Im Nieder-Ohmener Neubaugebiet Wallenbach laufen die letzten Erschließungsarbeiten. FOTO: RS
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Im Nieder-Ohmener Neubaugebiet Wallenbach laufen die letzten Erschließungsarbeiten. FOTO: RS

Erschließungen in einem Zug

  • Rolf Schwickert
    vonRolf Schwickert
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Nordfrost ist gut für Mücke. Irgendwann wird es Arbeitsplätze geben, aber jetzt schon ist die Gewerbeansiedlung Anlass, Baulandpreise neu zu überdenken. Für das Baugebiet Wallenbach wurde der Preis bereits erhöht, der Bauausschuss regt für neue Flächen eine Anpassung alle zwei Jahre an.

Vielleicht lag es an der ausbleibenden Nachfrage. Im Baugebiet Wallenbach waren die Grundstückspreise 25 Jahre stabil geblieben. Das änderte die Gemeindevertretung bereits Anfang Juni, der Preis stieg von 86 Euro auf 103,20 Euro je Quadratmeter, eine Anhebung um 20 Prozent. Offen blieb, wie in den Ortsteilen verfahren werden soll, und wie mit der Besonderheit der Grundstücksreservierung verfahren wird. Darüber debattierte am Dienstag der Bauausschuss.

Preisanpassung an Nachbargemeinden

"Wir haben über 20 Jahre lang große Verluste gemacht beim Verkauf von Bauland", resümierte Dr. Udo Ornik von den Grünen. Seine Fraktion hatte den Anstoß gegeben, für die Anpassung von Baulandpreisen eine Vorlage zu erarbeiten. Die Ausarbeitung der Bauabteilung zum Gebiet Wallenbach ergab, dass Quadratmeterpreise zwischen 113,34 Euro und 153,17 Euro zu rechtfertigen wären, je nachdem, welchen Index man zugrunde legt. Außerdem kam der Hinweis, dass die Bodenrichtwerte für Nieder-Ohmen zwischen 55 und 85 Euro liegen. Die Preise verstehen sich ohne den Kläranlagenbeitrag, denn den regelt die Entwässerungssatzung.

Weil ein günstiger Baulandpreis auch junge Familien anziehen kann, wurden in der Vorlage der Bauabteilung die Preise benachbarter Kommunen aufgelistet. In Feldatal seien es 42 Euro je Quadratmeter, in Grünberg 139 Euro.

Dr. Hans Heuser (CDU) gab zu bedenken, dass eine Anpassung je nach Index auch zu einem Minus oder einer nicht relevanten Erhöhung führen könne. Im letztgenannten Fall stünden die Aufwendungen in keinem Verhältnis zum Resultat. Heuser fragte, an was angepasst werden sollte bei derzeit sehr niedriger Inflationsrate. Zudem sei die Frage, für welche Zahl von Bauplätzen die Änderung erfolge. In Sellnrod sei noch ein freier Platz, in Höckersdorf sind es nach Angaben eines Ausschussmitgliedes aus diesem Ort noch sechs oder sieben.

Zu der Handhabung, dass Bürger seither einen Bauplatz haben reservieren können, wenn die Flächen noch nicht erschlossen waren, sagte Heuser, das sei nachvollziehbar, dass man von dieser Verfahrensweise abrücken müsse. Das müsse man befristen, denn die Reservierung habe schon verschiedentlich zu Ärger geführt.

Peter Horst (CDU) machte darauf aufmerksam, man dürfe die Preisschraube nicht überziehen, denn sonst sitze man auf den erschlossenen Bauplätzen. Sinnvoll sei, Plätze zu bevorraten. Denn die Erfahrungen der vergangenen Jahre haben gezeigt, die Gemeinde dürfe nicht erst bei Nachfrage aktiv werden. Zwei bis vier Jahre später wolle niemand mehr bauen.

Auch Bürgermeister Andreas Sommer meinte, die Art und Weise der Vermarktung von Baugrundstücken müsse neu organisiert werden. In diesem Zusammenhang brache er den "Bäcker-Vergleich": Der Bäcker backe schließlich auch nicht erst dann das Brot, wenn er im Ort das konkrete Interesse nachgefragt habe. In den vergangenen Monaten seien der Gemeinde Mücke viele Bau- interessenten abgesprungen, weil es keine erschlossenen Bauplätze gegeben habe.

Vor diesem Hintergrund werde das Baugebiet Flensunger Hof in einem Rutsch erschlossen, kündigte der Bürgermeister an. Zur Entlastung sei das möglicherweise mit einem externen Anbieter zu organisieren, auch wenn das dann alles etwas teurer werde. Atzenhain sei ein warnendes Beispiel, denn dort seien mangels bebaubarer Flächen viele Interessenten abgesprungen.

Grünen-Sprecher Ornik signalisierte Zustimmung, wenn der Ausschuss die jährliche oder zweijährige Anpassung empfehle und dass man von den Reservierungen Abstand nehme.

Reservierungen gibt es nicht mehr

Bis zum Ende des Jahres würden wohl alle Bauplätze in der Wallenbach veräußert, lautete eine zusätzliche Information aus der Gemeindeverwaltung. Denn einige Plätze seien bis zu fünffach reserviert.

Schließlich empfahl der Ausschuss einstimmig, bei künftigen Neubaugebieten die Preise alle zwei Jahre an einen Index anzupassen. Baugebiete sollten zudem künftig komplett erschlossen werden, um eine Kalkulation zu ermöglichen. Außerdem solle es keine Reservierungen für Grundstücke mehr geben.

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