Martyna Aha (l.) und Luisa Schad von der Servicestelle der Kommunalen Vermittlungsagentur des Vogelsbergkreises verzeichnen viele neue Anträge. Etwa 50 Prozent der Antragssteller sind Selbstständige. FOTO: PM
+
Martyna Aha (l.) und Luisa Schad von der Servicestelle der Kommunalen Vermittlungsagentur des Vogelsbergkreises verzeichnen viele neue Anträge. Etwa 50 Prozent der Antragssteller sind Selbstständige. FOTO: PM

Doppelt so viele Anträge

  • vonRedaktion
    schließen

Bis Mitte März lief alles rund. Doch mit den Kontaktbeschränkungen wegen des Coronavirus haben viele Menschen von heute auf morgen ihre Arbeit nicht mehr ausüben können. Wie kommt man dann zu Geld, um wenigstens das Nötigste zum Leben aufrechterhalten zu können? Das Kommunale Jobcenter weiß Rat und hat jetzt doppelt so viele Anträge zu bearbeiten wie vorher.

Der Corona-Lockdown stellte nicht nur im Vogelsbergkreis rund acht Wochen vieles auf den Kopf, was bis dahin selbstverständlich war. Einschränkungen im Alltag, strenge Hygiene- und Abstandsregeln sowie Ungewissheit sorgten und sorgen bei vielen Menschen für Verunsicherung. Dazu kommt bei manchen die Sorge, ob am Ende des Monats das Geld fürs Essen oder die Miete reicht.

Das bekommen auch Luisa Schad und Martyna Aha von der Servicestelle der Kommunalen Vermittlungsagentur (KVA) Vogelsbergkreis - Kommunales Jobcenter am Standort in Lauterbach - zu spüren. Sie sind gemeinsam mit den Kolleginnen Silvia Merle und Jessica Stein, die in der Servicestelle in Alsfeld eingesetzt sind, erste Anlaufstelle, wenn Menschen auf staatliche Hilfen angewiesen sind.

Seit Mitte März haben sich eine Reihe neuer Akten angesammelt. Und ein Ende ist nicht in Sicht. "Die Antragszahlen haben sich seit dem Corona-Lockdown mindestens verdoppelt", sagt Ulrike Klein, Leiterin im Sachgebiet Leistung der KVA. Viele Menschen, die vor den Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie für sich selbst oder ihre Familien sorgen konnten, sahen sich plötzlich ungeahnten Herausforderungen gegenüber: Berufsverbote, geschlossene Geschäfte, abgesagte Termine und fehlende Einnahmen, die relativ unerwartet zu finanziellen Problemen führten.

Auch für die KVA bedeuteten die Maßnahmen zur Pandemie-Eindämmung eine tiefgreifende Umstellung: "16. März, 12 Uhr - ab diesem Zeitpunkt waren unsere Türen für den Kundenverkehr geschlossen und viele Abläufe mussten neu geregelt werden", sagt Klein. Von da an standen für einige Tage die Telefone in der Servicestelle nicht mehr still.

Fragen klären sich rasch am Telefon

"Wir haben unser telefonisches Beratungsangebot ausgebaut, Kollegen aus anderen Bereichen der KVA haben die Servicestelle unterstützt. So konnten wir die Beratung sehr gut aufrechterhalten", erinnert sich Stefan Schneeberger, Teamleiter der Servicestelle. Auch wurden Teams gebildet, die entweder in der KVA oder im Homeoffice arbeiten, um die Mitarbeiter zu schützen und Abläufe aufrechtzuerhalten.

Seit Montag nun ist die Kreisverwaltung und damit auch die KVA wieder für Besucher geöffnet. Allerdings ist es dringend erforderlich, im Vorfeld einen Termin zu vereinbaren.

"Das erhebliche Vermögen, das jetzt zur Entscheidung herangezogen wird, wurde auf 60 000 Euro für eine Person festgesetzt. Menschen, die weniger Vermögen zur Verfügung haben, können eventuell Anspruch auf Leistungen haben", berichtet Ulrike Klein. Das soll Menschen zugute kommen, die zum Beispiel in der Gastronomie, als (Solo-)Selbstständige, als Freiberufler, Künstler oder anderen Bereichen tätig sind. "Unter den Lockdown-Maßnahmen hatten und haben zum Beispiel Mitarbeiter im Service zu leiden, aber auch Fußpfleger, Fahrschulen oder Fitnessberater", ergänzt Stefanie Östreich. Rund 50 Prozent der Anfragen kommen demnach von Selbstständigen.

Für den Antrag seien außerdem weniger Unterlagen zu beschaffen, denn auch Gemeindeverwaltungen und weitere Behörden waren und sind vom Lockdown und den Folgen betroffen. Deswegen habe der Gesetzgeber auch an dieser Stelle Lockerungen im Antragsverfahren auf den Weg gebracht. Zwar hätten sich die Grundbedingungen nicht verändert, doch seien Erleichterungen feststellbar, versichert Ulrike Klein.

Am besten können die meisten Anliegen momentan telefonisch geklärt werden. "Die Anträge sind online verfügbar, aber am schnellsten läuft die Bearbeitung, wenn die Menschen uns anrufen. Denn viele Fragen klären sich im Gespräch - oft schon bevor zum Beispiel ein unvollständiger Antrag abgegeben wurde", sagt Stefanie Östreich. Der Leiter des Amtes für Soziale Sicherung, René Lippert, ergänzt: "Der persönliche Kontakt zu unseren Kunden ist uns sehr wichtig, viele suchen direkte Beratung. Sie wollen keine langen Warteschleifen, ein Rückruf-Ticket oder wechselnde Ansprechpartner."

Für Lippert zeigt die Corona-Pandemie, wie wichtig die Arbeit der KVA und die Grund- sicherung im Allgemeinen für viele Menschen ist. "Gerade jetzt sieht man, dass Hartz IV im Prinzip systemrelevant ist, denn viele Existenzen können durch schnellere Hilfen unterstützt werden", sagt er und hofft, dass sich die Sicht auf die KVA und die Menschen, die Grundsicherung beziehen, verändere. "Außerdem haben wir zum Beispiel einen Frage-Antwort-Katalog für Selbstständige ergänzt", informiert Ulrike Klein.

Auf der Homepage www. kva-vogelsbergkreis.de sind die Antragsunterlagen verfügbar.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare