Die neuen Gebäude der Mittelpunktschule sieht man heute vom Berg aus wegen Bäumen nicht mehr. Nur der hohe Schornstein der ehemaligen Molkerei ist noch weithin sichtbar. FOTOS: PM
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Die neuen Gebäude der Mittelpunktschule sieht man heute vom Berg aus wegen Bäumen nicht mehr. Nur der hohe Schornstein der ehemaligen Molkerei ist noch weithin sichtbar. FOTOS: PM

Eier und Brennholz für den Lehrer

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Was macht man nicht alles für Bildung: Eltern gaben ihren Kindern einst Eier und Brennholz für den Lehrer mit. Die Gemeinde Nieder-Gemünden wollte in den 1950er Jahren einen Fichtenbestand fällen, um einen Schulneubau zu finanzieren. Heute, im Jahr des 1250-jährigen Bestehen des Ortes, besuchen die 88 Kinder kostenlos die Grundschule.

Genaue Angaben über die Anfänge eines geordneten Schulwesens in Nieder-Gemünden fehlen. Dennoch gehört die Schule des Dorfes zu den ältesten des Altkreises Alsfeld. Bereits 1532 sollen Lehrer tätig gewesen sein, darauf weisen Heberegister hin. Mit Sicherheit ist ab 1595 ein Schulbetrieb feststellbar. Historische Quellen, insbesondere eine Arbeit von Lehrer Georg Kemmer, verweisen 1633 auf einen Lehrer Hans Koch.

Wo befand sich das Schulhaus? Dazu gibt es erst seit 1857 gesicherte Erkenntnisse. Ein altes Schulhäuschen hat demzufolge unterhalb des jetzigen Rathauses der Gemeinde gestanden. Es muss auf dem Grundstück in der Brunnengasse gestanden haben. Die Informationen von 1857 geben folgende Aussagen: "Das alte Schulhäuschen hatte gar kleine Fensterchen, erblindete Scheiben und ein Strohdach. In seinem Innern waren zwei kleine Stuben und ein Kämmerchen".

Die Schule war lange Jahre (bis 1964) im Gebäude des heutigen Rathauses (erbaut 1814) untergebracht. Dieses wurde 1936 umgebaut, von da an war unter anderem die Scheune des Schulleiters ein Schulsaal. Als 1946 die Bevölkerung durch den Zuzug von Heimatvertriebenen um die Hälfte wuchs, entschloss man sich, die Scheune des ehemaligen "Blößerschen Anwesens" in der Eckengasse (heutige Brunnengasse, im Volksmund das "Braune Haus") umzubauen. 1949 wurde dort zugleich eine Lehrerwohnung eingerichtet. Damit war dieser Schulsaal rund 200 Meter vom eigentlichen Schulgebäude entfernt; jedoch etwa da, wo die Geschichtsbücher auf das erste Schulgebäude verweisen. Ebenso gab es im Ort in den 1950er Jahren eine Volksbücherei. Am Rande sei erwähnt, dass bis in die 1960er Jahre auch die Kreisberufsschule dort Schulräume nutzte.

Die ständig steigenden Anforderungen an das Wissen und Können heranwachsender Generationen führten in den 1950er und 1960er Jahren zu weitgehenden Schulreformen dies auch in baulicher Hinsicht. 1960 wurden in der Unterstufe (bis 4. Schuljahr) 42 Schüler und in der Oberstufe (bis 8. Schuljahr) 62 Kinder unterrichtet, dies stieg bis 1965 auf 142. Schon an Ostern wurde in Folge des Schulraummangels im Schichtdienst unterrichtet. Außerdem war landesweit ein 9. Schuljahr vorgesehen, bis dahin endete die Schulpflicht mit der 8. Klasse.

Im Wissen um diese Herausforderungen beschlossen die Gemeindevertreter 1959 im Alleingang, ein neues Schulgebäude zu errichten. Weil dafür die Fördermittel eher spärlich erwartet wurden, beschloss das Parlament zur Finanzierung die Abholzung eines schlagreifen Fichtenbestandes.

Doch dann überschlugen sich die Ereigniss. Von oberen Behörden wurde zum einen der Holzeinschlag unter anderem wegen eines fehlenden Finanzkonzeptes für den Schulneubau untersagt, zum anderen machten die Pläne für eine Mittelpunktschule in Fortschritte.

Pestalozzischule für 250 Kinder gebaut

Bereits am 31. August 1961 lagen die Pläne für die modernste Schule des Kreises Alsfeld vor. Gebaut werden sollte in zwei Bauabschnitten, die ursprünglichen Baukosten lagen bei 730 000 DM. Nachdem in der Dezembersitzung der Gemeindevertreter über die Zusage eines Landeszuschusses von 400 000 DM informiert wurde, war mit Baubeginn 1962 zu rechnen.

Baubeginn und die Realisierung waren voll im Plan, so dass am 3. Oktober 1964 die erste ländliche Mittelpunktschule mit ihrem ersten Bauabschnitt ihrer Bestimmung übergeben wurde. Dem Schulverband gehörten die Gemeinden Bleidenrod, Hainbach, Nieder-Gemünden, Otterbach und Rülfenrod an.

Der 12. Oktober 1968 war für den Schulverband ein ebenso denkwürdiger Tag, die Fertigstellung des 2. Bauabschnitts, der mit der Errichtung der Turnhalle seinen Abschuss fand, wurde gefeiert. In Anlehnung an den Schweizer Pädagogen Johann Heinrich Pestalozzi erhielt die Mittelpunktschule ihren Namen. Zu dieser Zeit war die Schule für 250 Schüler ausgelegt, es unterrichteten neun pädagogische und drei technische Lehrkräfte sowie zwei Pfarrer. Ein Schulgarten war angelegt. Seit 1969 gingen zum ersten Mal als Ergebnis des Schulverwaltungsgesetzes Nieder-Gemündener Kinder (Jahrgang 1959) ab dem 5. Schuljahr in die Ohmtalschule Homberg und besuchten die neu eingeführte Förderstufe. Ein weiteres Ergebnis des damals beschlossenen Kreisschulentwicklungsplanes war, dass auch Burg-Gemündener, Ehringshäuser und Elpenröder Kinder die Grundschule in Nieder-Gemünden besuchen. Darüber hinaus berstand im Ort bis vor wenigen Jahren eine der Förderschulen des Kreises.

2020 werden in der Grundschule 88 Schüler in fünf Klassen von acht Lehrkräften unterrichtet. Die Pestalozzi-Schule hat sich das Motto "Lernen mit Kopf, Herz und Hand" gegeben. Neben dem üblichen Lernstoff gibt es täglich ein warmes Mittagessen. Hausaufgabenbetreuung und Arbeitsgemeinschaften runden das Angebot ab. Im Februar ist ein Förderverein gegründet worden. Die Kinder können Englisch oder Russisch lernen oder kreativ basteln. Bewegung und Umwelt sind ebenfalls Themen von AGs. Danach gibt es täglich bis 16 Uhr ein kostenfreies Betreuungsangebot.

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