Zu der ersten Kreuzfigur (l.) ist jetzt ein zweites Dorfkreuz in der Friedhofskapelle dazugekommen. FOTO: PM
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Zu der ersten Kreuzfigur (l.) ist jetzt ein zweites Dorfkreuz in der Friedhofskapelle dazugekommen. FOTO: PM

Dorfkreuze für Kapelle

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Antrifttal(pm). Ein weiteres Holzkreuz hängt seit Kurzem in der Friedhofskapelle in Ruhlkirchen. Übergeben wurde es an die Pfarrgemeinde St. Michael von den Geschwistern Weber: Ottilie, Ludwig und Maria Pfeffer geb. Weber. Pfarrer Zbigniew Wojcik und Antrifttals Bürgermeister Dietmar Krist freuen sich gemeinsam darüber, dass das Kreuz einen schönen Platz gefunden hat und als Zeugnis des christlichen Glaubens erhalten bleibt.

Bildstöcke in den Fluren und Wegkreuze in den Gemeinden des Katzenberges zeigen seit Jahrhunderten die enge Verbundenheit der Menschen mit dem katholischen Glauben. Die Spender dieser Glaubenszeugnisse waren Christen, die auf diese Weise ihre Bitten oder ihren Dank ausdrücken wollten.

In dem "Pfarrdorf Ruhlkirchen" - so lautete der offizielle Name auf dem Ortsschild bis 1918 - standen über drei Jahrhunderte vor "Bäckersch Haus" in der Fischbacher Straße 16 drei Kreuze, deren Corpora (von den zwei älteren) bis heute erhalten geblieben sind.

Nach Aussage des Kunstsachverständigen der Diözese Mainz aus dem Jahre 1971 stammt der älteste Corpus ("Bauernbarock") aus der Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618-1648), vielleicht um 1700. Diesen beschädigten Rumpfkorpus hat der kunstsinnige Pfarrer Johannes Schmitt Helfferich, im Katzenberg tätig von 1984 bis 1995, dann in der neu erbauten Friedhofskapelle anbringen lassen. Das zweite Holzkreuz stand ein Jahrhundert lang von 1800 bis 1906. Es wurde im Dezember 1906 durch einen Sturm umgeworfen.

Die Corpora der zwei Holzkreuze wurden viele Jahre auf dem Dachboden in "Bäckersch Haus" aufbewahrt. Der Corpus des zweiten Holzkreuzes wurde von dem Kirchenmaler Eugen Heller, Mannheim, im Jahre 1970 restauriert. Die Kreuzbalken stammen aus einer rheinhessischen Kirche. Das Kreuz wurde im September 2020 in der Friedhofskapelle aufgehängt

Im Tagebuch von Wilhelm Weber (1858-1944) heißt es dazu: "Vom 29. May bis 1. Juni 1907 ließ ich an Stelle des vor dem Haus stehenden Holzkreuzes, das der Sturm umgeworfen hat, ein steinernes Kreuz durch den Bildhauer Fleck aus Fulda aufstellen. Am 2. Juni 1907 wurde dieses Kreuz in feierlicher Weise durch den Herrn Pfarrer Colombara in Anwesenheit der ganzen Pfarrei eingeweiht."

Dieses Steinkreuz wurde Anfang der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts gegenüber dem bisherigen Standort auf dem neu angelegten Platz unterhalb der Pfarrkirche St. Michael aufgestellt.

An diesen Kreuzen sind im Verlauf von über drei Jahrhunderten Tausende Hochzeits- und Trauerzüge sowie ungezählte Prozessionen vorbeigezogen.

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