Informationen über die erste Vogelsbergerin mit COVID-19-Erkrankung geben (v. r.) Dr. Sven Holland (Gefahrenabwehr), Gesundheitsdezernent Jens Mischak, Landrat Manfred Görig, Rüdiger Rau und Andreas Smakal vom Gesundheitsamt. FOTO: JOL
+
Informationen über die erste Vogelsbergerin mit COVID-19-Erkrankung geben (v. r.) Dr. Sven Holland (Gefahrenabwehr), Gesundheitsdezernent Jens Mischak, Landrat Manfred Görig, Rüdiger Rau und Andreas Smakal vom Gesundheitsamt. FOTO: JOL

Drei Menschen unter Quarantäne

  • Joachim Legatis
    vonJoachim Legatis
    schließen

Das Coronavirus hat den Vogelsberg erreicht. Nach der Mitteilung, dass die erste Infizierte, eine 21-Jährige aus dem westlichen Teil des Kreises, unter Quarantäne gestellt ist, informieren die Kreisspitze und das Gesundheitsamt über die Folgen. Aktuell besteht kein Bedarf, Messen abzusagen.

Eine Infizierte mit leichten Symptomen, drei Menschen für 14 Tage in Quarantäne. Das Coronavirus hat den Vogelsbergkreis erreicht. Landrat Manfred Görig mochte deshalb am Freitag beim Pressegespräch im Kreishaus zwar auf die übliche Begrüßung per Handschlag verzichten, meinte aber, man solle das Infektionsrisiko nicht überschätzen. Der Leiter des Gesundheitsamts, Dr. Dr. Rüdiger Rau, erinnerte daran, dass Infektionen mit Viren des Corona-Typs häufig sind, es handele sich lediglich um eine neue Variante. Er riet dazu, sich häufiger die Hände zu waschen und bei größeren Veranstaltungen etwas mehr Abstand als üblich zu anderen Menschen zu halten.

Am Donnerstagnachmittag ist der Vogelsbergkreis darüber informiert worden, dass sich eine 21-jährige Frau aus dem westlichen Kreisgebiet bei einem Berlin-Besuch mit dem Virus angesteckt hat. Sie war mit einer Gruppe in die Metropole gefahren und hatte dort Kontakt zu einem Mann, bei dem am Montag eine Infektion mit dem neuen Coronavirus festgestellt wurde. Das Gesundheitsamt Reinickendorf hat die junge Vogelsbergerin daraufhin informiert, wie Gesundheitsdezernent Dr. Jens Mischak zusammenfasste. "Die junge Frau hat sich dann beim Uni-Klinikum Gießen testen lassen." Am Donnerstagnachmittag kam die Information beim Vogelsbergkreis an, dass die 21-Jährige tatsächlich an der neuen Coronavirus-Variante erkrankt ist. Damit sei man dann sofort an die Öffentlichkeit gegangen, berichtete Mischak.

"Es ist eine gute Nachricht, dass die junge Frau nur leicht erkrankt ist mit den üblichen Symptomen einer Erkältung", sagte Rüdiger Rau zum Stand der Dinge. Sie hat bislang nur mit ihren Eltern Kontakt gehabt, deshalb wurden alle drei für 14 Tage unter häusliche Quarantäne gestellt. Das Gesundheitsamt steht in engem Austausch mit der Familie, fragt täglich nach dem Gesundheitsstand und bietet Unterstützung an. Für weitere Teilnehmer des Ausflugs aus anderen hessischen Landkreisen sind die dortigen Gesundheitsämter zuständig.

Das Vogelsberger Gesundheitsamt richtet sich nach den aktuellen Hinweisen des zuständigen Robert-Koch-Instituts. So sind Tests in den Krankenhäusern möglich, untersucht werden die eingereichten Proben in Laboren in Marburg und Frankfurt. Auch auf Nachfrage wollten Mischak und Rau nicht den Wohnort der Infizierten und ihrer Familie preisgeben. Dabei gehe es um den Persönlichkeitsschutz. Es sei geprüft, ob noch weitere Menschen in Kontakt mit der Erkrankten waren. Das sei aber nicht der Fall.

"Sie müssen schon mindestens 15 Minuten einer erkrankten Person gegenüber sitzen, damit Sie sich anstecken können", auch könne man sich über das Niesen einer Infizierten Person anstecken, erläuterte Rau. Andere Infektionswege seien nicht bekannt.

Coronaviren sind eine Erregergruppe, die etwa 30 Prozent aller grippalen Infekte auslösen, sagt der Amtsleiter. Das Besondere sei nur, dass mit dem Coronavirus der die Krankheit COVID 19 auslöst, eine neue Variante aufgetaucht ist. Die meisten Infektionen ähneln einem leichten grippalen Infekt, nur ein Teil führt zu einer Grippe mit ihren gravierenden Folgen wie Fieber und Atembeschwerden. "Gefährdet sind über 80-Jährige und Vorerkrankte", fasste Rau den Stand der Erfahrungen zusammen. Bei jungen, gesunden Menschen gebe es einen tödlichen Verlauf bei 0,2 bis 0,4 Prozent der Infizierten, ebenso wie bei grippalen Infekten. Im Alltag reiche es, sich öfter die Hände zu waschen und sich nicht in Menschenmengen zu begeben.

Erkranken kann nur, wer in direktem Kontakt mit einem an dem Virus erkrankten Menschen war. Deshalb sollten Ärzte erst einmal von einem normalen grippalen Infekt ausgehen und nur bei den Menschen einen Extra-Test veranlassen, die bekanntermaßen Kontakt zu einem mit dem neuen Erreger Infizierten hatten. Zuständig für Diagnose und Behandlung sind die Hausärzte. Es gebe allerdings inzwischen einen Mangel an Schutzausrüstung, merkte Görig an.

Weitere Folgen hat der Ausbruch der Erkrankung im Vogelsbergkreis keine. Bislang ist nicht vorgesehen, Messen wie die anstehende Automobilausstellung in der Alsfelder Hessenhalle zu untersagen. "Wir haben jetzt einen Fall unter 106 000 Vogelsbergern, das ist keine Situation, um eine Ausstellung abzusagen", sagt Görig. Aktuell wird die Situation beobachtet, Neuigkeiten werden schnell veröffentlicht.

"Es gibt keinen Grund zur Panik, was notwendig ist, ist bereits eingeleitet", sagte Görig. Aber zur Sicherheit war auch Dr. Sven Holland beim Pressegespräch mit dabei, Leiter der Abteilung Gefahrenabwehr und Katastrophenschutz.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare