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Dialog zur Integration

Bei Seiten haben ihre Gewohnheiten und Vorstellungen: Einheimische und die Zugereiste. Wie der Andere tickt, erfährt man nur im Gespräch miteinander. Dazu hat die Hochschule Fulda jetzt ein Projekt unter anderem im Vogelsbergkreis begonnen.

Wie kann das Zusammenleben zwischen Alteingesessenen und Zugewanderten gut gestaltet und damit die Integration geflüchteter Menschen in die lokale Gemeinschaft gefördert werden? Dazu hat das Projekt DIWAN in den drei Landkreisen Fulda, Hersfeld-Rotenburg und Vogelsbergkreis in den letzten Monaten einen Austausch angestoßen.

"Es geht darum, demokratische Orte zu schaffen, wo Dinge aussprechbar sind und wo Reflexion zu diesem Thema stattfinden kann," erläutert Professorin Dr. Monika Alisch eine wichtige Zielsetzung des DIWAN-Projekts. DIWAN steht für "Dialogprozesse und Wanderausstellung für ein gelingendes Zusammenleben in der Einwanderungsgesellschaft". In Zusammenarbeit mit insgesamt elf Projektpartnern, zu denen auch die jeweiligen Kreisverwaltungen zählen, hat das Projektteam in den letzten Monaten eine Reihe von Dialogveranstaltungen in den drei Landkreisen angeboten. Dabei haben die wissenschaftlichen Mitarbeiter Tatevik Mamajanyan, Jonas Hufeisen und Catharina Hille diese Zukunftswerkstätten geplant und moderiert. Geleitet wird das Projekt von den Professorinnen Martina Ritter und Monika Alisch am Fachbereich Sozialwesen der Hochschule Fulda.

Die Veranstaltungen richteten sich an unterschiedliche Personenkreise. Allein im Vogelsbergkreis wurden fünf Zukunftswerkstätten durchgeführt, an denen insgesamt ungefähr 60 Personen beteiligt waren. In Lauterbach gab es beispielsweise ein Treffen von Einzelpersonen und Lotsen, die sich in der Betreuung von Geflüchteten in kirchlichen Zusammenhängen engagieren. In Gemünden kamen die Mitglieder der Flüchtlingsinitiative zu einer Zukunftswerkstatt zusammen, und in Alsfeld diskutierten die Teilnehmer eines Deutschkurses der Volkshochschule (VHS) in diesem Rahmen ihre Anliegen. In Lauterbach wurde außerdem der Seniorenbeirat einbezogen.

Die Auswahl dieser Personengruppen hat das Projektteam in Zusammenarbeit mit dem Vogelsbergkreis vorgenommen, der über den "Runden Tisch der Runden Tische" die Flüchtlingsarbeit im Kreisgebiet koordiniert. "Wir sprechen mit dem Format der Zukunftswerkstatt drei Zielgruppen an: geflüchtete Menschen, Personen, die sich freiwillig zu deren Unterstützung engagieren und sonstige betroffene Bürger," erläutert Tatevik Mamajanyan. Dabei geht es zunächst darum, die Situation kritisch zu beleuchten, Probleme und Konflikte zu benennen sowie sich über Urteile und Vorurteile auszutauschen.

In einer zweiten Phase gibt es Gelegenheit, der eigenen Fantasie Raum zu geben und Vorstellungen zu einem guten und verständnisvollen Zusammenleben zu entwickeln. Schließlich werden die angesprochenen Ideen daraufhin abgeklopft, wie sie umgesetzt werden können.

"Es geht darum, voneinander zu lernen. Dazu bieten die Zukunftswerkstätten einen geschützten Raum, in dem die jeweiligen Interessen benannt werden können und der Dialog darüber geführt werden kann. Die Zielsetzung dabei ist, die Bereitschaft zu fördern, eigene Sicht- und Denkweisen zu überprüfen und den Versuch zu machen, die Perspektive des Anderen einzunehmen. So kann die Wertevermittlung bei den Zugewanderten gelingen und den Alteingesessenen die vermeintlich fremde Welt der Geflüchteten nähergebracht werden," meint Alisch.

Das Dialogangebot ist bei den Geflüchteten, die in Alsfeld an einer Zukunftswerkstatt teilgenommen haben, "sehr gut" bewertet worden. "Erstmals wurden wir nach unseren Wünschen gefragt. Alle Wünsche wurden aufgeschrieben," berichtet Said Saidi, der mit seiner Familie aus Afghanistan nach Deutschland geflüchtet ist und schon über solide Deutschkenntnisse verfügt. Wie er hätte Sibel Ziadin, die aus Rumänien stammt, gerne mehr Kontakt zur einheimischen Bevölkerung. Beide wünschen sich, ein Forum für den Austausch. Dabei denkt Saidi an eine Einrichtung, die er in Gemünden kennengelernt hat, wo seine Familie vor dem Umzug nach Alsfeld wohnte. Dort findet einmal im Monat ein "Begegnungscafé" statt, das die Flüchtlingsinitiative organisiert.

In den beteiligten Landkreisen wird das Projektteam erste Erkenntnisse in den nächsten Monaten als Zwischenergebnisse vorstellen. Den Auftakt macht eine Veranstaltung im Vogelsbergkreis, in Lauterbach am Freitag, dem 21. Februar.

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