Nachdem seine Frau viele Jahre für den großen Garten zuständig war, sieht man den langjährigen Kirtorfer Bürgermeister Ulrich Künz dort jetzt oft. Lieblingsurlaubsort ist Nieblum auf Föhr geblieben, dorthin geht es bald das 32. Mal. FOTO: PM
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Nachdem seine Frau viele Jahre für den großen Garten zuständig war, sieht man den langjährigen Kirtorfer Bürgermeister Ulrich Künz dort jetzt oft. Lieblingsurlaubsort ist Nieblum auf Föhr geblieben, dorthin geht es bald das 32. Mal. FOTO: PM

Dann halt ein Corona-Geburtstag

  • Kerstin Schneider
    vonKerstin Schneider
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Den 70sten hatte er sich anders vorgestellt. Erst sollte gemeinsam mit dem Zwillingsbruder im "Goldenen Ritter" in Großen- Linden gefeiert werden, dann in der Kirtorfer Gleentalhalle mit vielen Gästen. Dann warf Corona alles über den Haufen. Ulrich Künz trägt es mit Fassung. Und geht inzwischen gern in den Garten.

Die große Feier heute wird wie vieles ein Opfer der Corona-Krise?

Natürlich hatte ich mir das anders gedacht. Erst sollte mit meinem Zwillingsbruder in unserer Heimat in Großen-Linden mit 60 Leuten gefeiert werden, ins Gasthaus dürfen aber derzeit nur 25 hinein, das wollten wir nicht. In der Kirtorfer Gleentalhalle wären es rund 80 Leute gewesen, das geht auch nicht. Also feiern wir einen Corona-Geburtstag zu Hause mit Kindern und Enkeln. Später werden wir die Feier nachholen, grundsätzlich habe ich auch schon genug gefeiert in meinem Leben. Aber wir werden am Wochenende wohl schönes Wetter haben. An meinem Geburtstag war es oft sehr heiß. Ich erinnere mich zum Beispiel an die Feier zum 30sten in der Kirtorfer Grillhütte, das war eine Bullenhitze damals.

Sind Sie bis jetzt gut durch die Krise gekommen?

Ich kann mich nicht beklagen. Schade war natürlich, dass wir unsere Enkel sowie meine Kinder leider nicht sehen konnten. Das war sehr bedauerlich, aber nicht zu ändern. Vor einer Woche dann haben wir die Enkel wieder getroffen, das war sehr schön.

Ein Zeitfenster für das Telefonat, auch erreicht man sie schon einmal, wenn sie im Auto sitzen. Ihr Alltag scheint immer noch durchgetaktet?

Manchmal täuscht der Eindruck. Aber ich habe fast alle Ämter behalten, die ich schon während der Bürgermeisterzeit hatte. Eigentlich ein Glück, bei meiner Einstellung zur Arbeit und mit meinem jugendlichen Temperament (lacht) ist es sinnvoll, etwas zu tun.

Mischen Sie sich in Kirtorf noch ein?

Nein, ich halte auch aus Anstand gegenüber meinem Nachfolger Abstand. Ich mache nicht den Fehler, dass ich mich nach meiner Bürgermeisterzeit in politische Gremien in der Stadt Kirtorf wählen lasse.

Wie füllen Sie ansonsten die Zeit als Rentner?

Wir haben einen großen Garten, da hatte meine Frau all die Jahre die ganze Arbeit allein. Es gibt einen Teich und ein Naturschwimmbecken, da ist viel zu tun, ich habe an der Gartenarbeit viel Freude gefunden. Tennis spiele ich noch hin und wieder und ich habe mir ein E-Bike gekauft, um mit meiner Frau Touren zu unternehmen. Dabei haben wir festgestellt, wie schön der Vogelsberg und seine Landschaften sind, das ist ein Traum.

Bereuen Sie rückblickend etwas?

Beruflich hätte man einiges in eine andere Richtung steuern können. Nach wie vor bin ich sehr enttäuscht, dass die interkommunale Zusammenarbeit mit der Nachbargemeinde Antrifttal nicht geklappt hat, obwohl die beste Absicht dahinter stand. Die Krise jetzt zeigt doch, wo der Weg hingehen muss, denn es gehen viele Ressourcen durch Corona verloren. Deshalb wäre dieser Schritt wichtig und richtig gewesen. Aber viele haderten noch mit der Kommunalreform der 1970er Jahre, es gab gewisse Neidkomplexe und Vorurteile. Grundsätzlich lag ich trotzdem nicht falsch, es wird irgendwann auch so kommen.

Waren die harten Maßnahmen in der Krise richtig, wenn man an die Folgen denkt?

Die Bundesregierung hat vieles richtig gemacht und man musste sich auf die Aussagen der Ärzte verlassen. Auch das Auflegen der vielen Programme ist richtig, um Firmen, Gastronomie und anderen zu helfen, die große Verluste erleiden. Die Folgebelastungen werden uns aber noch über viele Jahre beschäftigen.

Sie scheinen mit 70 noch sehr fit?

Es ist ein großes Glück, dass ich bis auf kleine Dinge mit so einer guten Gesundheit gesegnet bin. Ich hatte vor einiger Zeit einen Skiunfall. Das machte mir ein Problem, denn ich wollte nicht wahrhaben, dass mir so etwas passieren kann. Das habe ich länger gar nicht so gut verarbeiten können. Denn ich war in gesundheitlicher Hinsicht einfach immer verwöhnt.

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