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Demonstranten kritisieren das Strafsystem.

»Das Urteil basiert auf Lügen«

  • VonSebastian Schmidt
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Gießen (seg). Sehr wahrscheinlich muss die Umweltaktivistin aus dem Dannenröder Forst, die ihren Namen nicht verrät, Weihnachten hinter Gittern verbringen. Denn Ella, so wird sie von den Unterstützern genannt, hat ihren Berufungsprozess vor dem Landgericht Gießen erst ab dem 13. Januar.

»Free Ella«-Graffiti an Gebäuden

Aber schon in der Nacht zum Donnerstag, so die Polizei, wurden an Gebäuden in der Nähe des Gerichts in der Ostanlage Graffiti angebracht, die »Free Ella« fordern oder sich »Gegen Knast und Strafe!« aussprechen. Und am Freitag kamen dann bei kaltem Wind und Nieselregen rund 30 Demonstranten zusammen, um gegen Ellas Inhaftierung zu protestieren. Es war der Jahrestag ihrer Verhaftung.

Am 26. November vergangenen Jahres wurden Ella Handschellen angelegt und seitdem sitzt die junge Frau hinter Gittern. Die A 49-Gegnerin soll sich unter anderem mit Tritten gegen Polizisten zur Wehr gesetzt haben, die Ella aus 15 Metern Höhe aus den Bäumen holen wollten.

Die fragliche Tat soll sich während der Räumung des Hüttendorfs »Nirgendwo« im Dannenröder Forst zugetragen haben. Das Amtsgericht Alsfeld verurteilte Ella in der Folge der Ereignisse zu zwei Jahren und drei Monaten Haft - ohne Bewährung. Doch sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die Verteidigung hatten Berufung gegen die Entscheidung eingelegt. In ihrem Redebeitrag vor dem Landgericht sagte eine Demonstrantin nun: »Das Urteil basiert auf Lügen.«

Vorwurf: Urteil soll abschrecken

Ellas Unterstützer haben im vergangenen Jahr mit einer Dokumentation gezeigt, dass sich die Verhaftung nicht so zugetragen hat, wie vor Gericht dargestellt, so die Rednerin. Dabei geht es zum Beispiel um die Frage, ob ein Polizist während der »Höhenrettung« - wie von der Staatsanwaltschaft angenommen - nur einmal oder doppelt abgesichert gewesen sei. Denn das könnte einen Unterschied bei der Bewertung der Köperverletzungsdelikte machen, die Ella vorgeworfen wurden. Den Richter habe das aber laut der Demonstrantin nicht interessiert, der habe ein »Abschreckungsurteil« fällen wollen.

Die Forderung eines Teils der Demonstranten geht aber über Ella hinaus, das ganze Strafsystem wird in Frage gestellt. So steht auf einem Transparent vor dem Landgericht: »Strafe dient nicht den Menschen, sondern der Zementierung von Herrschaftsverhältnissen.«

Nach der Kundgebung vor dem Landgericht zog die Menge noch durch die Innenstadt. Ein Teil machte sich anschließend auf den Weg nach Frankfurt, denn auch vor der JVA Frankfurt-Preungesheim, wo Ella einsitzt, war Protest geplant.

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