A 49-Weiterbau

Eine Verdummungskampagne

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Der Streit um den Weiterbau der A 49 VKE40 geht in die entscheidende Phase. Die Befürworterseite beharrt darauf: Wir sind im Recht. Auf der anderen Seite ein Aktionsbündnis und junge Leute, die das Projekt infrage stellen. Warum? Weil wir eben nicht mehr das Jahr 1980 oder das Jahr 2012 haben. Die letzten Jahre führen uns vor Augen was sich ändert, und auf diese Veränderungen müssen wir reagieren.

Im Fernsehen wird in der Hessenschau eine ganze Woche lang gezeigt, wie das sich ändernde Klima den Wald zerstört. Am 19. Mai 2020 war in der Sendung Frontal 21 zu sehen, wie unser Wald dahinsiecht. Wir können solche Sendungen und die damit verbundene Heuchelei kaum noch ertragen, weil wir erleben, dass knapp 100 Hektar alter, noch gesunder, ökologisch bewirtschafteter Wald wegen einer Autobahn gefällt werden soll, ein, gerade heute, unverzichtbarer Wasser- und CO2-Speicher. Die Argumentation, es werde neuer Wald gepflanzt, ist eine Verdummungskampagne, in den letzten Jahren sind junge Pflanzen durch Hitze und Wassermangel kaum noch angewachsen, und selbst wenn sie anwachsen würden, hat dieser Wald erst in 250 Jahren dieselbe Funktion wie der jetzige. Das Aktionsbündnis "Keine A49" hat vor Jahren eine alternative Planung unter Einbeziehung der bestehenden Straßen vorgelegt, die im Dannenröder Appell zu finden ist. Sie bringt eine wirkliche Entlastung und kostet einen Bruchteil der A49. Obwohl die A49 ja ganz exakt und lange geplant wurde (Argumentation der Befürworter), haben sich die Kosten von veranschlagten 570 Millionen schon auf 1,4 Milliarden Euro erhöht, und das ist sicher nicht das Ende. Aber Geld spielt neuerdings keine Rolle mehr.

Genauso ist die einhellige Meinung der Wissenschaft zum Thema Klimawandel und was dagegen zu unternehmen ist für die Befürworter völlig nebensächlich und unerheblich. Aber es gibt auch politische Lichblicke. So hat Bundeswirtschaftsminister Altmaier erklärt, dass alle Projekte zukünftig (warum erst zukünftig), als Erstes auf ihre Auswirkungen auf Klima und Umwelt zu prüfen sind, und die Landesregierung von Rheinland-Pfalz hat beschlossen, dass Buchen, die älter als 100 Jahre sind, nicht gefällt werden dürfen. Unser hessischer Verkehrsminister hat das Jahr 2020 zum Jahr der Schiene ausgerufen. Toll! Wie viel km Bahnstrecke kann man mit 1,4 Milliarden Euro bauen? Noch eine Frage: Was passiert, wenn die A49 auf eine heute schon überlastete und staugeplagte A5 trifft? Bestimmt weniger Verkehr auf den Straßen, die dann als Ausweichstrecken genutzt werden. Oder?

Heidrun und Heinrich Seim, Homberg-Erbenhausen

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