Martyna Aha (l.) und Luisa Schad von der Servicestelle der Kommunalen Vermittlungsagentur verzeichneten viele Anträge. Etwa 50 Prozent der Antragssteller waren Selbstständige. FOTO: PM
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Martyna Aha (l.) und Luisa Schad von der Servicestelle der Kommunalen Vermittlungsagentur verzeichneten viele Anträge. Etwa 50 Prozent der Antragssteller waren Selbstständige. FOTO: PM

Corona-Hilfe als Rettungsanker

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Vogelsbergkreis(pm). Wie es ist, unverschuldet in finanzielle Not zu geraten und nicht zu wissen, wie der monatliche Lebensunterhalt sichergestellt und die Miete aufgebracht werden soll, erfahren während der Corona-Pandemie viele bislang uneingeschränkt Erwerbstätige. Insbesondere bei den sogenannten "Soloselbständigen" brachen von einem auf den anderen Tag Aufträge und Einnahmen weg.

Mit dem Sozialschutzpaket hat das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) übergangsweise die Möglichkeit eröffnet, unter erleichterten Bedingungen schnell und unkompliziert Grundsicherungsleistungen zu beantragen.

Verzweiflung war groß

Dass dieser Schritt für viele notwendig war und ist, bezeugt der weit überdurchschnittliche Anstieg der Neuantragszahlen in den Kommunalen Jobcentern. Allein bei der KVA Vogelsbergkreis - Kommunales Jobcenter haben in den Monaten April bis Juni 2020 doppelt so viele Menschen einen Antrag auf ALG II ("Hartz IV") gestellt als im Vergleichszeitraum des Vorjahres.

Wie die Akteure des Gesundheitswesens arbeiten auch die Kommunalen Jobcenter und deren Mitarbeitende daran, den Bürgern so schnell wie möglich zu helfen.

Um diese Aufgabe zu bewältigen, haben die Verantwortlichen ab Mitte März "über Nacht" interne Arbeitsprozesse an die neue Situation angepasst. Da keine persönlichen Vorsprachen stattfinden konnten, setzten die Kommunalen Jobcenter verstärkt auf Beratung per Telefon und E-Mail.

Die KVA Vogelsbergkreis - Kommunales Jobcenter hat alles darangesetzt, um die nötige Hilfe den betroffenen Personen zukommen zu lassen, wie eine Frau bestätigt: "Die Corona-Pandemie hat mich eiskalt erwischt", sagt Christel Pfeffer aus Alsfeld. Die 65-Jährige ist seit mehr als 25 Jahren selbstständig mit Massage und Fußpflege. "Ich habe keine großen finanziellen Rücklagen, sodass ich nicht mehr wusste, wie es weitergehen sollte, als ich aufgrund der Pandemie schließen musste. Die Corona-Soforthilfe der Bundesregierung kam für mich aufgrund zu geringer Ausgaben nicht zum Tragen. Ich war verzweifelt." Eine Bekannte machte Christel Pfeffer darauf aufmerksam, dass auch Selbstständige Grundsicherung beantragen können. "Wir haben den Antrag ausgefüllt und ich war überrascht, wie schnell dieser genehmigt wurde. Ich bin dankbar, dass ich in dieser schwierigen Zeit finanziell unterstützt wurde", so Pfeffer. Jetzt teilte sie mit, dass sie - nachdem sie sich von einer Operation erholt hatte - ihre Arbeit wiederaufgenommen hat und ab sofort auf Leistungszahlungen verzichtet.

"Gut, dass wir hier so schnelle und erfolgreiche Hilfe leisten konnten" freute sich Landrat Manfred Görig. Es zeige sich, dass die Kommunalen Jobcenter in der Krise ihre Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit unter Beweis stellen. Sie reagierten schnell, innovativ und anpassungsfähig auf die veränderten Bedingungen. "Mit ihren lokalen Partnern, wie zum Beispiel Trägern der Arbeitsmarkförderung, Wirtschaftsförderung und sozialen Beratungsstellen finden sie schnelle Lösungen".

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