Das Alsfelder Kloster mit erhaltenem Gebäude und Garten sowie Teilen der alten Klostermauer. Die Einrichtung wurde offenbar schon früher als gedacht von Mönchen des Augustinerordens für regelmäßige Versammlungen genutzt. FOTO: PM
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Das Alsfelder Kloster mit erhaltenem Gebäude und Garten sowie Teilen der alten Klostermauer. Die Einrichtung wurde offenbar schon früher als gedacht von Mönchen des Augustinerordens für regelmäßige Versammlungen genutzt. FOTO: PM

Eine Kleinstadt wird zum Zentrum

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Alsfeld(pm). Zu Pfingsten des Jahres 1320 traf der Orden der Augustinereremiten bei seinem im Kloster Himmelpforte (bei Wernigerode) zukunftsweisende Entscheidungen, die sich auch auf die Stadt Alsfeld auswirken sollten. Eine wertvolle Pergamenturkunde, die zur Zeit in Magdeburg restauriert wird, liefert den Beweis. Sie beeindruckt schon von ihrem Äußeren her, denn 17 anhängende Siegel der Ordensführung lassen die Wichtigkeit des Inhalts erahnen.

Zum Hintergrund: Der Augustinerorden, der sich in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts auch in Deutschland stark verbreitet hatte, hatte sich im Jahre 1299 in vier Provinzen aufgeteilt.

Alsfeld gehörte zur Sächsisch-thüringischen Provinz, die von der holländischen Grenze bis nach Polen, von der Nord- und Ostsee bis nach Franken reichte. Wegen des riesigen Gebietes setzte man Schwerpunkte in den vier Bischofsstädten Osnabrück, Magdeburg, Würzburg und Erfurt, wo der für Alsfeld zuständige Weihbischof seinen Sitz hatte. Die Augustiner, deren Namen sie zunächst als Eremiten auswies, sollten nun verstärkt in die Städte gehen, um seelsorgerisch zu wirken.

Alsfeld wird für ganz Mittelhessen zuständig

Diesem neu formulierten Ziel diente auch die Festlegung der Orte, wo zukünftig die sogenannten Provinzialtage in den folgenden Jahren stattfinden sollten. Bei diesen Versammlungen trafen die Augustiner wichtige Entscheidungen über die inhaltliche Arbeiten und sie wählten die Vorsteher (Priore).

Für das Abhalten der Provinzialversammlungen gab es einige Ansprüche, die erfüllt sein mussten. So galt es, 100 Menschen für die Dauer des Aufenthaltes unterzubringen. Hierfür war das Alsfelder Kloster im Jahre 1230 und für die nächsten Jahrzehnte nicht geeignet. Umso mehr überrascht deshalb eine Urkunde vom 25. Juli 1351, die in Alsfeld ausgestellt wurde, aber vor Ort völlig unbekannt ist. Sie ist in lateinischer Sprache verfasst und schließt so: "Gegeben auf unserer Provinzialversammlung in Alsfeld, die am Fest des hl. Jakobus feierlich gefeiert worden ist." Offenbar hat also 1351 eine solche Versammlung in Alsfeld stattgefunden haben, weil das Kloster zu diesem Zeitpunkt nach einem Ausbau groß genug war.

Der scheidenden Provinzvorsteher Jordan sprach später auch davon, dass sich die Pest-Epidemie im Jahr 1350 langsam beruhigt hatte. Der Augustiner-Orden, der sich besonders um Sterbende kümmerte, hatte europaweit durch die Seuche über 5000 Mitglieder verloren, in der hiesigen Provinz waren es 244, das war rund die Hälfte der Mönche.

Die Provinzialversammlung der Augustiner in Alsfeld stellte für die Stadt ein herausragendes Ereignis dar. Zu diesem Zeitpunkt wurde deutlich, dass das hiesige Kloster Wertschätzung erfuhr. Einmal durch die hessischen Landgrafen. Am 5. Juni desselben Jahres sprach der Generalprior des Ordens, Landgraf Otto II., von der "Gemeinschaft "ller Messen...und aller anderen guten Werke, die irgendwo in der Welt von Brüdern des Ordens verrichtet werden".

Er sprach von seiner Zuneigung zum Orden. Anwesend an diesem Tag war auch Heinrich von Friemar der Jüngere, der als Professor der Theologie Leiter des "Studium generale" in Erfurt war. Alsfeld war zu diesem Zeitpunkt im Blick auf den Augustinerorden für den mittelhessischen Raum beherrschend, in Marburg gab es eine Außenstelle des Ordens, die heute in Teil der Universität ist.

Klosterkirche früher als gedacht zugänglich

Die Provinzialversammlung ist auch ein Beleg für die komplizierte Baugeschichte der Klosterkirche, sagt Walter Haupt, der als Lehrer an der Albert-Schweitzer-Schule tätig war. Sie lege eine Korrektur bisheriger Sicht nahe. Habe man sich bis jetzt nur auf die Meinung von Baufachleuten und Kunsthistorikern stützen können, gebe es nun eine schriftliche Quelle. Sie lege nahe, dass die Klosterkirche in ihrer Gesamtheit (Langchor und Langhaus) bereits Mitte des 14. Jahrhunderts der Öffentlichkeit zur Verfügung stand und damit wesentlich früher, als man bisher dachte.

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