Bearbeitet in diesen Tagen Unmengen an Corona-Verordnungen: der Mücker Bürgermeister Andreas Sommer. FOTO: JOL
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Bearbeitet in diesen Tagen Unmengen an Corona-Verordnungen: der Mücker Bürgermeister Andreas Sommer. FOTO: JOL

"Die Familien wollen bauen"

  • Joachim Legatis
    vonJoachim Legatis
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Corona und kein Ende - seit Monaten schon hält die Pandemie die ganze Welt im Griff. Das hat Folgen bis in die kleinsten Bereiche des politischen Systems, die Kommunen, wie der Mücker Bürgermeister Andreas Sommer aufzeigt. Die Corona-Krise reißt ein Millionen-Loch ins ohnehin schon angespannte Gemeindesäckel. Nun muss überlegt werden, wohin die Gemeinde steuern soll, wünscht er sich.

Und wieder ist eine neue Version der Corona- Verordnung im E-Mail-Posteingang aufgeploppt. Verwaltungschef Andreas Sommer zieht sie geduldig zu den Dutzenden weiteren in einen eigenen "Pandemie-Ordner" auf seinem Dienstcomputer. Zu Anfang der Corona-Zeit hat der Bürgermeister von Mücke noch gedacht, er könne die aktuellen Mitteilungen zu den geforderten Maßnahmen im Bekanntmachungsblatt "Mücker Stimme" abdrucken. "Das haben wir schnell aufgegeben, das geht nur just in time", sagt der Rathauschef. Er ist froh, dass es zu den Vorgaben im besten Juristendeutsch aber auch eine "Lesefassung" gibt. "Da steht dann, erlaubt ist... und verboten ist...", erläutert Sommer. Jedenfalls müssen die Mitarbeiter des Ordnungsamts die Verordnungen durcharbeiten und dann mit den Betroffenen wie etwa Eisdielenbesitzern, Gastwirten und anderen besprechen.

So beschäftigt die Corona-Pandemie auch Wochen nach den ersten Maßnahmen die Verwaltung. Das hat zu deutlichen Veränderungen der Arbeit geführt. Einige Aufgaben sind weggefallen, weil sich die Gemeindevertreter nur noch selten treffen und Vereinsveranstaltungen ausfallen.

1,4 Millionen minus

Direkte Beratung für die Bürger gibt es nur nach Voranmeldung. "Die Verwaltung hat sich von der Bevölkerung distanziert", beschreibt es Sommer. Das sei sehr bedauerlich, weil sich manche Dinge im direkten Gespräch schneller lösen lassen. Eine weitere Folge von Corona sind finanzielle Einbußen. So ist die Gewerbesteuerumlage bislang schon um 900 000 Euro gesunken, dazu kommen rund 500 000 Euro minus bei der Einkommenssteuer.

Das hat Folgen für die länd-liche Kommune. "Wir gehen jetzt in die Kreditaufnahme", sagt Sommer. Denn die Familien stehen in den Startlöchern und wollen bauen und ihre Kinder betreut sehen. Deshalb erweitert die Gemeinde Kindertagesstätten und schafft Baugebiete.

Noch stehen 44 Kinder auf der Warteliste für einen Betreuungsplatz. Wichtig ist es laut Sommer auch, gute Arbeitsbedingungen für die Erzieherinnen zu schaffen.

Zudem prüft die Gemeinde gerade, ob sie über die Hessische Landgesellschaft (HLG) das Baugebiet Flensunger Hof erschließen soll. "Die Vergabe der Erschließung an die HLG würde die Verwaltung entlasten, weil wir nicht für den Bau in Vorleistung treten müssen und Mitarbeiter nicht bei der Planung eingebunden sind."

Debatte um politische Ziele

Sommer sieht ein Problem darin, in einer Wirtschaftskrise, wie sie durch durch Corona ausgelöst wird, weiter wie bisher gewohnt zu investieren. "Deshalb suchen wir andere Wege, um den Haushalt zu entlasten." Mit Hilfe des Landes wird eine Organisationsuntersuchung der Verwaltung erstellt.

Untersucht wird Internes wie die Eingruppierung der Mitarbeitenden, aber die Prüfer schauen auch darauf, was eine kleine Gemeindeverwaltung leisten kann und soll. "Dabei schaut man auch auf das sinnvolle Einbinden von externen Dienstleistern." Denkbar sei auch der Betrieb von Kitas durch andere Träger.

In dem Zusammenhang mit der Planung für die Verwaltung wünscht sich Sommer für die Zukunft eine politische Debatte darüber, wohin die Gemeinde steuern soll. Dabei geht es auch um die Entscheidung, ob man weitere Gewerbeflächen ausweist und damit Flächen versiegelt oder ob man eine "Gemeinde im Grünen" sein will. Gerade auf dem Hintergrund von Klimakrise und Insektensterben müsse man sich grundsätzliche Gedanken machen, "was wir wollen". Dabei gehe es um eine Entscheidung, ob man Großunternehmen anlocken möchte oder auf Arbeitsplätze in kleineren regionalen Unternehmen setzt. "Das ist ein schwieriges Thema für die politischen Gremien."

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