Bevor es in die eigentliche Atemschutzstrecke geht, ist Sport angesagt mit (v. l.): Kreisbrandinspektor Dr. Sven Holland, Landrat Manfred Görig, Stefan Schmidt (Gebäudemanagement) und Architekt Dr. Stefan Strack im "Fitness-Raum". FOTO: PM
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Bevor es in die eigentliche Atemschutzstrecke geht, ist Sport angesagt mit (v. l.): Kreisbrandinspektor Dr. Sven Holland, Landrat Manfred Görig, Stefan Schmidt (Gebäudemanagement) und Architekt Dr. Stefan Strack im "Fitness-Raum". FOTO: PM

Fit für den Ernstfall

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Übung ist alles. Vor allem bei Feuerwehren. Das Aus der Atemschutzübungsstrecke vor zwei Jahren durch Hochwasser im Alsfelder Stützpunkt war deshalb ein herber Schlag. Jetzt können wieder bis zu 800 Aktive pro Jahr ihre Fitness unter Beweis stellen - wenn das in der Coronakrise wieder möglich ist.

Nur kriechend geht es vorwärts, die Luft ist völlig verqualmt, es ist heiß, blaue Lichter blinken, Schreie sind zu hören, das Gewicht von Atemluftflasche, von Maske, Helm und Schutzkleidung drückt doppelt schwer. Keine Frage: Der jährliche Durchgang auf einer Atemschutzübungsstrecke bringt Feuerwehrmänner und -frauen an die psychischen und physischen Grenzen.

Das weiß auch Landrat Manfred Görig, der in den 1980er Jahren selbst Atemschutzgeräteträger war. Als einer der ersten hat er damals die Strecke in der Alsfelder Feuerwache absolviert, erzählt er, als er gemeinsam mit Kreisbrandinspektor Dr. Sven Holland, Stefan Schmidt vom technischen Gebäudemanagement und Architekt Dr. Stefan Strack die funkelnagelneue Atemschutzübungstrecke des Vogelsbergkreises in Alsfeld besichtigt. Sie hätte eigentlich schon in Betrieb gehen sollen, die Einweihung war bereits terminiert, doch aufgrund der Corona-Pandemie dürfen Feuerwehr-Übungen im Moment nicht durchgeführt werden.

"Eine so hochmoderne Anlage hat der Vogelsbergkreis noch nie gehabt", unterstreicht Landrat Manfred Görig nach dem Rundgang durch die neu gestalteten Räume. Aber nicht nur die computer-gestützte Technik überzeugt, sondern auch das Raumangebot. "Wir haben hier viel mehr Platz als früher, alles ist großzügiger bemessen, das kommt unseren Feuerwehrmännern und -frauen entgegen", zeigt sich der Landrat zufrieden.

Früher - das steht für die alte Anlage im Keller der ehemaligen Alsfelder Fahrzeughalle. Mehr als 30 Jahre machten die Atemschutzträger der Feuerwehren dort ihre Durchgänge. Nach einem Extrem-Hochwasser im Jahr 2018 musste die Strecke allerdings abgebaut werden. Umfangreiche Sanierungsmaßnahmen waren nötig, ehe die neue Strecke nun im Erdgeschoss aufgebaut werden konnte. Gut vier Meter oberhalb des alten Standortes. Auf den Hochwasserschutz wurde beim Umbau besonders geachtet. So wurden die alten Tore der ehemaligen Fahrzeughalle durch stabiles Mauerwerk mit einer zusätzlichen etwa einen Meter hohen Betonbarriere ersetzt. Die Lichtschächte wurden geschlossen, leicht modifiziert wurden zudem die Außenanlagen im rückwärtigen Bereich, und in die Abwasserhebeanlage wurden zusätzliche Pumpen installiert.

Gefragt war vor allem auch die Meinung der Nutzer der Strecke und der Verantwortlichen auf Feuerwehrseite. Während des gesamten Planungsprozesses gab es umfangreiche Abstimmungen.

Das Ergebnis spricht für sich: Im kreiseigenen Gebäude ist eine hochmoderne Atemschutzübungstrecke entstanden, die den Feuerwehren des Vogelsbergkreises kostenfrei zur Verfügung gestellt wird, wie LandratGörig betont.

Wie sieht nun so ein Streckendurchgang aus? Er beginnt sportlich - und das in voller Montur. Um die 20 Kilo wiegt die Ausrüstung eines Atemschutzgeräteträgers, wie Kreisbrandinspektor Dr. Holland erläutert. Mit Atemluftflasche und Maske müssen die Feuerwehrleute aufs Laufband, aufs Fahrrad, sie müssen eine Endlos-Leiter erklimmen, an einem Schlaghammer ziehen oder Übungen am Hand-Ergometer machen.

Über 50 Meter durch Rauch kriechen

Die eigentliche Stecke besteht aus zwei Gitter-Tunneln, im unteren Teil kann man nur kriechen, im darüberliegenden Gang kann man gebückt gehen. Verschiedene Aufgaben sind auf der Strecke mit einer Gesamtlänge von über 50 Metern zu lösen, durch Luken muss zum Beispiel von einer auf die andere Ebene geklettert werden. Der Raum in den Gängen ist eng bemessen, Bewegungsfreiheit gibt es so gut wie gar nicht. Hinzu kommt: Die Übung wird realitätsnah durchgeführt. Es wird eine tatsächliche Brandsituation simuliert - mit Rauch, mit Hitze, mit dem Geräusch herabstürzender Balken und Wände. "In einer solchen Situation herrscht schon eine extreme Anspannung", weiß Landrat Görig aus eigener Erfahrung.

Alleine geht man nicht in die Strecke, sondern generell zu zweit wie auch bei einem Einsatz. "Das Zusammenspiel ist entscheidend, auf der Strecke muss man sich gegenseitig unterstützen und aufeinander verlassen können, die Aufgaben sind alleine nicht zu meistern", berichtet der Landrat, der in diesem Zusammenhang darauf hinweist, dass "Sicherheit auf unserer neuen Strecke großgeschrieben wird". Jeder Streckengang wird überwacht, "im Notfall können wir sofort eingreifen". So kann der Übungsraum innerhalb kürzester Zeit entraucht werden, die einzelnen Gitterelemente der Strecke lassen sich mit wenigen Handgriffen entfernen, sodass Teilnehmer an allen Stellen der Strecke befreit werden können. "Sogar der Pulsschlag wird übermittelt", ergänzt Kreisbrandinspektor Holland, "jeder Teilnehmer bekommt einen Brustgurt, die Daten laufen im Kontrollraum ein." Nach dem Streckendurchgang geht es dann übrigens noch einmal in den Fitness-Raum mit Endlosleiter und Ergometer…

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