Nicht einmal 20 Zentimeter breit ist in der Lindengasse der "Bürgersteig".
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Nicht einmal 20 Zentimeter breit ist in der Lindengasse der "Bürgersteig".

Ein Dorf will Tempo-30-Zonen

  • Rolf Schwickert
    vonRolf Schwickert
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Fast alle haben sie: Gontershausen, Schadenbach, die Kernstadt Homberg sowieso, und auch in anderen Großgemeinden sind sie Standard. Innerortsstraßen oder ganze Viertel werden in Dörfern auf Tempo 30 begrenzt. Das wünscht sich auch der Ortsbeirat Deckenbach, nicht nur, weil zwei Katzen überfahren wurden.

Mit hohen Geschwindigkeiten in Dorfstraßen ist es wie mit dem Müll in der Gemarkung. Das Meiste ist hausgemacht, sprich, in den Dorfstraßen fahren Anlieger zu schnell und der Abfall in der Landschaft fernab von Durchgangsstraßen dürfte auch der heimischen Bevölkerung zuzurechnen sein. Beim zu schnellen Fahren können allerdings Menschen zu Schaden kommen. Deshalb hat der Ortsbeirat von Deckenbach die Bitte an die Stadt herangetragen, außer in den vier Abschnitten von Ortszufahrten oder -durchfahrten Tempo-30-Zonen einzurichten.

Als Hauptanlass hat Ortsvorsteher Bernd Reiß die drei Straßen Bornwiesenweg, Lindengasse und Grüner Weg im Hinterkopf. Denn dort wird häufig zügig gefahren. Einmündungen, an denen rechts vor links gilt, scheinen den Fortbewegungsdrang nicht zu bremsen und bislang haben schon zwei Katzen ihr Leben lassen müssen. Diese halten sich üblicherweise gerne unter am Straßenrand abgestellten Fahrzeugen auf, und wenn sie von herannahenden Wagen aufgescheucht werden, laufen sie auch mal vor den Wagen. In diesen Fällen hat ein Fahrer kaum eine Chance, zu bremsen oder auszuweichen, schon gar nicht bei Tempo 50. Reiß möchte sich nicht ausmalen, was passiert, wenn ein Kind in so einer Situation zu Schaden kommen sollte.

Das oft zu hohe Tempo in den gemeindlichen Nebenstraßen ist das eine, die in vielen Fällen nur sehr schmalen oder gar nicht vorhandenen Bürgersteige wie in der Lindengasse sind das andere.

An diesen Stellen müssen Fußgänger zwangsläufig auf die Fahrbahn ausweichen, bei einer immer älter werdenden Bevölkerung lassen Reaktionen nach. Zudem sind immer mehr Menschen auf Gehhilfen angewiesen. Benutzt jemand einen Rollator, so kann er damit nicht auf einem zu schmalen Bürgersteig gehen, er muss trotz des Gehweges auf die Fahrbahn ausweichen. Das Thema Tempo 30 ist nicht neu im Ortsbeirat. Bereits im Vorjahr hatte Ortsvorsteher Reiß einen Flyer verteilt, über den sich die anderen Ortsbeiratsmitglieder über die Problematik informieren konnten. Und insgesamt dürfte es nach Einschätzung von Reiß schon zwei Legislaturperioden dauern, dass das Thema immer wieder einmal hochkommt.

Nach Einschätzung des Ortsvorstehers ist das Ansinnen gar nicht so abwegig, weil die Zonen andernorts weitverbreitet sind. So hat er Tempo-30-Zonen im Amöneburger Stadtteil Wermertshausen gesehen, berichtet Reiß, und auch in Gontershausen.

In anderen Großgemeinden sind Geschwindigkeitsreduzierungen auf Gemeindestraßen üblich. In Burg-Gemünden etwa ist das Wohnviertel am Berg auf dem Weg nach Nieder-Gemünden rechts in dieser Weise ausgeschildert, in Bernsfeld hat man die Zufahrt zum Dorfgemeinschaftshaus und Festplatz mit einem 30er-Schild versehen und im Neubaugebiet rechts der Straße nach Weitershain hat die Gemeinde Mücke gar eine 20er- Zone eingerichtet.

Dass das Ansinnen nach einer geminderten Geschwindigkeit in Wohngebieten nicht neu ist, sieht man im alten Neubaugebiet von Nieder-Oh men mit den sogenannten Vogelstraßen (Amsel- und Drosselweg). Dort wurden bereits vor Jahrzehnten in einigen Abschnitten seitenversetzt sogenannte Pflanzinseln in die Fahrbahn eingelassen. Da erscheint selbst für geübte Fahrer Tempo 30 anspruchsvoll.

Im Bornwiesenweg aber könne eine Tempo-30-Zone viel bringen, sagt Reiß. Dort kann man trotz einer leichten Verschwenkung in der Mitte an der Einmündung der Lindengasse bis zum anderen Straßenende schauen, was schnelles Fahren fördert.

Im Grünen Weg ist es ähnlich, und die Straße Am Schönberg auf der anderen Dorfseite ist sogar schnurgerade angelegt. Ausgenommen von der 30er-Regelung sollen die Straßen Rüddingshäuser Straße, Höinger Straße, Schadenbacher Weg und Gontershäuser Straße sein. Am alten Pumpenhaus mit Jugendtreff und Bushaltestelle hatte man auch schon einmal wegen einer Temporeduzierung nachgefragt, aber das war von den zuständigen Behörden, weil es sich um eine Landesstraße handelt, abgelehnt worden. Begründung: Es fahren zu wenige Autos.

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