Dorfentwicklung ist kein neuer Trend: Vor rund zehn Jahren wurde dieses alte Haus in Ober-Ohmen saniert. FOTO: KS
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Dorfentwicklung ist kein neuer Trend: Vor rund zehn Jahren wurde dieses alte Haus in Ober-Ohmen saniert. FOTO: KS

Dörfer wieder beleben

  • Rolf Schwickert
    vonRolf Schwickert
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Dorfentwicklung anstoßen, die Bürger einbeziehen - dazu gab es mal in Mücke viele Diskussionsabende. Auf politischer Ebene mündete das in AGs, die aber im Sand verliefen, während einer der interessierten Bürger von damals in seinem Ort Beispielhaftes anstieß. Jetzt regt die CDU wieder Dorfentwicklung an. Und zehn Jahre später würde auch der programmatische Titel von damals passen: Mücke 2020.

In vielen Dörfern gibt es keine Landwirte mehr, viele Gebäude haben ihren Zweck verloren und stehen leer. Diese Erkenntnis ist nicht neu, aber der Vorstoß der Mücker CDU, eine Arbeitsgruppe zur Dorfentwicklung zu gründen. Den CDU-Antrag zur Dorfentwicklung erläuterte kürzlich in der Gemeindevertretersitzung Dr. Anneliese Brunn.

"Wir brauchen Dorfentwicklung und Belebung", leitet Brunn ein. Die CDU habe in der Vergangenheit verschiedene Vorstöße unternommen, es habe sich aber nichts ergeben. Beim Arbeitskreis Tourismus ( Kommunalpolitiker und interessierte Bürger arbeiten zusammen) habe sich inzwischen gezeigt, dass man auf dieser Ebene viel bewegen könne. Das sollte man auf das Thema Dorfentwicklung übertragen.

Die CDU-Vertreterin kam auch auf das Wirken des Bürgers zu sprechen, der vor über zehn Jahren einer der regelmäßigen Besucher der Diskussionsabende von "Mücke 2020" gewesen war. Dr. Helmut Schraml hat in Ober-Ohmen eine Entwicklung angestoßen, die Brunn als "beispielhaft" bezeichnet. Schraml und der Zimmermann Robert Malessa waren in einem Beitrag des Hessischen Rundfunks sogar zu "Dorfrettern" ernannt worden. Acht Häuser hat Schraml in all den Jahren saniert.

Bei der Dorfentwicklung gehe es um mehr als den Erhalt von Fachwerk, betonte CDU-Sprecherin Brunn. Gegebenenfalls seien Häuser niederzulegen, es seien Räume und Gärten zu schaffen, auch für Familien mit Kindern.

Vielleicht sei es eine Auswirkung der Corona-Krise, dass die Nachfrage nach dem Wohnen auf dem Land wieder steigen werde, mutmaßte die CDU-Vertreterin. Und sie erinnerte daran, dass auch in Groß-Eichen ein Projekt der Gebäuderettung beispielhaft gelungen sei. Bei solchen Vorhaben müsse man auch Einschnitte bei alter Bausubstanz zulassen, denn "keiner will in einem Museum leben". In Laubach und Grünberg gebe es analoge Entwicklungen.

Aber um gute Beispiele anzuführen, müsse man nicht in andere Kommunen schauen, sagte Brunn. Die Hintergasse in Ruppertenrod sei ein schönes Beispiel, wie man eine Straße beleben könne, und es seien inzwischen jede Menge Kinder dort. "Die Hintergasse ist eine Spielstraße geworden", fasste Brunn zusammen. sie muss es wissen - sie wohnt dort. Wegen der aktuellen Corona-Krise müsse man die Gründung einer Arbeitsgruppe allerdings bis zu einer Zeit ohne die Kontaktbeschränkungen verschieben.

Ulf Immo Bovensmann (FW) signalisierte für die Koalition Zustimmung zum dem Vorstoß, verbunden mit dem Antrag, das Organisatorische im Fachausschuss festzulegen. Auch Dr. Udo Ornik (Die Grünen) nannte Antrag und Ergänzung positiv. Denn die Anregung korrespondiere mit der immer wieder vorgebrachten Vorstellung der Grünen, das Ausweisen von Neubaugebieten müsse mit großräumigem Denken auf die Orte und die Großgemeinde bezogen einher gehen. Zu ergänzen sei die Dorfentwicklung um Fragestellungen zur Mobilität und Kommunikation. Bei allen wünschenswerten Sachen sei zudem die Finanzierbarkeit im Auge zu behalten, ergänzte Dr. Hans Heuser (CDU).

Einstimmig wurde das Thema zur weiteren Ausgestaltung in den Bauausschuss verwiesen.

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