Studenten der Uni Marburg suchen neben dem Homberger Schloss nach Überresten der Vergangenheit und werden fündig. FOTO: KS
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Studenten der Uni Marburg suchen neben dem Homberger Schloss nach Überresten der Vergangenheit und werden fündig. FOTO: KS

Ein erfolgreicher Testlauf

  • Kerstin Schneider
    vonKerstin Schneider
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Der Untergrund am Homberger Schloss hat es in sich. Das hat eine Gruppe von Archäologie-Studenten aus Marburg erfahren, die trotz Hitze mit Fleiß und der nötigen Vorsicht in der Erde gebuddelt haben. Das Ergebnis der Arbeit bestätigt eine Vermutung, die schon länger kursierte.

Voll Elan stehen die Studenten vom vorgeschichtlichen Seminar der Universität Marburg in der etwa zwei Meter tiefen Grube. Sie graben, fahren mit der Schubkarre Erde weg, reinigen mit der Zahnbürste ganz sachte erdverkrustete Fundstücke. Die werden anschließend für den Abtransport und die weitergehende Untersuchung vorbereitet.

Eine ganze Woche lang war die Gruppe unter der Leitung von Prof. Dr. Felix Teichner auf dem Gelände am Schloss tätig. Und schon recht schnell gab es - auch dank vorhergehender Bodenuntersuchungen - einen Erfolg bei den Arbeiten zu berichten. Direkt an der hinteren Wand der St. Georgs-Kapelle am Schloss legten die jungen Leute ein altes Mauerstück frei. Wozu hat es einst gedient?

Felix Teichner konnte sich etwa vorstellen, dass sich dort Überreste von sogenannten Strebepfeilern verbergen, welche die Gewölbeüberdeckung für den Chor der Kapelle gestützt haben, der früher wohl schmaler war als er sich heute präsentiert.

Weitere Grabungen werden beantragt

Über eine Woche waren die Studenten mit der sogenannten Lehrgrabung beschäftigt und damit, wieder ein bisschen mehr Licht in die Vergangenheit des Homberger "Bürgerschlosses" und der alten Kapelle zu bringen.

Neben dem wissenschaftlichen Interesse ging es in der Woche vor allem auch um die praktische Ausbildung der Studenten, betonte Teichner. Sie mussten nicht nur körperlich recht hart arbeiten, sondern die gefundenen Stück dokumentieren und in Datenbanken einpflegen.

Schnell war klar: "Wir graben noch tiefer", denn am liebsten würden die Forscher noch weitere Gegenstände finden, die für eine Wende vom Mittelalter zur Neuzeit stehen. "Wir hoffen ganz klar auf noch ältere Schichten", so Teichner. Ähnlich wie Chirurgen heute minimal-invasiv arbeiten, gehen auch die angehenden Archäologen "zerstörungsfrei" an ihre Arbeit heran. Schon vorher sind mittels moderner Technik Stellen im Untergrund ausfindig gemacht worden, die ein genaueres Nachforschen lohnenswert erscheinen ließen.

Archäologe Teichner zeigte sich jedenfalls äußerst zufrieden mit dem Arbeitsfeld fast vor der Haustür der Marburger Philipps-Universität. "Das war jetzt ein Testlauf, der sehr erfolgreich war. Wir können uns gut vorstellen, in Zusammenarbeit mit der Landesarchäologie im kommenden Jahr weiterzumachen." Vor Ort gebe es "optimale Bedingungen für die Studierenden" und vor allem ausreichend viel Zeit, die so später im Arbeitsleben der jungen Leute nicht mehr vorhanden sein wird. Auch Bürgermeisterin Claudia Blum machte sich vor Ort ein Bild von den Arbeiten und freute sich nach eigenen Worten auf spannende Ergebnisse bei den Grabungen.

Am Ende stand fest, dass man sehr wahrscheinlich auf die Überreste eines älteren Vorgängerbaus der Kapelle gestoßen ist. "Die Fundamente könnten diesem bis dato unbekannten Bau zuzuordnen sein", so Teichner. Man hoffe nun auf eine weitere Grabungsgenehmigung seitens der Landesarchäologie für das kommende Jahr. Denn das Land müsste die Kosten übernehmen. Eine solche Grabung würden die Mitglieder des Arbeitskreises Geschichte der Schlosspatrioten sehr begrüßen. Vorsitzender Wilhelm Weißhuhn freute sich am Rande über seinen eigenen Fund, eine Münze: "Ein Kreuzer aus dem Jahr 1733."

Und noch ein weiterer gern gesehener Gast war in diesen Tagen erneut bei den Schlosspatrioten. Ulli Fichtner drehte wieder für einen Beitrag des Hessischen Rundfunks, der im kommenden Frühjahr ausgestrahlt werden soll. Einmal mehr kommen dann das Schloss und besonders seine Protagonisten zur Wort und werden die Veränderungen aufzeigen, die sich seit dem letzten Filmbeitrag ergeben haben.

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