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Mähdrescher bei der Ernte von Wintergerste zwischen Leusel und Alsfeld.

Endlich trockenes Erntewetter

  • Joachim Legatis
    VonJoachim Legatis
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Die Mähdrescher sind unterwegs, die Erntesaison hat unübersehbar begonnen. Seit Sonntag wird die Wintergerste eingeholt, nach dem ausgiebigen Frühjahrsregen erwarten Standesvertreter eine gute Ernte. Die feuchten Böden haben zu einer Verzögerung geführt, doch nun sind die meisten Äcker befahrbar.

Die Staubwolken auf den Feldern und die Mähdrescher auf den Landstraßen zeigen es an, die Erntesaison für die Vogelsberger Landwirte hat begonnen. Sie holen in diesen Tagen die Wintergerste ein und läuten damit die diesjährige Erntesaison ein. Die Landwirte können in der Regel zufrieden sein. »Die Erträge sind gut«, sagt Volker Lein, Vorsitzender des Kreisbauernverbands. Allerdings sind die Pflanzen »etwas überreif« und teilweise abgeknickt.

Durch den Regen der letzten Monate war der Boden sehr feucht, deshalb konnten die Mähdrescher erst seit Sonntag auf die Äcker, nachdem die meisten Bereiche gut abgetrocknet sind.

Im Gegensatz zu den Dürrejahren sind die Körner in diesem Jahr kleiner, die Erntemenge wird aber wohl im Durchschnitt bleiben, schätzt Lein. »Wenn es mehr regnet, gibt es mehr Körner am Halm, aber die Qualität der Gerste nimmt ab.« Wer die Felder betrachtet, sieht viele Halme, die abgeknickt sind. Das fordert die Fahrkünste der Mähdrescherpiloten. Manche Äcker in Senken und in Hanglagen werden wohl erst später geerntet, weil der Boden dort noch zu feucht ist.

Die nächste Feldfrucht, die in der Region geerntet wird, ist der Winterraps, wie Lein erläutert. Aus ihm wird Öl und Viehfutter gewonnen.

Damit liegen die meisten Vogelsberger Bauern im Landestrend, nur in höheren Lagen im Kreis ist die Wintergerste noch nicht so reif. In weiten Teilen Hessens hat die Wintergerstenernte am vergangenen Wochenende begonnen, worauf der Präsident des Hessischen Bauernverbandes, Karsten Schmal, hinweist. Eine Ausnahme bildet das Hessische Ried, dort dürfte die Ernte der Wintergerste weitgehend abgeschlossen sein.

Sollte das derzeit trockene und meist sonnige Wetter weiter anhalten, werden der Roggen und das Futtergetreide Triticale, eine Kreuzung aus Weizen und Roggen, in den nächsten Tagen druschreif, erläuterte Schmal. In Südhessen kann in diesen Tagen auch die Ernte des Winterweizens beginnen, der mit rund 145 000 Hektar mehr als die Hälfte der hessischen Getreidefläche einnimmt.

Winterraps hat unter Kälte gelitten

Auch Schmal weist auf die Schattenseite des starken Regens in den letzten Monaten hin. Abgeknickte und niedergedrückte Halme erschweren den Mähdrusch und führen zu Qualitätsminderungen. Manche Flächen sind immer noch durchnässt und mit den Maschinen kaum befahrbar. Im Gegensatz zu den drei sehr trockenen Vorjahren war die Niederschlagsverteilung im Winter und Frühjahr in den meisten Landesteilen recht gut. »Deshalb rechnen wir im Vergleich zu diesen Trockenjahren mit leicht überdurchschnittlichen Getreideerträgen«, so Schmal. Des Weiteren gebe es große regionale Unterschiede.

Wie alle landwirtschaftlichen Kulturpflanzen habe der Winterraps besonders unter der Kälte im April und Mai gelitten. Das werde sich in den Erträgen niederschlagen. Das Grünland, die Zuckerrüben, Kartoffeln und der Mais profitierten von dem Frühjahrsregen. Allerdings hätten die häufigen Regenfälle Blattkrankheiten verursacht, insbesondere in Zuckerrüben und Kartoffeln.

Schmal bittet die Autofahrer um Rücksicht auf die landwirtschaftlichen Maschinen. Aufgrund der Erntearbeiten werden in den nächsten Wochen auf den Straßen vermehrt langsam fahrende Mähdrescher und Traktoren mit Anhängern unterwegs sein. Schmal erinnert daran, dass auf den Anhängern Lebensmittel und Futter transportiert werden. Gegenseitige Rücksichtnahme sei das Gebot der Stunde.

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