"Besucher sind begeistert von der Region"

Feldatal (jol). Feldatal ist wünderschön – das meinen viele Besucher der Gemeinde am Rande des Naturparks Hoher Vogelsberg. Aber die kleine Gemeinde liegt im Schatten von bekannteren Orten wie Alsfeld oder dem Vulkan-Radweg. Das wollen einige Tourismus-Aktive nicht hinnehmen.

Feldatal (jol). Feldatal ist wünderschön – das meinen viele Besucher der Gemeinde am Rande des Naturparks Hoher Vogelsberg. Aber die kleine Gemeinde liegt im Schatten von bekannteren Orten wie Alsfeld oder dem Vulkan-Radweg. Das wollen einige Tourismus-Aktive nicht hinnehmen. Seit einem Jahr arbeiten sie in der Tourismus-Kommission der Gemeinde zusammen – herausgekommen sind eine bessere Vernetzung, ein Gastgeberverzeichnis und ein gemeinsames Pauschalangebot. Aber: "Alles steht und fällt mit der Werbung", wie Ute Schedalke meint. Die Allgemeine Zeitung hat bei einer kleinen Sommertour vier Aktive der Kommission besucht.

Gewohnt locker geht es in der Greifvogelwarte von Michael Simon und Familie zu. Für das Zeitungsbild schlüpft der junge Falkner in das Gehege von "Punky", einem südamerikanischen Geierfalken. "Er ist unser Clown", so Simon, während der scharfkrallige Vogel mit dem eindrucksvollen Schopf auf seine Kappe steigt und auf den Händen Simons seine Häppchen erwartet. Das gutmütige Tier wird auch Besuchern auf den geschützten Kopf gesetzt.

Dennoch laufen die Geschäfte nicht optimal. Etwa 30 Besucher zählt man pro Tag, im Vorjahr kamen an guten Tagen bis zu 80 Interessierte. Simon bestätigt, dass die Werbung im Fremdenverkehr das Wichtigste ist. Im Vorjahr gab es drei Fernsehberichte über die Greifvogelwarte mit ihren imposanten Vögeln. In diesem Jahr versucht Simon, über Google seine Kundschaft zu erreichen. Menschen aus dem Raum Gießen und dem Rhein-Main-Gebiet sollen bei der Suche nach Ausflugszielen auf seine Seite aufmerksam werden. Und die Internetpräsenz des Hofs am Ortsrand von Ermenrod ist entsprechend gut gemacht - auch mit Links zu Angeboten in Feldatal. So wird gleich auf die Küche der Gaststätte Froschkönig verwiesen, ebenfalls aktiv in der Kommission. Mehrere Ferienwohnungen und der Hinweis auf den Peric-Reiterhof und den Erlebnisbauernhof Stein sind zu finden.

Diese Vernetzung hält Ute Schedalke für unabdingbar, wenn sich eine Gemeinde als Ferienregion etablieren will. Ihr Ferienhaus mit acht Betten ist das ganze Jahr über gut gebucht, wenn auch zeitweise mit Monteuren. Sie ist in großen Internetportalen vertreten, die mit Opodo und TUI kooperieren. Sie hat die Erfahrung gemacht, dass Familientreffen gerne in zentralen Orten wie Feldatal veranstaltet werden. Weiteres Pfund der Region: Man ist schnell in Städten wie Alsfeld, Fulda und Marburg, hat eine schöne Umgebung zur Entspannung und ist aus ganz Deutschland sehr gut zu erreichen. "Alle Besucher sind begeistert von der Region", es fehlt aber Werbung im großen Stil". Das könnte auch dem Peric-Hof in Stumpertenrod zu Gute kommen, der bislang fast ausschließlich Reiter aus der Umgebung zu seinen Kunden zählt. Ricarda Prades bestätigt, dass sich "die Leute hier sehr wohlfühlen". Im Frühjahr und Herbst machen auch Wanderreiter bei ihr Station. Kindergruppen verbringen Reiterferien auf dem Hof mit seinen rund 20 Pferden. Die Ferienwohnung ist zeitweise gut ausgelastet. Es sind aber noch nicht viele Besucher von außerhalb auf dem Peric-Hof, da erhofft sie sich einiges von einer gemeinsamen Anstrengung mehrere Anbieter.

So können Anfragen von Gästen weitergereicht werden, wenn die eigene Ferienwohnung belegt ist, man kann auf Gaststätten und Ausflugsziele verweisen. Gut findet sie den Ansatz, ein Pauschalangebot für einen mehrtägigen Aufenthalt mit Unterkunft, Essen und Ausflügen anzubieten.

Reiterferien und Kälber-Führen

Davon kann auch Christiane Stein mit dem Erlebnisbauernhof nur wenige Meter weiter profitieren. Seit vergangenem Jahr bietet sie für Besuchergruppen eine Einführung in die Milchwirtschaft an, bei Interesse mit Exkurs in den Stall. Das kommt gerade bei Kindern sehr gut an, wenn sie beim Füttern der Kühe mitmachen dürfen oder einmal ein Kälbchen im Hof führen. "Man begreift mehr, wenn man etwas anfassen kann." Dazu gibt es bei ihr einen Milchshake und ein kleines Frühstück rund um die Milch. Inzwischen werden schon Kindergeburtstage bei ihr verlebt. Sie ist an die hessische Milch- und Käsestraße der Landesvereinigung Milch angeschlossen.

Auch Bürgermeister Dietmar Schlosser sieht große Chancen für den Ort im Tourismus. So könnten noch Fachwerkhäuser zu Ferienwohnungen umgestaltet werden, wenn Feldatal als Urlaubsort bekannt wird. Immerhin bietet die Gemeinde mit Sternwarte, Vogelwarte, Freibad, Alter Synagoge, Mühlen- und Schmiedefest sowie Wanderwegen einiges zur Entspannung. Die finanzschwache Gemeinde hilft, wo es möglich ist, kann sich aber keine professionelle Betreuung leisten, deshalb ist er froh über die rege Mitarbeit in der Tourismus-Kommission. Dabei muss man Geduld haben, es dauert seine Zeit, bis man Erfolge verzeichnen kann.

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