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Feinsinnige Bild- und Klangwelten

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Von: Redaktion

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Die Vernissage im Schlossgarten ist sehr gut besucht. © Red

Moderne Kunst in alten Räumen - dieser Gegensatz wirkt seit Sonntag im Homberger Schloss inspirierend. Aber ist es wirklich ein Gegensatz, oder ergänzen sich die Werke der Künstlerin Moina mit den renovierten Zimmern? Die Vernissage war gelungener Auftakt zur Schlosssaison.

Nach langer Corona-Pause und vielen mühevollen Vorbereitungen konnten mit der Vernissage zu einer Ausstellung der ganz besonderen Art die neu hergerichteten Räume im Schloss endlich ihrer Bestimmung übergeben werden. Das sommerliche Flair des Schlossgartens und die spannende Beschreibung des feinsinnigen Schaffensprozesses der Künstlerin Moina in der Eröffnungsrede stimmten die zahlreichen Gäste bereits auf eine vieldimensionale und sehr berührende Ausstellung ein.

Künstlerin Moina hatte man dafür gewinnen können, ihr Werk eigens für die vorhandenen Räumlichkeiten im Schloss zu produzieren, was für sie eine intensive Schaffensphase von sieben Monaten bedeutete und für die Arbeitsgruppe Kunst und Kultur der Schlosspatrioten ein Bangen um die Realisierbarkeit angesichts der ständigen Corona-Schwankungen. Seit Herbst 2020 ging Moina an die Umsetzung ihrer Idee, ein Werk zu schaffen, das sich dem Thema »Mensch« in vielschichtigen Facetten widmet und ihre ganz unterschiedlichen Darstellungsmittel in einer Gesamtkomposition zu ihrem »LebensWerk« rundet.

Es gibt keine objektive Sicht

Künsterlin Moina versucht eine visuelle Sprache für das Unsichtbare, das im Inneren Wahrgenommene für die »Inside Worlds« zu finden, wie sie ihre Ausstellung auch betitelt hat. Sie zeigt in ihren feinsinnigen Arbeiten, dass das »Realbild«, also das, was wir in der äußeren Wirklichkeit sehen, keine objektive Sicht darstellt, sondern dass persönliches Denken und Fühlen unsere Perspektive auf die Welt formen.

In diesem Sinn setzt sie fotografische Bilder auch verfremdet ein und bewirkt durch das Spielen mit Licht und Transparenz eine Vermischung des Blicks von außen auf eine Person und ihre unsichtbaren, inneren Anteile. Moina versucht das Nicht-Sichtbare auf kreative Weise sichtbar zu machen. Durch das mehrschichtige Zusammenwirken von Innen und Außen versucht sie dem ewigen Geheimnis Mensch und seiner Fragilität und Verletzlichkeit auf die Spur zu kommen.

Auch die Farbe spielt in Moinas Arbeiten eine wesentliche Rolle. Durch bestimmte Farbstrukturen und sie begleitende Farbklänge einer im Raum schwebenden Musik beginnen beide in feinen Nuancen zu schwingen. Man könnte sagen, dass Moinas Arbeiten voller Musik sind, und dass sie die Trennung von Musik und Bildsprache aufheben.

Diese Vielschichtigkeit und Parallelität macht Moina vor allem durch Wirkmittel der Transparenz sichtbar. Transparentpapiere und Folien ermöglichen Durchblicke auf andere Schichten und bei den frei hängenden Arbeiten sogar auch in den Raum.

Ihre sprachlichen Arbeiten unterlegen das Gesamtkonzept, Moina nennt sie »Float Thinkings«; es sind notierte Gedankengänge, die sie als weitere Darstellungsebenen mit in ihre Ausstellung integriert hat. Für Moina dient Sprache unter anderem der Verarbeitung von Ausnahmezuständen, die sich ins Poetische verwandelt, besser verarbeiten und mitteilen lassen.

30 Ausstellungsstücke

Den Besucher dieser spannenden Ausstellung erwarten also rund 30 mehrschichtige multimediale Werke, in denen Abstraktes und Figuratives gleichwertig nebeneinander stehen. Die hellfarbige, lichte Atmosphäre und die wie schwebend an die Wand gehängten Bilder und Lichtkastenporträts nehmen auf den ersten Blick für sich ein. Ein Tree-finger-Baum mit Hunderten digital bearbeiteten Polaroid-Fotos, im Raum hängende Float-Thinkings, transparente, mit Acryl- und Glasfarben bemalte Folien, untermalt von Klängen, Elektro-Rhythmen und Musiksequenzen wirken durchscheinend wie Gedanken, die den Betrachter auf je eigene Weise in den Bann ziehen.

Die Besucher der Vernissage zeigten sich in Gesprächen und Kommentaren sehr beeindruckt. Mit vielen herzlichen, wortreichen Rückmeldungen im sehr persönlich von der Künstlerin gestalteten Gästebuch, das mit farbigen kleinen Seidenpapier-Karrees die Schreibenden zu mehr als ein paar Höflichkeiten einluden, entwickelte sich das eine oder andere »float-thinking«. Und was kann sich eine Künstlerin mehr wünschen, als diese inspirierten Bekundungen des Berührtseins. Und was konnten die Schlosspatrioten sich mehr wünschen, als dass es ein wunderschöner, intensiv erlebter Nachmittag wurde, der das Schloss wieder einmal um eine Nuance bereichert hat und wohl noch viele weitere Besucher anziehen wird, dem schönen Ambiente des Schlosses und dieser besonderen Attraktion ihre Aufwartung zu machen, die noch bis zum 18. Juli jeden Sonntag zu sehen sein wird.

Arbeitsgruppe Kunst und Kultur

Besonderer Dank gebührt auch der Arbeitsgruppe Kunst und Kultur der Schlosspatrioten, deren Ausdauer und mühevollem Einsatz es zu verdanken ist, dass sie in ständigem Austausch mit der Gesundheitsbehörde alle coronabedingten behördlichen Auflagen erfüllen konnten und das Vertrauen in die Realisierbarkeit dieser ersten schönen Veranstaltung nicht aufgegeben haben. Auch die Künstlerin bedankte sich am Ende noch mal mit herzlichen Worten für den Einsatz dieser taffen Arbeitsgruppe. Sie schloss ihre Danksagung mit den Worten: »…und wenn ich eines bei den Vorbereitungen zu dieser Ausstellung gelernt habe: Es geht nicht ohne den anderen.«

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H_Schloss_Ausstellun_Moi_4c © Red

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