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Das Wandern ist der Bürger Lust

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Von: Joachim Legatis

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Schöne Ausblicke locken viele Besucher auf Vogelsberger Wanderwege wie die Gemündener Heinzemanntour. © pv

An manchen Wochenenden kann man an der Homberger Speedwaybahn und auf dem Ulrichsteiner Rathausplatz sein Auto nicht mehr abstellen. Wandern ist »In«, das zeigt sich auch an der starken Nutzung von Parkplätzen. Gerade in Corona-Zeiten ist der Ausflug in die schöne Vogelsberger Landschaft sehr gefragt.

Manchmal ging es am Wochenende auf der Schächerbachtour zu »wie bei einer Polonaise«, erzählt Bernd Reiß. Die Besucherzahlen auf dem Premium-Wanderweg zeigen deutlich, dass Wandern voll im Trend liegt. Wie der Wanderführer aus Deckenbach sehen das auch andere, die in die Pflege der hiesigen Wanderwege eingebunden sind.

In Homberg, Gemünden und Ulrichstein sind gerade in Zeiten der Corona-Einschränkungen viele Menschen in freier Natur mit der ganzen Familie unterwegs. Das hat in Homberg dazu geführt, dass ein zusätzlicher Parkplatz angelegt wurde, damit die Besucher nicht alle Straßen nahe des Einstiegs in die beliebtesten Wanderwege zuparken.

Reiß hat kürzlich zwei Wanderungen zum Thema Bergwerke angeboten, die mit 31 und 41 Teilnehmern sehr gut nachgefragt waren. Geführte Wanderungen sind gerade bei Naturfreunden gefragt, die neue Wege erproben wollen.

Damit bestätigt Reiß die Zahlen, die das Vergleichsportal »vergleich.org« als allgemeinen Trend bei Suchabfragen im Netz ausgemacht hat. Um stattliche 307 Prozent schnellten die Anfragen nach Wanderaktivitäten in die Höhe.

Solche Steigerungen bei den realen Besucherzahlen kann Dr. Almut Bick nicht bestätigen. Sie ist im Homberger Rathaus für den Tourismusbereich zuständig und sagt, dass keine genauen Zahlen der Wanderwegnutzer vorliegen. »Aber wir konnten beobachten, dass 2020 während der ersten Corona-Welle die Zahl an Besuchern vor allem, aber nicht nur, auf unserem Premiumwanderweg ›Sagenhaftes Schächerbachtal‹ stark anstieg.«

Daneben gibt es noch die Geotour, die Strecke »Rund um Deckenbach« und durch die Hardtschlucht bei Wäldershausen.

Die hohe Besucherzahl sah man auf den Wanderwegen und bei der Menge an Pkw am Startpunkt. An der Speedwaybahn wurde ein zweiter Parkplatz angelegt. Kürzlich haben die Städte Homberg und Amöneburg ihre gemeinsamen Winterwanderwochen veranstaltet und auch da war der Zuspruch enorm. Zusätzliche Wanderungen wurden angeboten, um möglichst viele Interessierte mitnehmen zu können, sagt Bick.

Schaut man aber auf die letzten Wanderwochen zurück, die 2020 noch kurz vor Corona stattfanden, so war auch damals schon der Andrang und die Begeisterung der Wanderer groß.

Eine ähnliche Entwicklung ist auch im benachbarten Gemünden auf der »Heinzemanntour« zu vermelden, wie Dunja Werneburg berichtet. Der Premium-Wanderweg hat sich in den drei Jahren seines Bestehens etabliert. »Da ist ganzjährig viel los«, beobachtet Werneburg, auch an weniger attraktiven Wintertagen. Der Hauptbetrieb herrscht in der Wandersaison von März bis Oktober, »da ist vor allem an Wochenenden viel los«.

Die Besucher kommen aus der weiteren Umgebung und freuen sich über einen gut gepflegten Weg. So stehen Wegepaten bereit, die für »ihren Abschnitt« darauf achten, dass keine Äste im Weg liegen. Gelobt wird von Besucherinnen und Besuchern die liebevolle Gestaltung, wie Werneburg betont. So gibt es schöne Aussichtpunkte, gut platzierte Bänke und Zusatzschilder, auf denen Besucher willkommen geheißen werden.

Werneburg bestätigt, dass Wandern schon in der Zeit »vor Corona« im Trend war. Aber in Zeiten von Homeoffice und abgesagten Fernreisen ist das Erleben der schönen Vogelsberger Landschaft noch ein Stück reizvoller für viele geworden.

Das spürt man auch im Hohen Vogelsberg, so in Ulrichstein mit seiner »Weitblick-Tour«, zwei Nordic-Walkingstrecken und der »Ulrichmull-Runde« in Richtung Kölzenhain. Bürgermeister Edwin Schneider freut sich oft über die vielen Pkw auf dem Rathausplatz mit auswärtigen Kennzeichen. Sie zeigen an, wie viele Süd- und Mittelhessen gerne die Umgebung genießen. Dafür investiert die Stadt etwas. Denn die Wanderwege müssen gepflegt werden, indem regelmäßig das Gras der Wiesenwege gemulcht wird und die Markierungen überprüft werden. Für die Weitblick-Tour hat die Stadt einen Dienstleister beauftragt, die übrigen Wege werden von Bauhofmitarbeitern in Schuss gehalten.

Ob sich der Aufwand auch finanziell für die Stadt lohnt, kann Schneider nicht in Zahlen ausdrücken. Doch er geht fest davon aus, dass »die Besucher hier in die Gaststätten gehen, im Lebensmittelmarkt einkaufen und an der Tankstelle Benzin zapfen«.

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