aber das war dann eben so. Heute seien die jungen Leute erfreulicherweise immer noch sehr mit der Heimat verbunden, da habe sich wenig getan.

Offhaus findet es bewundernswert, wenn junge Menschen weite Fahrten zum Arbeitsplatz in Kauf nehmen, nur um weiter in der Heimat leben zu können. Sie bekommen aber zu wenig Kinder - in diesem Jahr standen bislang rund sieben Geburten 30 Todesfällen gegenüber. Da sind dann Fleiß und Kreativität des Bürgermeisters in besonderem Maße gefragt. Schließlich mache das Amt auch in turbulenten Zeiten viel Spaß. Sein Fazit: "Es waren zwölf sehr schöne Jahre - ich möchte nicht einmal die schwierigen Zeiten missen".

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