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Aus der Geschichte lernen

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Von: Herbert Schott

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Dr evangelische Posaunenchor begleitete die Veranstaltung, zu der Bürgermeister Leopold Bach und Pfarrerin Nena Raab geladen hatten. Vor der Bühne haben sich die Ortsvorsteher und Vertretung der Reservisten versammelt. © Herbert Schott

Feldatal (hso). Im Feldatal gab es in diesem Jahr erstmals eine zentrale Veranstaltung zum Volkstrauertag. Die Idee dazu hatten Pfarrerin Nena Raab und Bürgermeister Leopold Bach, die alle Menschen in die Feldatalhalle eingeladen hatten, die an diesem Tag einen Gottesdienst zum ehrenden Gedenken an die Toten der beiden Weltkriege, an die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft, der Vertreibung und der Flucht aus der Heimat besuchen wollten.

Diese Idee wurde von der Bevölkerung sehr gut angenommen und der Bürgermeister konnte die Ortsvorsteher aller Feldataler Ortsteile, Vertreter der Reservistenkameradschaft Feldatal und den Evangelischen Posaunenchor Groß-Felda unter der Leitung von Ann-Christin Ernst begrüßen. Dieser umrahmte und begleitete die Veranstaltung musikalisch.

Keine Schuld, aber Verantwortung

Pfarrerin Raab stellte die Frage: »Kann man aus der Geschichte lernen?« Das frage sie sich, wenn Menschen wegen der Corona-Maßnahmen von Diktatur sprechen, wenn sie am 9. November vor der Synagoge in Kestrich stehe, wenn sie von Szenen höre, die sich an den EU-Außengrenzen abspielen, oder wenn Konfirmanden auf dem Friedhof in Groß-Felda vor den Kriegsgräbern und -denkmälern stehen.

Sie erzählte, wie Gott im Buch Jeremia zu Jeremia spricht und zog Parallelen zur heutigen Zeit. »Wenn wir auf unsere Geschichte in Deutschland schauen, merken wir auch immer wieder, dass es eben schwer ist zu lernen. Wir begehen den heutigen Volkstrauertag in einem Bewusstsein, wie viele Menschen in den beiden Weltkriegen gestorben und wie viele Geschichten nicht mehr weitererzählt werden konnten«, sagte sie. »Wir müssen uns immer wieder erinnern, denn wenn wir das nicht tun - Kränze niederlegen und Namen nennen, uns der Geschichte vergewissern - dann sind die Tafeln auf unseren Friedhöfen wirklich nur noch Tafeln.«

Die junge Generation, so Raab, sei nicht schuld, trage aber eine Verantwortung für die Gegenwart und Zukunft »damit so etwas nie wieder geschieht«. Es gehe darum, sich für andere einzusetzen und sich mit der Vergangenheit auseinander zu setzten.

Bürgermeister Bach sprach als Vertreter einer Generation, die mehrere Jahrzehnte nach dem Kriegsende geboren wurde und damit vermutlich in einem friedlicheren Deutschland aufgewachsen ist als jede andere Generation zuvor in der Geschichte. »Einen anderen Zustand als derzeit (natürlich ohne Corona) können und wollen wir uns nicht vorstellen. Obwohl ich nie selbst Erfahrung mit Krieg oder Unterdrückung gemacht habe, sind wir alle, auch wir Jüngeren, verpflichtet uns für Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit einzusetzen«, sagte Bach. Antisemitismus, Ausgrenzung und Fremdenfeindlichkeit dürften keine Chance haben. Er beendete seine Ansprache mit den Worten: »Nie wieder!«

Kränze für die Ortsteile

Auf den Friedhöfen der anderen Ortsteile gab es an diesem Tag keine zusätzlichen Andachten. Im Nachgang zum Zentralgottesdienst legten die Ortsvorsteher und die Reservistenkameradschaft Feldatal auf den jeweiligen Friedhöfen jedoch Kränze nieder.

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