Bessere Abwasserreinigung spart 40 000 Euro

Feldatal (jol). Auf Gitterblechen über den sechs Meter tiefen Becken der Kläranlage Schellnhausen war am Dienstag der Bauausschuss der Gemeindevertretung Feldatal unterwegs.

In der anrüchigen Umgebung, wenn auch in schöner Landschaft zwischen Schellnhausen und Ermenrod, beschloss der Ausschuss einstimmig, rund 40 000 Euro für neue Klärwerktechnik auszugeben. Der Clou: Wenn die Phosphorwerte um 20 Prozent gemindert werden, wird die Investition mit der Abwasserabgabe verrechnet – kostet mithin nichts. Einhellig beschlossen wurde auch die Sanierung des Kanals in der Bergstraße Zeilbach für 15 000 Euro.

Beide Beschlüsse dienen der Vorbereitung der Gemeindevertretersitzung am 6. September. Anlass für den Ortstermin auf dem gewaltigen Klärbecken sind defekte Anlagenteile. Die Belüftungsteller, Schläuche und weitere Teile müssen nach 21 Jahren Betrieb ausgetauscht werden. Dafür sind 40 000 Euro nötig, die im Haushalt vorgesehen, aber gesperrt sind, so Ausschussvorsitzender Arnold Hacke. Marcel Danisch, Projektverantwortlicher bei der Betreiberfirma MHWA, stellte die Anlagentechnik vor und erläuterte die notwendigen Reparaturen.

Das Prinzip der Anlage ist übersichtlich: Das Abwasser wird zunächst mit einem Rechen von grobem Unrat gereinigt, dann setzen sich im "Sandfang" kleine Steinchen ab, bevor das Wasser ins Belebungsbecken gepumpt wird. In zwei Phasen reinigen Mikroorganismen die immer noch braune Brühe, dabei fällt stickstoffhaltiger Schlamm an, der auf Feldern im Vogelsberg wieder ausgebracht werden kann.

Notwendig ist eine Erneuerung der Belüfterteller, durch die Sauerstoff in das Becken gedrückt wird, wie Danisch erläuterte. Der Hersteller empfiehlt ein Ersetzen nach etwa sieben Jahren, in Schellnhausen arbeiten die Teller bereits die dreifache Zeit. Dadurch wird das Abwasser in dem sechs Meter tiefen Becken nicht gleichmäßig belüftet. Gebläse und Pumpen sollen ebenfalls erneuert werden. Wie groß die Schäden sind, wird sich beim Ablassen des Beckens zeigen, so Danisch. Dann wird auch gleich geprüft, inwieweit die Beckenwände beschädigt sind und man kann Unmengen an Sand herausholen, der sich am Boden abgesetzt hat.

Er warb dafür, auch die Sondentechnik zu erneuern. Mit modernen Sonden kann der Gehalt an Stickstoff und Sauerstoff genauer kontrolliert werden. Ziel ist es, die Reinigungsleistung beim Phosphor zu verbessern. Denn: Wenn die Anlage nach der Modernisierung 20% weniger Phosphor in den Ablauf leitet, kann die Gemeinde die Sanierungskosten mit der Abwasserabgabe verrechnen. Dafür fallen jährlich rund 28000 Euro an. Problem sind "Stoßbelastungen", während die Kläranlage im Normalbetrieb auch beim Phosphor gute Werte erzielt. Wenn aber nach Trockenheit ein heftiger Regenguss die abgelagerten Reste aus den Kanalleitungen in einem Schwall zur Kläranlage befördert, kann die Reinigungsleistung stark sinken – und dabei kann der Grenzwert kurzzeitig überschritten werden.

Danisch schlug vor, Angebote zur Sanierung der Technik einzuholen und dann im Herbst/Winter mit der Umrüstung zu beginnen. Witterungsbedingt könnten die Arbeiten auch eventuell erst nächstes Jahr laufen.

Dem stimmten die Ausschussmitglieder zu, so freute sich Elisabeth Schott (FWG) über die Möglichkeit, den Umbau kostenneutral hinzubekommen. Peter Weiß (AUF) nannte es eine "sinnvolle Investition". Wenn die Leistung der Anlage verbessert werden kann, soll man das machen. Hacke (SPD) meinte, wenn die Phosphorwerte sinken, kann man die Instition gegenrechnen und das sei gut für die Gemeinde.

Schnell entschieden war das weitere Vorgehen bei der Kläranlage Stumpertenrod. Dort ist, so Klärwärter Robert Stobbe, der Rechen stark verschlissen. Das Gerät, das mit Gittern grobe Bestandteile aus dem Abwasser fischt, hat besonders durch Steine und Sandanteile aus dem Abwasser sehr gelitten. Kürzlich ist die Antriebskette gerissen, die Reparatur kostete 4000 Euro. Die MHWA will nun einen Kostenvoranschlag für eine Grundüberholung einholen, dann entscheidet die Gemeindevertretung.

Außerplanmäßig ausgeben will man 15 000 Euro für die Sanierung des Kanals in der Bergstraße von Zeilbach. Dort wird die Straße grundsaniert, dabei soll vor allem der Übergang zur Hauptleitung erneuert werden. Der ist komplett kaputt, so Hacke. Aus Kostengründen bleibt die 150er-Abwasserleitung in der Bergstraße liegen, auch wenn heutzutage 250er-Rohre gefordert sind.

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