Polizisten holen Aktivisten von Bäumen und Gestellen. FOTO: JOL
+
Polizisten holen Aktivisten von Bäumen und Gestellen. FOTO: JOL

Fällarbeiten abgeschlossen

  • vonRedaktion
    schließen

Mit einem Großaufgebot der Polizei gingen am Dienstag die Rodungsarbeiten im Dannenröder Forst für die A 49 weiter. Die verbliebenen Baumhäuser wurden geräumt. Jetzt ist mit neuen Widerstandsformen zu rechnen.

Es war nur noch ein schmaler Streifen von Bäumen, der die beiden breiten Schneisen für den Autobahnbau im Dannenröder Wald trennte. Die verbliebenen Baumhäuser in größerer Höhe waren das Ziel des großen Polizeieinsatzes am Montag und Dienstag.

Die Schwierigkeit der Räumung lag unter anderem in den Bodenverhältnissen. Denn die großen Hubsteiger, in denen die Spezialkräfte bis in rund 25 Meter Höhe und mehr gelangen, sind schwere Fahrzeuge. Also musste auf dem matschigen Untergrund erst eine Aufstellfläche freigeräumt werden, die ein Schotterbett erhielt. Dafür wurden jungen Bäume rund um die Baumhausbereiche umgelegt. Das wollten etwa ein Dutzend Aktivisten verhindern, die sich in den niedrigen Bäumen und wenigen Tripod-Gestellen festgebunden hatten. Manche der Aktivisten hatten sich mit Röhren verbunden und konnten nur gemeinsam weggetragen werden.

Unterstützt wurden die Umweltschützer durch Demonstranten, die von der Polizei auf 90 Meter Abstand gehalten wurden. Neben der Musikgruppe "Lebenslaute" waren auch wieder die Senioren-Naturschützer "Ü 60 gegen die A 49" dabei. Beim Protest wurde ein regionaler Umweltschützer festgenommen. Eine Aktivistin geriet bei einer Räumungsaktion in Atemnot und musste von Sanitätern versorgt werden.

Aber aller Widerstand nutzte nicht: Bereits Dienstagnachmittag meldete die DEGES: "Die Fällarbeiten für den Lückenschluss der A 49 sind abgeschlossen." Damit wurde aus Sicht der DEGES "ein nächster wichtiger Schritt für die Realisierung des letzten Teilstücks der A 49 zwischen Gießen und Kassel vollzogen". In den nächsten Wochen sollen in den Fällbereichen die forstwirtschaftliche Nachbereitung stattfinden. Dazugehören das Entasten gefällter Bäume, das Rücken und der Abtransport von Baumstämmen wie auch punktuelle Nachfällungen.

Während sowohl die Polizei als auch die verschiedenen Gegner des Autobahnausbaues am Dienstag für heute Pressekonferenzen ankündigten, zog die DEGES bereits eine Bilanz. "Aufgrund der rechtswidrigen Besetzungen im Wald waren die Arbeiten mit erheblichen Behinderungen verbunden", hieß es am Dienstagabend. Die große Herausforderung habe darin bestanden, die Fällarbeiten mit besonderer Umsicht zu planen und durchzuführen. "Uns war von vornherein bewusst, dass diese Arbeiten länger als üblich dauern würden", sagte DEGES-Pressesprecher Michael Zarth. "Unsere Position war immer klar: Sicherheit hat Priorität - Menschen sollten nicht zu Schaden kommen."

Zudem mussten nach Angaben der DEGES Arbeitskräfte und Maschinen deutlich länger und in höherer Zahl vorgehalten werden, als dies bei einem Projekt dieser Größenordnung normalerweise der Fall gewesen wäre. Nur so habe mit der notwendigen Flexibilität gearbeitet werden können, denn Fällungen seien jeweils nur dort möglich gewesen, wo die Polizei für die notwendige Sicherheit gesorgt habe. Hinzugekommen seien gewalttätige Widerstandsaktionen sowie Behinderungen bis hin zu Bedrohungen beteiligter Personen. Deswegen sei es erforderlich gewesen, Schutzmaßnahmen für Mitarbeiter, Auftragnehmer und Maschinen zu ergreifen und logistische Zusatzleistungen durchzuführen. Dazu hätten die Errichtung und der Schutz eines Depots für Forstgeräte und eines Logistikzentrums für die Polizei sowie die teilweise Einzäunung des Fällbereichs gehört, die Ertüchtigung vorhandener Wege und die Herstellung einer Baustraße innerhalb der Trasse.

Konflikt geht weiter

Auch wenn die Autobahntrasse jetzt als Schneise bereits durch den Wald führt: "Aufgrund zahlreicher Aufrufe im Internet ist auch nach dem Ende der Fällungen mit Protesten und Störaktionen zu rechnen", richtet sich die DEGES auf weitere Auseinandersetzungen ein. Daher müssten die im Trassenbereich stattfindenden Arbeiten weiterhin geschützt werden, ebenso die notwendigen Gerätschaften. Die Umzäunung der Schneise sowie das Logistikzentrum für die Polizei und das Maschinendepot der DEGES blieben bis auf Weiteres zur Sicherstellung der weiteren forstwirtschaftlichen Arbeiten bestehen.

Der ÖPP-Auftragnehmer, die A 49 Autobahngesellschaft mbH & Co. KG, wird in diesem Bereich voraussichtlich im Frühjahr 2021 mit den weiteren Bauarbeiten beginnen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare