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Der Einzelhandel ist durch die Coronavirus-Pandemie derzeit stark gefordert und musste viele Maßnahmen für einen sicheren Einkauf ergreifen. Und auch die Kunden müssen an vieles denken. SYMBOLFOTO: DPA

Einkaufen als Hindernisparcours

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Einkaufen in Corona-Zeiten ist nicht immer einfach. Das hat auch eine Schülerin des Presseteams der Homberger Ohmtalschule erfahren, die einen Text über die aktuelle Situation verfasst hat.

Der Parkplatz scheint förmlich vor Autos überzuquellen. Einen zu finden, wird für uns zu einer Herkulesaufgabe, aber schließlich entdecke ich nach vier Rundfahrten, in denen wir nach jeder Runde noch genervter und angespannter wurden, ganz hinten in einer Ecke ein Plätzchen, das wir zu unserem Glück ergattern können. Nachdem ich mein Ticket in den Supermarkt in Form eines Einkaufswagens gelöst habe, gehe ich hinein und sofort steigt mir der beißende Geruch von Desinfektionsmittel in die Nase.

Mit daraufhin gerümpfter Nase blicke ich mich erst einmal um. Überall diese Schilder, die auf den erforderlichen Mindestabstand von zwei Metern hinweisen, überall die Schlangen, welche die Gänge einzunehmen scheinen, überall diese Distanz zwischen den Menschen. Alles ist irgendwie überwältigend und ich bin verwirrt, wo ich wann was machen darf.

Langsam taste ich mich voran und mir wird zunehmend unwohl zumute. Jedes Mal, wenn mir jemand entgegenkommt, denke ich, dass die beiden breiten Einkaufswagen unmöglich in dem engen, langen Gang aneinander vorbeikommen, ohne die Regale im wahrsten Sinne des Wortes abzuräumen. Das Einkaufen im Supermarkt gestaltet sich mehr und mehr zu einem nicht mehr zu enden scheinenden Parcours. Ich fühle mich eingeengt, alles wird mir zu viel, die Luft scheint plötzlich beißend zu sein… Ich atme einmal tief ein und aus, beruhige mich wieder und gehe langsam wie ferngesteuert auf das Regal zu, das eigentlich mit Klopapier und Küchenrolle gefüllt sein sollte. Natürlich streckt sich mir stattdessen eine gähnende Leere entgegen. "Im Anfang (in unserem Fall der Pandemie) war alles wüst und leer" trifft hier den Nagel auf den Kopf.

Man starrt förmlich Löcher in das kahl wirkende weiße Regal, statt Klopapier kaufen zu können, was in Deutschland zeitweilig zum neuen Salz geworden war. Wir befinden uns schließlich in Zeiten von Corona, in denen schon Witze über die Hamsterkäufe gemacht werden. Nervös und ein bisschen wütend schlängele ich mich weiter durch die Durchgänge und mein Blick bleibt an der riesigen Eisauswahl hängen. Zwischen den vielen leckeren Sorten fällt es mir schwer, mich zu entscheiden. Während ich überlege, welches Eis wohl sowohl meiner kleinen Schwester als auch mir schmecken könnte, kommt eine Frau heran. Sie ruft jubelnd auf: "Endlich! Da freut sich die Kleine endlich mal wieder!", als sie ihre so ersehnte Beute ergreift. In diesem Moment ist es, als ob ein Glücksgefühl mich von innen heraus wärmen würde und ich freue mich sehr mit der Frau und ihrem Kind über diese eigentlich so selbstverständliche Sache, sodass ich anfange zu lächeln. Es lässt mich aber auch nachdenklich werden und ich realisiere zum ersten Mal aktiv, wie diese Pandemie unser Leben auf den Kopf stellt. Aber sie lässt einen auch dankbarer werden für Dinge, die man für "normal" hält wie den Genuss des Lieblingseises. Corona, was auf Spanisch "Krone" heißt, lässt uns auch unsere eigenen Kronen absetzen, um anderen Menschen in Not zu helfen und öffnet Herzen. Als ich schließlich durch eine Markierung, knallrot wie das vielbesungene Gummiboot, darauf aufmerksam gemacht werde, dass ich stehen bleiben muss, um den Sicherheitsabstand an der Kasse einzuhalten, lande ich wieder in der Realität.

Die Schlangen scheinen durch die Abstände zwischen den Käufern unendlich in die Länge gezogen. Ungeduldig tippele ich mit dem Fuß auf und ab. Endlich bin ich an der Reihe und bezahle meine unter körperlichen und seelischen Anstrengungen erworbenen Lebensmittel. Ich bin erleichtert, als mir draußen die Sonne als kleiner Lichtblick in dieser doch düsteren Zeit ins Gesicht scheint. Frische Luft weht mir entgegen und nach diesem Einkauf kann ich im wahrsten Sinne des Wortes aufatmen.

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