Als hybride Veranstaltung mit der Hälfte der Teilnehmenden per Videokonferenz wird die Synode des Evangelischen Dekanats Vogelsberg gestaltet. Blick über die Anwesenden auf die zugeschalteten Synodalen auf der Leinwand. FOTOS: PM
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Als hybride Veranstaltung mit der Hälfte der Teilnehmenden per Videokonferenz wird die Synode des Evangelischen Dekanats Vogelsberg gestaltet. Blick über die Anwesenden auf die zugeschalteten Synodalen auf der Leinwand. FOTOS: PM

Einsparungen in der Krise

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Auch die evangelische Kirche muss in Krisenzeiten ausgetretene Pfade verlassen. Gelungen ist das mit der Synode, der die Hälfte der Teilnehmer über Videokonferenz zugeschaltet war. Noch offene Herausforderungen sind die Arbeit mit weniger Geld und Positionen zu strittigen Fragen in der Gesellschaft.

Neue Zeiten erfordern neue Methoden, und so fand die vierte Tagung der ersten Dekanatssynode des Evangelischen Dekanats Vogelsberg am Samstag als hybride Veranstaltung statt - nachdem sie im Frühjahr aufgrund der Corona-Pandemie bereits ausgefallen war. Die Alsfelder Stadthalle bot den anwesenden Synodalen ausreichenden Platz, gut die Hälfte aller Teilnehmenden hatte sich per Videokonferenzmodul zugeschaltet.

Der Bericht aus der EKHN-Synode informierte über wesentliche Beschlüsse des Landessynode, die am 19. September in Offenbach stattgefunden hatte. Kirchenpräsident Dr. Volker Jung hatte die Relevanz von Kirche und ihren Aufgaben speziell während des Lockdowns hervorgehoben. Gleichzeitig waren Einsparungen in der Kirche aufgrund der Krise beschlossen worden. Es müssen je Budgetbereich zehn Prozent der Mittel in diesem Jahr eingespart werden. Für Kirchengemeinden kommen Einsparungen aufgrund der Krise erst im nächsten Jahr zum Tragen.

Dekanin für eine offene Kirche

Dekanin Dr. Dorette Seibert ging es um Zukunftsfragen der Kirche. Sie skizzierte ihre Vorstellung von einer offenen und öffentlichen Kirche, die nahe bei den Menschen ist. Trotz des Lockdowns sei die Kirche im Dekanat aktiv und bei den Menschen geblieben. Offene Kirche bedeute, für die Menschen da zu sein, und wo es ging, auch Gebäude zu öffnen, Transparenz zu gewähren und offen für Veränderungen zu sein. Öffentliche Kirche bedeute, die gesellschaftliche Situation der Menschen wahrzunehmen und sich an der gesellschaftlichen Auseinandersetzung zu verschiedenen Themen zu beteiligen. Wie all dies in Zukunft gelingen möge, auch wie man trotz großer Herausforderungen wie aktuell Lockdown und perspektivisch schwindenden Mitgliederzahlen (und damit verbunden auch weniger Pfarrstellen) nahe bei den Menschen bleiben werde, daran müsse man gemeinsam arbeiten.

Danach standen verschiedene Beschlussfassungen an: Die Synode beschloss Ergänzungen zu den Vergaberichtlinien des Finanzausgleichs. So werden die Kirchengemeinden für ihre Konfirmandenarbeit ab diesem Jahr 50 Euro pro Konfirmand an Zuschüssen aus dem Dekanatshaushalt bekommen. Des Weiteren stimmte die Synode einer Entnahme von 9491 Euro aus der Allgemeinen Rücklage zu, um den Haushalt des laufenden Jahres auszugleichen. Insbesondere die Ausstattung der Dekanatsmitarbeitenden mit Notebooks und anderen Komponenten für die Heimarbeit während der Corona-Krise werden den Haushaltsplan noch verändern.

A 49: Ruheräume und Andachten

Auch der Ausschuss "Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung", der sich mit dem Konfliktfeld A 49 befasst, hatte seinen Bericht vorab eingereicht. Siebenmal hatte sich der Ausschuss getroffen und dabei die unterschiedlichsten Positionen zum Ausbau der A 49 und der Rodung der Waldgebiete rund um Dannenrod gehört. In einer Verlautbarung hatte der DSV im Juli dieses Jahres an alle relevanten Vertreter aus Politik und Kirche appelliert, die Mobilitäts- und Klimapolitik unter das Primat der Ressourcenschonung und des Klimaschutzes zu stellen. Im Nachgang hatte die Fachstelle Bildung und Ökumene Teams zusammengestellt, die seit Beginn der Rodungen in den Wäldern beobachtend und zum Kontaktaufbau unterwegs sind. Es werden Ruheräume und Andachten angeboten. Dazu wird eine separate Videokonferenz angeboten.

Beratungszentrum braucht mehr Geld

Vom Beratungszentrum gab es zwei Anliegen: Zum einen bat Heinzdieter Horn, Vorsitzender des Vorstandes des Beratungszentrums, die Synode um einen Antrag bei der Kirchenleitung der EKHN auf einen Zuschuss, der die steigenden Gehaltszahlungen ausgleicht. Sollte dies nicht geschehen, müssten Leistungen zurückgefahren werden, was angesichts der bestehenden Sucht- und Drogenproblematik im Vogelsberg kaum möglich sei. Auch der Vogelsbergkreis als kommunaler Träger habe schon eine Aufstockung der Mittel in Aussicht gestellt, informierte Horn. Zum anderen stellte Matthias Gold, Leiter des Beratungszentrums, das Projekt "Unabhängig im Alter" vor. Er bat die Synodalen vor Ort, das Angebot in die Gemeinden zu tragen, um Menschen, die im Alter allein und isoliert und daher eher suchtgefährdet sind, zu identifizieren und ihnen Hilfe anbieten zu können.

Dekanin Seibert berichtete schließlich noch von den erfolgreichen Bemühungen, die Kirchengemeinden im Schlitzerland - Hutzdorf, Kreuzersgrund, Schlitz und Willofs - zu einer Gesamtkirchengemeinde zu verbinden. Ab 1. Januar des kommenden Jahres sind sie die "Evangelische Christusgemeinde Schlitzerland". Noch schwierig sind die Verhandlungen in Lehrbach und Erbenhausen. Dort sei zwar einiges in Bewegung, doch noch keine Lösung für den Zuschnitt von Kooperationsräumen absehbar, wie Pfarrer Frank Hammel berichtete.

Als sehr gelungen befanden alle Synodalen das Angebot einer hybriden Synode - mit Blick auf die derzeitigen Entwicklungen und die langen Wege im Vogelsberg könnte es durchaus nicht die letzte gewesen sein.

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