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Am Brunnenkopf sprechen Bürgermeister Edwin Schneider (r.) und Jan Utes von den Stadtwerken über weitere Arbeiten.

Endlich genug Wasser für alle

  • Joachim Legatis
    VonJoachim Legatis
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Zweieinhalb Jahre benötigte Ulrichstein Wasser über eine Fernleitung. So lange dauerte die Erschließung einer ergiebigen Wasserquelle, die bei Dürre nicht versiegt. Nun ist es geschafft, der neue Brunnen ist gebohrt und der letzte Spalt im Schacht geschlossen. Das Wasser kann nun fließen.

Die Erleichterung ist groß, endlich läuft Wasser aus dem neuen Tiefbrunnen für die Kernstadt Ulrichstein. Über zweieinhalb Jahre hat es gedauert, die Wasserversorgung der Ulrichsteiner zu sichern. Pleiten, Pech und Pannen begleiteten die Suche und die Bohrungen für die Wasserversorgung.

»Ich hoffe, dass wir damit durch sind auf Jahrzehnte«, sagt Bürgermeister Edwin Schneider mit einem kritischen Blick auf das Brunnenhaus, ein bauchhohes Gehäuse auf dem Gelände des Hochbehälters. Bei geöffneten Türen ist der Deckel des Brunnenschachts zu sehen, von dem eine armdicke Leitung in blauem Kunststoff wegführt, die unter der Erde zum Hochbehälter weitergeführt wird.

Nach einem Pumpversuch und der Freigabe durch das Gesundheitsamt kann endlich der Hochbehälter versorgt werden. Am Ende werden wohl Gesamtkosten von rund einer Million Euro entstehen, ursprünglich waren 150 000 Euro eingeplant.

Die letzten Monate waren noch einmal spannend. So musste eine Fuge in der Brunnenverrohrung abgedichtet werfen. Zwischen zwei Rohrsegmenten hatte sich ein drei Zentimeter breiter Spalt aufgetan, eine Manschette musste speziell angefertigt und dann in 59 Metern Tiefe eingepresst werden.

Als dann das erste Wasser hinaufgepumpt wurde, stellte man Keime fest. Die stammen wahrscheinlich aus der Pumpe, die vor dem Einbau im Bauhof eingelagert war. Doch nach einigen Tagen ergab eine weitere Untersuchung reines Wasser, wie Jan Utes vom Bauhof erleichtert sagt.

Mühselige Suche

Diese letzten Schwierigkeiten reihen sich ein in eine Kette von Hindernissen, wie Schneider erläutert. Ziel ist es, die bisherigen Schürfquellen zu ersetzen, aus denen die Kernstadt ersorgt wurde. Die oberflächennahen Quellen verkeimen in trockenen Monaten und trocknen auch mal aus. So machte man sich 2016 und 2017 auf die Suche nach einer neuen Versorgungsmöglichkeit.

Dabei gab es eine Reihe von Fehlschlägen. So erinnert Schneider an zwei fehlgeschlagene Bohrungen und die Prüfung eines Brunnens, den das Land Jahre zuvor hergestellt hatte. Man fand kein Wasser. Immerhin konnte in Rebgeshain Ersatz für einen eingestürzten Brunnen geschaffen werden.

2017 diskutierte man in der Stadtpolitik über sechs Varianten, wie das begehrte Nass für Ulrichstein erschlossen werden kann. Da standen unter anderem ein Flachbrunnen im Oberwald und ein Anschluss an den Brunnen Helpershain zur Debatte. »Dann habe ich einen Fernsehbeitrag über die Sucherfolge der Firma retagg gesehen und die eingeladen«, erinnert sich Schneider.

Im Frühjahr 2018 kamen Experten der Firma für Bodenprüfungen vorbei und untersuchten den Bereich am Hochbehälter Ulrichstein. An zwei Stellen gab es tektonische Störzonen, wie der Bericht ergab. Das sind Spalten im Untergrund, durch die Wasser aus tiefer liegenden Schichten nach oben steigt. Das Suchverfahren ist allerdings umstritten. So erinnerte sich Schneider, »der Landesgeologe hat mich belächelt und gesagt, da ist kein Wasser«.

Er hat sich geirrt, die Ergebnisse der retagg-Experten waren sehr genau. »Sie haben gesagt, wir finden in 19 Metern Tiefe Wasser, und das hat fast exakt gestimmt«, sagt Schneider. Die Bohrarbeiten haben allerdings länger gedauert als gedacht, was aber nicht an der Bodenbegutachtung liegt. Um eine hinreichende Wassermenge für den Dauerbetrieb zu bekommen, wurde in Etappen bis in 199 Meter Tiefe weitergebohrt.

Mit retagg vereinbart war eine Wassermenge von zwei Litern pro Sekunde, die der Brunnen leisten muss. Pumpversuche ergaben eine höhere Ergiebigkeit. Nun wird erprobt, ob auch vier Liter/Sekunde dauerhaft möglich sind.

Die Schwierigkeiten endeten noch nicht. So hat sich nach Abschluss der Bohrung die Hilfsverrohrung so verkeilt, dass sie nicht so einfach nach oben gezogen werden konnte. Erst mit schwerem Gerät konnten die Röhren herausgeholt werden. Dann dauerte es eine Weile, bis die Edelstahlröhren für den Schacht geliefert und eingebaut waren.

Und schließlich tat sich der Spalt in der Verrohrung auf. Durch ihn rieselte Filterkies in den Schacht, zusätzlich zu dem Kies, der bis auf ein Niveau von 176 Metern eingebracht ist, erläutert Utes. Die überflüssigen Steinchen mussten herausgesaugt werden. Darauf wurde der Schacht im Bereich des Spalts ausgemessen. »Es dauerte noch mal drei Monate, diesen Spalt mit der Spezialmanschette abzudichten«, berichtet Utes.

Er ist froh, dass der Brunnen nun trotz aller Widrigkeiten ausgebaut ist. »Ich bin echt erleichtert, dass hier das Wasser rauskommt«, sagt der angehende Wassermeister und klopft auf das Kunststoffrohr am Brunnenkopf.

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