Aufsichtsratsvorsitzender Karsten Schmitt mit den wiedergewählten Aufsichtsratsmitgliedern Andreas Hädicke, Fred Adomeit, dem geehrten Helmut Dechert sowie Rebecca Kraft und den Vorständen Christian Andert und Thomas Lenz (v. l.). FOTO: AU
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Aufsichtsratsvorsitzender Karsten Schmitt mit den wiedergewählten Aufsichtsratsmitgliedern Andreas Hädicke, Fred Adomeit, dem geehrten Helmut Dechert sowie Rebecca Kraft und den Vorständen Christian Andert und Thomas Lenz (v. l.). FOTO: AU

Erste Frau im Aufsichtsrat

  • vonDieter Graulich
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Ulrichstein(au). Die 129. Mitgliederversammlung wird wohl als besondere Veranstaltung in die Chronik der Volksbank Ulrichstein eingehen. Gründe dafür sind zum einen die Corona-Pandemie und zum anderen die Tatsache, dass mit Rebecca Kraft die erste Frau in den Aufsichtsrat gewählt wurde. Die Pandemie hatte gleich mehrere Auswirkungen auf die Veranstaltung in der Stadthalle. So war mit 51 Mitgliedern und Gästen nur gut die Hälfte der Vorjahresbesucher anwesend. Die nach strengen Hygienevorschriften vorbereitete Stadthalle wies nur Stühle auf und das gemeinsame Abendessen fiel aus. Stattdessen lagen auf den Stühlen jeweils ein Snack und Süßigkeiten sowie ein Kugelschreiber.

Auch finanziell wirkt sich die Pandemie aus. Trotz eines erzielten Jahresüberschusses von rund 307 000 Euro waren 5,5 Prozent Dividende vorgesehen, die auf Empfehlung der Bundesbank und der Bankenaufsicht in diesem Jahr nicht ausgezahlt werden. Die Zahlung soll auf das nächste Jahr verschoben werden. Diese Empfehlung wurde bei zwei Gegenstimmen genehmigt.

Als Novum in der 129-jährigen Geschichte der heimischen Bank wurde anschließend Rebecca Kraft als erste Frau in den Aufsichtsrat gewählt. Sie tritt die Nachfolge von Helmut Dechert (beide Rebgeshain) an, der 18 Jahre im Aufsichtsrat war. Er wurde mit einer Ehrenurkunde und der silbernen Ehrennadel des Raiffeisenverbandes ausgezeichnet. Wiedergewählt wurden Andreas Hädicke (Wohnfeld) und Fred Adomeit (Bobenhausen).

Zu Beginn der vom Aufsichtsratsvorsitzenden Karsten Schmitt geleiteten Versammlung hatte Vorstand Thomas Lenz Bilanz gezogen und festgestellt: "Wir sind mit den Zahlen für 2019 zufrieden und lagen in Teilbereichen sogar sehr deutlich über unseren Planungen. Wir haben ein gutes Wachstum im Kreditgeschäft und im Einlagengeschäft gehabt und ein angemessenes Betriebsergebnis erzielt." Die Bilanzsumme stieg um 7,1 Prozent auf rund 65,2 Millionen Euro. Den Anstieg der Kundeneinlagen bezifferte er mit 6,2 Prozent auf 54,1 Millionen Euro. Bei weiterhin niedrigem Zinsniveau würden die Kundeneinlagen überwiegend in kurzfristigen Anlageprodukten angelegt. "Bei geringen Zinsen bleibt der Wunsch flexibel zu sein groß", so der Bankdirektor.

Rund 20 Millionen hätten die Kunden bei Verbundunternehmen angelegt. Zum Kreditgeschäft führte er aus, dass das Volumen durch eine gute Nachfrage, sowohl privat als auch gewerblich, um 4,9 Prozent auf über 43,7 Millionen Euro angewachsen sei.

Im Geschäftsjahr 2019 habe sich der Mitgliederbestand um zwölf auf nunmehr 1335 Personen verringert. Die Bank beschäftige 2019 zwei Vorstände und zehn weitere Angestellte.

"Wichtiger als die Zahlen von gestern ist die Frage: Was bringt die nahe Zukunft?" meinte Lenz. Seit Jahren habe man die gleichen Themen, etwa wie kleine Banken angesichts der Null-Zins- und jetzt sogar Minus-Zins-Politik überleben könnten. Er kritisierte die jährliche Flut an neuen Vorschriften. Mehr Personal könne man sich nicht leisten, da die Erträge der Banken deutlich sinken würden.

Trauer um Dirk Eschenröder

Im Bericht des Aufsichtsrates war vom Vorsitzenden Karsten Schmidt zu hören, dass man die Aufgaben erfüllt habe. "Ulrichstein und jede andere Kommune brauchen Unternehmen wie die Volksbank, die sich zu ihren Standorten bekennen", so Bürgermeister Edwin Schneider in seinem Grußwort. Schneider ging, wie bereits Thomas Lenz und Karsten Schmitt, auf den plötzlichen Tod von Bankvorstand Dirk Eschenröder ein. Er hinterlasse eine Lücke, die schwer zu schließen sei. Für viele Ulrichsteiner sei er Ansprechpartner für alle Belange in Geldfragen gewesen. Auch für Geschäftsleute sei Eschenröder in Finanzierungsfragen immer ein kompetenter Ansprechpartner gewesen.

"Mit seiner offenen, freundlichen und menschlichen Art war er bei den Ulrichsteinern und darüber hinaus sehr geschätzt und anerkannt. Auch wir von der Stadt werden ihn sehr vermissen und ihm ein ehrendes Andenken bewahren", so das Stadtoberhaupt.

Für Eschenröder wurde der 43-jährige Christian Andert (Brauerschwend) eingestellt. Er war zuletzt bei der Volksbank Grebenhain tätig.

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