Im Anschluss an die Sitzung der CDU-Landespolitiker unter Vorsitz von Holger Bellino (vorne 5. v. l.) werben Axel Möller und Anette Schmidt (vorne, 3. und 4. v. l.) mit Blick auf den Verkehrsstrom auf der Ortsdurchfahrt in Angenrod für den zügigen Weiterbau der A 49. FOTOS: JOL
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Im Anschluss an die Sitzung der CDU-Landespolitiker unter Vorsitz von Holger Bellino (vorne 5. v. l.) werben Axel Möller und Anette Schmidt (vorne, 3. und 4. v. l.) mit Blick auf den Verkehrsstrom auf der Ortsdurchfahrt in Angenrod für den zügigen Weiterbau der A 49. FOTOS: JOL

CDU dringt auf Bau der A 49

  • Joachim Legatis
    vonJoachim Legatis
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Drinnen Autobahngegner, draußen das Gespräch mit denen, die sehnlich auf die neue A 49 warten. Der Vorstand der CDU im Landtag tagte in Angenrod, um mehr über das umstrittene Bauvorhaben zu erfahren. Autos und Lkw sollen 2025 auf der Strecke rollen.

Der Sitzungsort der CDU-Landespolitiker war mit Bedacht gewählt, am Gemeinschaftshaus Angenrod rauscht der Verkehrsstrom aus Pkw und vielen Lkw den ganzen Tag über vorbei. Dort lässt sich die Belastung der Menschen am Rand der Durchgangsstraßen durch viele Pkw und vor allem Lkw gut illustrieren.

Der Lärm und die Abgase sind auch der Hauptgrund, weshalb 2500 Menschen aus den Landkreisen Vogelsberg und Marburg-Biedenkopf eine Petition für einen zügigen Bau der Autobahn A 49 unterschrieben haben. Am Straßenrand überreichten Anette Schmidt und Axel Möller aus Leusel und Angenrod die Petition an Holger Bellino, den parlamentarischen Geschäftsführer der CDU im Landtag.

Zuvor hatte sich der Vorstand der Landtagsfraktion über den Stand der Dinge beim Autobahnbau informiert. Vertreter der Planungsgesellschaft DEGES erläuterten, dass der Bauauftrag Mitte des Jahres vergeben werden soll, Fertigstellung soll 2024 sein.

Vom Bau der neuen Nord-Süd-Verbindung erhoffen sich gerade die Anwohner an Hauptverkehrsstraßen wie in Leusel und Angenrod viel, sagte Anette Schmidt. Man könne kaum das Fenster öffnen, so laut ist der Straßenlärm, erläutert Schmidt. Als die BI die ersten Unterschriften an Alsfelds Bürgermeister Stephan Paule überreichte und dafür die Fußgängerampel in Leusel benutzte, stauten sich sofort 37 Lastwagen.

Gegenposition bezogen gut 30 Autobahngegner bei der vorangegangenen Vorstandssitzung im Saal des Gemeinschaftshauses. Einige mussten stehen, so groß war der Andrang. Dabei äußerten manche Verständnis für den Protest der Anlieger von Bundesstraßen, waren aber skeptisch, ob durch die Autobahn eine Verbesserung eintritt. Zudem sprachen sie fehlerhafte Ausgleichsmaßnahmen bei Maulbach an und wandten sich gegen das Roden von 100 Hektar gesunden Waldes in Zeiten des Klimawandels.

Der Vorstand der CDU-Fraktion im Landtag sowie CDU-Kreispolitiker und Landtagsabgeordnete informierten sich zunächst über den aktuellen Stand der Vorbereitungen auf den Autobahnbau. Dabei erklärte der Vogelsberger Abgeordnete Michael Ruhl, "der Weiterbau der A 49 ist eines der zentralen Verkehrsprojekte in Mittelhessen. Insbesondere die Anwohner der Bundesstraße 3 werden durch dieses Projekt eine deutliche Entlastung vom Schwerlastverkehr erfahren."

Dirk Bamberger aus dem Kreis Marburg-Biedenkopf betonte, die Unternehmen seien "dringend auf die Verbesserung der Infrastruktur angewiesen". Die Mehrheit der Menschen im Bereich Kirchhain und Stadtallendorf "wartet sehnlich auf den Bau".

Geschäftsführer Holger Bellino fasste die Position der Landes-CDU so zusammen: "Wir stehen der Baumaßnahme sehr positiv gegenüber." Dabei sei der CDU das Ausmaß der Proteste durchaus bewusst, aber "der Raum braucht die Infrastruktur". Dabei gehe es um den Erhalt der Arbeitsplätze in der Region.

Erster Kreisbeigeordneter Dr. Jens Mischak ergänzte als Vorsitzender der CDU Vogelsberg, dass 80 Prozent der Zuschriften in der Kreisverwaltung den Bau der A 49 fordern. Es gebe eine gültige Planfeststellung, "wir sollten in den Vollzug gehen". Dafür habe sich auch der Kreistag mehrfach ausgesprochen.

Ludger Sehr und Bernhard Blümel von der DEGES erläuterten den Stand der Vorbereitungen auf den Autobahnbau. Zurzeit läuft die Ausschreibung, um einen Bauträger für die A 49 zu finden. Das Unternehmen soll die beiden letzten Abschnitte zwischen Treysa und Gemünden bauen und nachher ein längeres Autobahnstück betreiben. Wenn die A 49 gebaut ist, soll das Engpässe auf den Autobahnen 7 und 5 beheben. Zudem sollen die Bundesstraßen der Region entlastet werden. Für 2025 rechnet die DEGES mit 38 000 Fahrzeugen pro Tag, davon 20 Prozent Lkw. Größtes Bauwerk ist die Brücke bei Lehrbach mit 460 Metern Länge und bis zu 33 Metern Höhe. Die Vorbereitungen laufen, so zur Verlegung einer Starkstromleitung bei Maulbach und der Gasleitung Open Grid an drei Stellen.

Wenn das Gerichtsverfahren im Mai nichts anderes ergibt, wird im Herbst auf der Trasse gerodet. 100 Hektar Wald fallen, die Ausgleichsmaßnahmen umfassen 750 Hektar Fläche. Aktuell laufen die Vorbereitungen, die bereits im Vorjahr beauftragt wurden. Ein Autobahnkritiker meinte, die Anwohner von bisherigen Durchgangsstraßen werden durch den Bau nicht entlastet. Dazu meinte Sehr, es habe Verkehrsuntersuchungen gegeben, die Teil der Genehmigung sind.

Heinrich Seim monierte, es werde ein intakter Wald "weggemacht" und junge Bäume wachsen schlecht nach, weil es so trocken sei. Dazu warf Mark Weinmeister (CDU) ein, dass es ein langes Ringen um die beste Trasse gegeben hat. Es sei eine politische Abwägung, die Autobahn dort zu bauen, wo der geringste Eingriff nötig ist.

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