A49-Weiterbau

Eine Schande für die Grünen

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Sehr geehrter Herr Minister Al-Wazir, als Grünenwählerinnen seit der ersten Stunde bringt uns Ihr Verhalten in den Zwiespalt, dass unser Herz grün ist, aber wir bei der nächsten Landtagswahl in Hessen einen solchen Minister bzw. die Hessischen Landesgrünen nicht mehr unterstützen werden.

Während die Grünen hier vor Ort, insbesondere die Homberger Stadträtin Barbara Schlemmer, unermüdlich für urgrüne Werte und den Erhalt unserer Heimat kämpfen, und während immer mehr Grüne und KlimaaktivistInnen uns unterstützen, erklären Sie im Interview mit der Bild-Zeitung: "Natürlich ärgert es mich, dass ich die Autobahn weiterbauen muss. Und noch mehr, dass alle denken, dass ich das Projekt stoppen kann." "Als Landesverkehrsminister habe ich keinen Spielraum".

Wenn es tatsächlich so ist, dass Sie in Ihrem Amt als Landesverkehrsminister keinen Spielraum haben, ein Projekt zu stoppen, von welchem Sie genau wissen, dass es ökologisch völlig verfehlt ist und jedem gesunden Menschenverstand widerspricht, dann sollten Sie den Menschen, welche Sie gewählt haben wenigstens beweisen, dass Ihnen im Laufe des Regierens nicht jedes grüne Gewissen abhanden gekommen ist.

Wenn Sie in Ihrer Rolle als Landesminister wirklich zwingend entgegen Ihren eigenen Grundsätzen handeln müssen, dann zeigen Sie Rückgrat und Courage und treten Sie von diesem Amt zurück. Stellen Sie sich endlich wieder auf die Seite Ihrer eigenen Basis! Es ist eine Schande, dass zwar führende Politiker der Partei "Die Linke" sich mit den Menschen vor Ort solidarisieren, aber wir von unserem eigenen grünen Minister nur hören, er könne nichts tun. Doch, das können Sie: Setzen Sie ein Zeichen, dass Ihnen Ihr grünes Gewissen mehr bedeutet als Macht. Dann verlieren Sie zwar ein prestigeträchtiges Amt, aber Sie gewinnen wieder das Vertrauen und den Respekt ihrer eigenen Basis zurück.

Christiane Schwarze und Eva Batt, Homberg

Was gesagt werden muss: Die Durchsetzung der Vernunft lässt sich zwar eine Zeit lang behindern, aber letzten Endes mit der Gewalt des Schlagstockes nicht aus der Welt schaffen, auch nicht im "Danni". Vernunft braucht den Dialog und schafft Akzeptanz, Gewalt dagegen will nicht sprechen. Die Absage an Gewaltanwendung gegen Menschen - gleich von wem - gehört von jeher zum Credo des Aktionsbündnisses "Keine A49" und "Wald statt Asphalt". Auch die Waldbesetzer fühlen sich daran gebunden.

So hatte am letzten Sonntag das klassische Orchester "Lebenslaute" vielstimmig sowohl die "Gewalt der Gedankenlosigkeit" angeprangert als auch zum Gebrauch der "Vernunft" aufgerufen. Dass nun seit Jahrzehnten mit zunehmender Steigerung des Lkw-Durchgangsverkehrs in vielen Orten Anwohner drangsaliert werden und der Gewalt gesundheitlicher Gefährdung durch Lärm und Abgase ausgesetzt sind, das spottet seit Langem jeglicher Vernunft. Dieser Zustand hätte längst im friedlichen Dialog durch alternative Lösungen seitens der Politik behoben werden können.

Dass für die Unternehmen logistische Vorteile durch diese Lösung des Autobahnbaus Gewinnzuwächse und Kostenvorteile im Konkurrenzkampf erbringen, mag betriebswirtschaftlich als vernünftig gelten. Aber im übergeordneten Interesse der Gesamtgesellschaft, des Erhalts einer lebenswerten Umwelt auch für nachfolgende Generationen kann dies keineswegs als vernunftgeleitet angesehen werden. Dass Regionalpolitiker die Umsetzung dieses Baukonzepts mit der Erwartung wirtschaftlicher Belebung und zusätzlichen Arbeitsplätzen verbinden, klingt durch die Wirtschaftsbrille gesehen als Totschlag-Argument auch nur scheinvernünftig. Schließlich geht es doch um mehr als nur um die Lösung eines Verkehrsproblems.

Dass schließlich der Autobahn-Lückenschluss in Zeiten des menschengemachten Klimawandels und der drohenden Trinkwasserverknappung ausgerechnet durch einen intakten Mischwald, der zudem ausgewiesenes Trinkwasserschutzgebiet ist, vorangetrieben wird, spottet ebenfalls jeglicher Vernunft.

So wenig vernünftig wie das Abholzen des Regenwaldes am Amazonas für mehr Fleisch und Soja das Weltklima schädigt. Hiergegen protestierte die Klimakanzlerin bei Bolsonaro und half damit global der Vernunft auf die Sprünge. Und hier bei uns? Alternativen liegen auf dem Tisch.

Otto Frank, Alsfeld

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