Bewährung nach Mistgabel-Attacke

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Dramatisch war das, was am 8. Juli 2015 im beschaulichen Feldatal geschah: Ein wutentbrannter junger Mann steht einem heute 56-Jährigen gegenüber. In seinen Händen hält er eine Mistgabel und sticht immer wieder in Richtung des Oberkörpers seines Gegenübers. "Ich stech dich ab, du fette Sau!", brüllt er dabei. Doch zum Glück kommt es nicht so weit. Der Mittfünfziger kann die Angriffe mit einer Schaufel abwehren und bleibt unversehrt.

Dramatisch war das, was am 8. Juli 2015 im beschaulichen Feldatal geschah: Ein wutentbrannter junger Mann steht einem heute 56-Jährigen gegenüber. In seinen Händen hält er eine Mistgabel und sticht immer wieder in Richtung des Oberkörpers seines Gegenübers. "Ich stech dich ab, du fette Sau!", brüllt er dabei. Doch zum Glück kommt es nicht so weit. Der Mittfünfziger kann die Angriffe mit einer Schaufel abwehren und bleibt unversehrt.

Die Sechste Große Strafkammer des Gießener Landgerichts ging am Donnerstag auch davon aus, dass der Angeklagte gar nicht vorgehabt hatte, das Opfer zu töten. Deshalb verurteilten die Richter den 24-Jährigen in einem Revisionsverfahren auch nicht wegen versuchten Totschlags, sondern wegen versuchter Nötigung und versuchter gefährlicher Körperverletzung. Der Vogelsberger kassierte zwei Jahre Haft auf Bewährung. Für den Mann, der gerade eine Ausbildung absolviert, bedeutet dies jede Menge Glück. Im Dezember 2016 hatte das Schwurgericht des Gießener Landgerichts ihn zu dreieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Die Richter waren seinerzeit davon ausgegangen, dass der Mann tatsächlich mit Tötungsvorsatz gehandelt habe.

Das hatte der Angeklagte in seinem letzten Wort ausdrücklich bestritten. "Wer immer wieder ›Ich mach dich platt‹ sagt, der macht es nicht", erläuterte er. Tatsächlich hatte der am Tattag stark alkoholisierte Feldataler Streit mit mehreren Personen gehabt und dabei immer wieder laut "Ich stech dich ab" gebrüllt. Sein Verteidiger Oliver Persch, der sieben Monate Haft auf Bewährung gefordert hatte, sprach von einem "Stereotyp". Auch Vorsitzender Richter Andreas Wellenkötter ging davon aus, dass der zur Tatzeit unter Drogen stehende Mann aus Wut gehandelt habe. Er leidet laut einem medizinischen Gutachter an einer dissozialen Persönlichkeitsstörung, sei deshalb leicht reizbar und besitze eine geringe Frustrationstoleranz. Durch die Rauschmittel war er möglicherweise nur vermindert schuldfähig. Der Angeklagte war mit dem 56-Jährigen in Streit geraten, weil er das Gefühl gehabt hatte, dieser habe ihn mit seinem Pritschenwagen von der Straße abgedrängt. Dabei wurde der Motorroller des Täters beschädigt.

Durch Aussagen des Opfers und anderer Zeugen hatte Staatsanwältin Nikola Barho hingegen den Vorwurf des versuchten Totschlags als erwiesen angesehen. Sie forderte unter Einbeziehung weiterer Vorstrafen vier Jahre und zwei Monate Gefängnis.

Als Bewährungsauflagen muss der Angeklagte eine therapeutische Behandlung beginnen und seine Drogenfreiheit nachweisen.

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