Erinnerungen an das Ende der DDR

  • vonHerbert Schott
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Alsfeld(hso). Auch im Dekanat Vogelsberg ist der Begriff "Route55plus" mittlerweile verankert und bietet den unterschiedlichen Interessensgruppen ein breitgefächertes Angebot, um sich auszutauschen und gemeinsame Aktivitäten zu unternehmen.

Der Grundgedanke ist, dass Menschen in der Zeit nach Familie und Beruf häufig neue Beziehungen und Netzwerke aufbauen müssen, besonders dann, wenn der Beruf eine wichtige Rolle gespielt hat. Für ein gutes Leben spielen diese Beziehungen und Netzwerke in jedem Lebensalter eine Rolle, besonders auf dem Land. Die "Route55plus" gibt jetzt und fürs Alter Raum, um Kontakte zu knüpfen, die Nachbarschaft zu genießen und zu pflegen und auch das Gespräch mit anderen Generationen zu suchen.

"Beruf und Berufung" war das "Männer55plus-Thema", zu dem noch vor der Coronakrise Veranstaltungen stattfanden. Den Abschluss bildete eine Studienfahrt nach Wittenberg, wo Eindrücke zu Stationen Martin Luthers in Beziehung zur eigenen Berufsbiografie gesetzt wurden.

Wie die Wende das Leben veränderte

Neben all den Diskussionsrunden bleib für die Teilnehmer genügend Zeit für die Kultur der Lutherstadt Wittenberg und für Begegnungen. Die Männergruppe machte zunächst Rast am "Lutherstein" östlich von Stotternheim. Bei einem weiteren Stopp besuchte man die Marktkirche in Halle (Saale), die als bedeutendes Denkmal der Kirchengeschichte und auch der Religionsgeschichte gilt.

Nach der Ankunft im Tagungshaus der Johanniter in Wittenberg wurde Quartier bezogen und bis zum Abendessen blieb Zeit für einen ersten Rundgang, um kurz die Originalschauplätze der Reformation zu sehen und auf den Spuren Luthers zu wandeln.

Die Teilnahme an einer kurzen Andacht in der Fronleichnamskapelle beschloss diesen Rundgang.

Den Abend füllte ein Männergespräch im Johanniterhaus mit drei Wittenbergern zum Thema Beruf und Berufung. Eindrucksvoll schilderten die drei ihre berufliche Biografie in der Zeit der ehemaligen DDR und wie sie dann nach der Wende erlebten, wie auch für sie persönlich alles anders wurde - mit Zerschlagung ihrer Kombinate, der Schließung von mittleren und kleinen Betrieben und damit verbundene Arbeitslosigkeit.

Die Aussagen dazu und auch die erlebte "neue Zeit" beindruckten die Vogelsberger sehr. Dass sich Beharrlichkeit und auch Hartnäckigkeit auszahlen, das bewiesen die drei Wittenberger. Alle fanden nach einer gewissen Zeit wieder zurück ins Berufsleben, wenn auch nicht immer im erlernten Beruf.

Es folgte ein lebhafter Gedankenaustausch. Der Samstag begann mit einer Bilanzierung der eigenen Berufszeit mit einem Austausch über die jeweils erlebten Herausforderungen, auch in Verbindung mit Luthers Arbeitsverständnis. Anschließend wurde beim Panorama "Luther 1517 in Wittenberg" die Epoche der Reformation hautnah erlebbar. Das Panorama widmet sich dem Ereignis vor rund 500 Jahren, als Martin Luther die 95 Thesen zur Kirchenreform veröffentlichte.

Nach einer weiteren Gesprächsrunde war dann das Lutherhaus das nächste Ziel. Als 1504 erbautes Augustinerklosters wohnte Luther hier als Mönch und später zusammen mit seiner Familie. Seit 1883 ist das Haus als Museum geöffnet. Als Wahlprogramm konnten die Besucher danach auf eigene Faust beispielhaft das Melanchtonhaus, die Schlosskirche und mehr erkunden.

Blick auf bekannten Bürgerrechtler

Der Sonntag begann mit einem eindrucksvollen Gottesdienst in der Stadtkirche. An der Orgel spielte Professor Ulrich Lamberti und die Wittenberger Kantorei bestach mit brillant vorgetragener Musik. Danach nahm man noch eine Einladung ins Kirchencafé an, wo man noch den bekannten Theologen und Bürgerrechtler Friedrich-Wilhelm Schorlemmer zu Gesicht bekam. E

r war ein prominenter Protagonist der Opposition in der DDR.

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