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Der Sturz des Manitu

  • Kerstin Schneider
    VonKerstin Schneider
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Ulrichstein kommt im nächsten Jahr auf der Kinoleinwand groß raus. Das Filmteam bricht die Zelte nun ab und zieht nach Bau Nauheim weiter. Die Einwohner von Hessens höchstgelegener Stadt blicken auf spannende Wochen zurück. War das eine Aufregung! Und dann stürzte noch der »Manitu« um.

Es gibt viele schöne Fachwerk-Kleinstädte in Hessen. Doch bei der Suche nach einem geeignetem Drehort für die Beststellerverfilmung von »Was man von hier aus sehen kann« wurden die sogenannten Locationscouts (Filmorte-Finder) erst im Vogelsberg und in Ulrichstein fündig.

Nur dort gefiel die Marktstraße mit ihren charakteristischen Fassaden mit Schindeln und Farbakzenten in Pastelltönen so sehr, dass es passte. Denn es sollte eine nicht zu große und nicht zu kleine Kleinstadt sein, »wir mixen das ja am Ende zusammen, um eine weitgehend dörfliche Atmosphäre zu bekommen«, erzählt Szenenbildnerin Eva-Maria Stiebler C. da Silva.

Drei Wochen lang war das Filmteam in Ulrichstein vor Ort, es bestand aus zeitweilig bis zu 80 Personen. Sie wurden von einem Caterer aus Frankfurt versorgt, der hatte seinen Wagen vor das Rathaus gestellt, dort wurde jeden Tag gekocht »und wir durften netterweise im Rathaus essen«, so Szenenbildnerin Stiebler C. da Silva. Überhaupt habe sie die Atmosphäre während der Dreharbeiten als »toll« erlebt, richtig interessant war es, »dort zu drehen, wo fast jeder jeden kennt«.

Schon rund einen Monat zuvor war nach der Festlegung von Ulrichstein als Drehort die Ausstattungsabteilug in Aktion getreten und hatte Kontakt aufgenommen. »Die müssen fertig sein, wenn Filmteam und die Schauspieler kommen.« So drehte man im ehemaligen Gasthaus, im ehemaligen Spar-Markt, und im Küchenstudio, wo kurzfristig ein Arzt Einzug gehalten hat. »Den haben wir da eingebaut«, so Stiegler. Das Frisörgeschäft wurde kurzerhand in einen Blumenladen umfunktioniert,

Ganz ohne Panne gingen die Dreharbeitenn nicht ab, so kippte jüngst ein großes Gerät namens »Manitu« um, eine Art fahrbarer Kran oder Teleskop-lader, der für eine bessere Beleuchtung am Filmset sorgt. Auf der raschen Fahrt bergab gab das Gefährt nach und sackte weg.

Die Feuerwhr Ulrichstein war im Einsatz, aber auch eine Spezialfirma aus Frankfurt, die beim Wiederaufrichten des schweren Gerätes half. Zum Glück war nichts passiert. »Die Straße hat ein paar Schrammen abbekommen.« Klar, dass die Ulrichsteiner während der vergangenen Wochen als Zaungäste ein wenig Filmluft schnuppern wollten.

Zaungäste auf Balkon

So kam es einmal zu kleineren Kabbeleien, als die Verantwortlichen am Filmset meinten, nun müssten die Zuschauer aber mal verschwinden. Das wollten sich die nicht bieten lassen, schließlich sei man ja auf seinem Privatgrundstück. Doch sie gaben nach: »Dann schauen wir halt vom Balkon!« Noch bis Ende dieser Woche blieben die Filmleute, nun steht der Umzug nach Bad Nauheim an, wo Szenen am Bahnhof gedreht werden.

Die Schauspieler waren für die Dreharbeiten vor Ort, untergebracht war das Team außer in Ulrichstein unter anderem in Schotten und Lauterbach.

Jetzt wird zurückgebaut. Alle Szenen, die in einer Kleinstadt spielen, sind im Kasten. So dürften die Ulrichsteiner 2022 sicher ins Kino strömen, um zu sehen, wo der Laden des Optikers aus dem Buch, der Laden von Alberto, die Eisdiele oder der Buchladen eine Rolle spielen.

Bürgermeister Edwin Schneider zeigte sich sehr erfreut, »dass Ulrichstein so positiv in die Schlagzeilen kommt«. Er hat zweimal bei den Dreharbeiten vorbeischaut und die Hauptdarsteller Luna Wedler, Karl Marcovics und Corinna Harfouch um einen Eintrag ins Goldene Buch gebeten, was diese gern taten.

Auch der Produzent hat sich dort verewigt und Autorin Mariana Leky, die ebenfalls die Dreharbeiten besuchte.

Vielleicht gibt es 2022 sogar eine Sondervorführung für die Ulrichsteiner? »Ich habe die Daten von Produzent Claussen, wir bleiben in Kontakt«, so Edwin Schneider.

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