Leere Tische und Stühle, so sieht es derzeit in den meisten Gastronomiebetrieben aus. Hier räumt Christine Gärtner vom Landhotel in Flensungen auf dem Balkon des Landhotels Stühle beiseite, auf Gäste darf sie noch nicht hoffen. FOTOS: JOL/PM
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Leere Tische und Stühle, so sieht es derzeit in den meisten Gastronomiebetrieben aus. Hier räumt Christine Gärtner vom Landhotel in Flensungen auf dem Balkon des Landhotels Stühle beiseite, auf Gäste darf sie noch nicht hoffen. FOTOS: JOL/PM

"Eine Katastrophe"

  • Kerstin Schneider
    vonKerstin Schneider
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Geschäfte dürfen wieder öffnen, Restaurants und Hotels müssen größtenteils geschlossen bleiben. Die Lage im Gastgewerbe ist mehr als ernst. Zwei Gastronomen aus Büßfeld und Flensungen erzählen, was die momentane Krise für sie bedeutet.

Leere Gasträume, hochgestellte Stühle. In der heimischen Gastronomie- und Hotelbranche sieht es seit Wochen traurig aus. Der Bereich bekommt die Auswirkungen der Corona-Pandemie besonders zu spüren. Das gilt auch für den Landgasthof Fleischhauer in Homberg-Büßfeld, der vor der Krise ein breites Spektrum abdeckte.

Nun steht (fast) alles still. Das Unternehmen bietet als Nische einen Außer-Haus-Verkauf an, der auch angenommen wird, berichtet Juniorchef Fernando Dogana, dessen Vater Valerio den Landgasthof über Jahrzehnte kontinuierlich ausgebaut und an die Bedürfnisse der Kundschaft angepasst hat.

"Über diese Unterstützung für den Außer-Haus-Verkauf freuen wir uns sehr", sagt Dogana. Einige Kollegen, etwa im Alsfelder Raum, verzichten ganz auf diese Option. "Weil es sich nicht rechnet. Das ist mehr eine Art Beschäftigungstherapie", erzählt ein Gastronom, der namentlich nicht genannt werden möchte.

Allerdings macht auch Fernando Dogana keinen Hehl daraus, dass man mit der Essensabgabe nur einen Bruchteil der ausbleibenden Einnahmen auffangen kann. Für das Geschäft gelte im Prinzip: "Eine Katastrophe. Es ist komplett zusammengebrochen." Früher nahm man während der Woche die Firmenkunden auf, etwa die Besucher von Unternehmen wie Kamax, Egroh, Ferrero, Geibel und Hotz oder der MHI, viele kamen aus dem Ausland, beispielsweise aus den USA, aus China oder Spanien. Sie bleiben jetzt alle weg, die meisten Geschäftsreisen sind gestrichen und das auf unbestimmte Zeit.

Firmenkunden dürfen im Hotel weiter untergebracht werden und hier sind derzeit laut Dogana die Windkraftmonteure "die einzige Hoffnung", weil sie in Zweierteams über Land fahren, um die Anlagen zu warten oder zu reparieren. "Das sind dann zwei Übernachtungen plus Frühstück und Lunch-Paket", besser als nichts, aber natürlich nur ein geringer Teil der Auslastung aus der Zeit vor Corona. Am Wochenende richtete der Betrieb in normalen Zeiten Geburtstags- oder Hochzeitsfeiern aus. Dogana: "Das Schlimme ist, dass sie oft ersatzlos gestrichen werden." Aufholen lassen sich diese verlorenen Einnahmen nicht.

Bei ihm klingt noch das Wort aus den Anfangswochen der Krise nach: "Es hieß, die Lokale sind die ersten, die schließen müssen und die letzten, die wieder öffnen dürfen." Derzeit sieht er keinen Silberstreif am Horizont, auch wenn die Politik ihre "Salami-Taktik" der vorsichtigen Öffnung fortsetzen sollte.

Zwei Köche in Kurzarbeit

Leider sei bei den verhängten Regelungen alles in einen Topf geworfen worden, sagt Dogana, von der kleinen Eckkneipe, wo sich Menschen am Tresen drängeln, bis zum großen Speisesaal. Er könne die Abstandsregeln "locker umsetzen", sagt er. Dann würden im großen Saal für 80 Personen eben nur 15 untergebracht und die Tische ausreichend weit voneinander platziert. Das gelte auch für den Außenbereich.

Der Büßfelder Familienbetrieb ist noch in der glücklichen Lage, keine Miete oder Pacht zahlen zu müssen. "Doch was ist mit den Kollegen in den teuren Lagen der Großstädte?" Und wer neu aufgemacht hat, der habe erst recht keine Puffer, um die Einbußen aufzufangen.

Dazu kommt eine Entwicklung, die durch das Coronavirus wohl massiv beschleunigt wird: das Sterben vieler Gasthäuser. In vielen hätten die Betreiber das Rentenalter erreicht, eine Nachfolge sei nicht in Sicht. "Hier beschleunigt die Krise die Schließung." Zudem werde ein Gastwirt in seinen Sechzigern sicher keinen Kredit mehr aufnehmen.

Von den fünf Mitarbeitern des Landgasthofs sind die beiden Köche jetzt in Kurzarbeit, sie arbeiten zwei Tage pro Woche, für die anderen Mitarbeiter wurde ein Aussetzungsvertrag abgeschlossen. Jetzt ist Doganas große Hoffnung, "dass wir ab Mitte/Ende Mai vielleicht mit Beschränkungen in kleineren Umfang wieder öffnen können".

"Es sieht immer noch nicht gut aus", meint auch Christine Gärtner. Die Chefin im Landhotel Gärtner in Mücke-Flensungen hat nach wie vor wenig Hoffnung auf baldige Besserung der Lage in der Gastronomie. Im Hotel steigen zurzeit nur Stammgäste ab, in der Regel sind es Geschäftsleute. Die Küche darf aber nur Außer-Haus-Service anbieten. Die Gäste holen sich also oftmals ihre Mahlzeiten im Lebensmittelmarkt und essen im Zimmer.

Mit dem eigenen Lieferdienst fange man nicht viel auf. Da kommen zwei oder drei Portionen zusammen, vor der Corona-Schließung bekochte das Team große Geburtstagsgesellschaften und Tagungen. Dennoch will Christine Gärtner nicht klagen. Es sei wichtig, die Ausbreitung des Virus zu bremsen, hält sie fest. Die Aussichten? Gruppenreisen sind bis Juni abgesagt. Auch Geburtstagsfeiern, die bereits vor vielen Monaten gebucht wurden, fallen aus. "Wir versuchen, die Feiern auf das nächste Jahr zu schieben", sagt Gärtner. Die Mitarbeiter sind in Kurzarbeit.

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