Iris Niggenaber (M.) erläutert Heike Ruhl und Bürgermeister Bernhard Ziegler, welche entspannenden Einflüsse von den Bäumen ausgehen. FOTO: AU
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Iris Niggenaber (M.) erläutert Heike Ruhl und Bürgermeister Bernhard Ziegler, welche entspannenden Einflüsse von den Bäumen ausgehen. FOTO: AU

Entspannung zwischen Bäumen

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Herbstein(au). Bereits seit den 1980er Jahren wird das sogenannte Waldbaden in Japan als wichtiger Bestandteil einer gesunden Lebensweise angesehen. Im benachbarten Landkreis Gießen gibt es seit einigen Jahren so ein Angebot, und jetzt wird es auch im Vogelsbergkreis eingerichtet. Bei einem Pressegespräch mit dem Herbsteiner Bürgermeister Bernhard Ziegler und Heike Ruhl von der Kurverwaltung stellte Iris Niggenaber (Grebenhain) am Thermalbad das Waldbaden als neues Angebot in der Stadt auf dem Berg vor.

Der japanische Name "Shinrin Yoku" bedeute "baden im Wald", was nicht etwa das Baden in einem Waldsee meint, sondern das Baden in der Atmosphäre des Waldes. Ein wichtiger Bestandteil sei das bewusste Erleben der Natur mit allen Sinnen, häufig in Kombination mit Entspannungsübungen, stellte Niggenaber heraus.

"Auch wenn es keine Regeln oder eine feste Anleitung gibt, können ein paar Tipps dabei helfen, das Waldbaden besonders zu genießen", betonte Iris Niggenaber. Die Teilnehmer konzentrieren sich auf Gerüche, Geräusche oder Farben, wie das Rauschen der Blätter oder den Duft von Tannennadeln. Das Lauftempo sei eher langsam und der Spaziergang ausgedehnt, erläutert sie zum Waldbaden. Wie lange ein Waldbad dauern sollte, sei nicht festgelegt, es könnten aber durchaus auch mal mehrere Stunden sein. Aber auch 20 bis 30 Minuten täglich helfen nach ihren Angaben laut einer Studie schon dabei, das Stresshormon Cortisol im Blut zu reduzieren. Beim Waldbaden sollte man sich genügend Zeit nehmen und keine Hektik aufkommen lassen. Zudem sollten ausreichend Pausen gemacht und es sollte genug Flüssigkeit, vor allem Wasser oder Tee, getrunken werden.

"Waldbaden oder ein einfacher Waldspaziergang sind gesund für Körper und Psyche und können in jedem Wald stattfinden", informiert die gelernte "Waldbademeisterin" Niggenaber. Die Zeit für einen Waldspaziergang sei egal, doch hätte jede Zeit ihre eigene Energie. Sie wies auf die Rauhnächte hin. Dies sind die Tage "zwischen den Jahren",. Für diese Zeit gebe es unterschiedliche Bezeichnungen und je nach Region sowie Gemeinschaft unterschiedliche Bräuche und Bedeutungen. Allen sei gemein, dass sie eine Zeit der Besinnung seien und deshalb besonders gut zum Waldbaden seien. Man könne sie nutzen, um Rückblick auf das vergangene Jahr zu halten und Ausschau auf das kommende.

Botenstoffe der Bäume einatmen

Insgesamt hätten die positiven Auswirkungen des Waldes auf die Psyche und den Körper unterschiedliche Ursachen, informiert Niggenaber. So weisen Wälder ein eigenes Lokalklima auf. Durch das dichte Blattwerk werden Umwelteinflüsse wie Sonneneinstrahlung, Hitze und Kälte gemindert. Es herrscht eine höhere Luftfeuchtigkeit, was die Atemwege befeuchtet und sie so weniger anfällig für Bakterien und Viren macht. Die Bäume sorgen zudem für eine hohe Konzentration an Sauerstoff in der Luft.

Waldgeräusche wie das Zwitschern der Vögel und angenehme Gerüche tragen nach Angaben von Niggenaber dazu bei, dass man sich im Wald wohlfühle. Durch die ruhige Atmosphäre entspannten sich die Muskeln. Darüber hinaus sendeten Bäume Botenstoffe aus. Diese sogenannten Terpene dienten den Bäumen dazu, miteinander zu kommunizieren, um effektiver Pilze oder Schädlinge abzuwehren. Diese Terpene würden beim Waldspaziergang über die Haut oder die Atmung aufgenommen und gelangten so in den Blutkreislauf. Kurze Kleidung sei deshalb bei geeigneter Witterung empfehlenswert, weil so nicht nur mehr Sonnenlicht, sondern auch mehr Terpene aufgenommen werden könnten, die im Gehirn die Produktion von Botenstoffen steigerten, die den Kortisol- und Blutzuckerspiegel sowie den Blutdruck regulieren könnten. Ein dauerhaft erhöhter Cortisol-Spiegel werde mit einer Schwächung der Abwehrkräfte, Depressionen und einem größeren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Zusammenhang gebracht.

Waldbaden könne in kleinen Gruppen auch in Zeiten der Corona-Pandemie durchgeführt werden, informiert Iris Niggenaber. Einzelpersonen seien ebenfalls zum Waldbaden eingeladen. Bürgermeister Ziegler zeigte sich erfreut darüber, dass man nun in Kürze mit dem Waldbaden ein weiteres Highlight in der "Stadt auf dem Berge" anbieten könne.

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