"Bitte recht freundlich": Der Steinadler ist stolzer Mittelpunkt beim Foto-Workshop in der Greifvogelwarte. FOTOS: JOL
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"Bitte recht freundlich": Der Steinadler ist stolzer Mittelpunkt beim Foto-Workshop in der Greifvogelwarte. FOTOS: JOL

Falken fliegen nach Pause wieder

  • Joachim Legatis
    vonJoachim Legatis
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Nach drei Monaten Zwangspause öffnet die Greifvogelwarte Feldatal wieder ihre Tore. Nur mit Voranmeldung und Mundschutz kann man an Wochenenden Falken, Eulen und Adler in Vorführungen erleben. Corona war "existenzbedrohend", sagt Falkner Michael Simon.

Auge in Auge mit einem Steinadler, Falken und einer Eule sind besondere Erlebnisse. Das bietet die Greifvogelwarte Feldatal in Ermenrod nun wieder. Die Corona-Einschränkungen haben für drei Monate für Leere zwischen den Volieren und auf dem Plateau für die Flugschau geführt, doch nun sind wieder Kleingruppen zugelassen.

Am Samstag startet die beliebte Flugschau wieder, in angepasster Form. Deshalb spricht Falkner Michael Simon lieber von Vorführungen, die Abstandsgebote müssen für bis zu 30 Besucher penibel eingehalten werden, auch zum Schutz der Vögel. Einer der ersten Besucher war Jürgen Trimbach, der mit seinem Neffen Lukas einen Foto-Workshop machte. "Eigentlich wollten wir einen Eulen-Erlebnis-tag machen, aber das geht noch nicht wegen Corona", sagt Trimbach. Die beiden schossen Porträts von Steinadler "Polly" mit der beeindruckenden Spannweite von 2,30 Metern, von Fleckenuhu "Herzelinde" und von weiteren Raubvögeln.

In der Greifvogelwarte kommen die Besucher nah an die Vögel heran. Nach einem Rundgang an den Volieren vorbei erleben sie Eulen, Uhus, Falken und Adler aus der Nähe. Simon stellt die Tiere vor, er ist der "Papa" der Wildtiere, der ihnen das Futter bringt. Vorsichtshalber hat der erfahrene Falkner die Raubvögel mit Handschuh und Lederband fest im Griff.

"Wenn man sie fair behandelt, sind sie kooperativ", ist seine Erfahrung. So führt er Verhaltensweisen vor, die von den Wildtieren mitgebracht werden. Artfremde Dressurnummern lehnt Simon ab. Er bietet rund 80 Vögeln eine artgerechte Unterkunft mit geschützter Schlafhöhle und Gelegenheit, zu fliegen. Simon freut sich, dass er die Warte wieder öffnen darf, die er mit seiner Mutter und einigen Vogelpaten betreibt.

Denn bislang waren die Auflagen trotz Lockerungen nicht zu erfüllen. Hauptproblem sind die schmalen Wege auf dem Gelände. Dort können sich Besucher zu nahe kommen, deshalb kann eine begrenzte Zahl an Gästen nur nach Voranmeldung kommen.

Er schätzt den Verlust durch die drei Monate Zwangspause auf rund 22 000 Euro - Futter, Strom und Versicherungen mussten ja weiterhin bezahlt werden. Die Schließung war "existenzbedrohend", trotz einer einmaligen Unterstützung. "Wir kämpfen uns langsam wieder zurück", meint Simon. "Es ist gut, dass es wieder weitergeht", bei allem Verständnis für die Einschränkungen wegen der Pandemie. Nun sind wieder Vorführungen für bis zu 30 Personen möglich, die am Samstag und Sonntag angeboten werden. Der Kontakt zur Anmeldung ist über die Internetseite möglich.

Zudem sind die Erlebnis-Angebote mit Eulen und Adlern möglich. Allerdings nur in Kleingruppen für Eltern und Kinder oder zwei Ehepaare. Rundgänge und Vorführungen sind nur mit Mundschutz zugelassen. Zudem verlangt das Gesundheitsamt, dass man die Arme komplett bedeckt, wenn man einen Vogel auf der Hand hält. Dabei hat Simon auch die Gesundheit der Vögel im Blick, denn sie können sich mit Coronaviren anstecken. Welche Folgen eine solche Infektion hat, ist nicht bekannt.

Nach der dreimonatigen Zwangspause werden die Vögel, die bei Vorführungen mitmachen, darauf getestet, wie sie auf Publikum reagieren. Dabei helfen die Tierpaten sehr gut mit, die über die Jahre hinweg die Einrichtung kennen. Simon nimmt viel Rücksicht, so ist erst vor Kurzem ein junger Riesen-Seeadler in eine Voliere eingezogen. Er kann nur aus zehn Metern Entfernung betrachtet werden. Bei Annäherung reagiert der Vogel panisch, was Simon vermeiden will.

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