Collie Cassy hilft

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Tiere schaffen, was Menschen verwehrt bleibt: Sie können oft besser, sehen, hören oder riechen. Und Hunde können die Aufmerksamkeit von Menschen erregen, die auf ihr menschliches Umfeld verschlossen wirken. Deshalb können Hunde auch als Therapeuten eingesetzt werden. Für Osthessen gründet sich jetzt eine Gruppe.

Collie-Dame Cassy war die erste Therapiehündin von Heike Leitsch, mit ihr hat alles angefangen. Inzwischen ist die Mannschaft der "Therapiehunde Osthessen" um einiges gewachsen, im April steht die Vereinsgründung an. Zusammen mit ihren Hundekollegen gaben Cassy und Co. kürzlich beim Treffen von Pflegestützpunkt Vogelsbergkreis und ehrenamtlich Tätigen verschiedener Selbsthilfegruppen und Nachbarschaftshilfen eine Kostprobe ihres Könnens.

Aufregung oder gar Berührungsängste kennen die Hunde nicht – ganz im Gegenteil: Brav schreiten sie die Runde der Anwesenden ab, sagen auf Kommando "Guten Tag" mit einem Pfotenschlag, holen Bälle und sogar Kleidungsstücke nach Ansage oder ziehen Socken aus. Auch auf den Schoß lassen sie sich nehmen und genießen die Streicheleinheiten. Das Genießen ist allerdings auf beiden Seiten, denn die überraschten Senioren haben sich schnell an die freundlichen Vierbeiner gewöhnt und wollen sie nur sehr ungerne weiterziehen lassen.

Ausbildung im Welpenalter

"Therapiehunde müssen eine hohe Reizschwelle haben, nicht jeder Hund ist dafür geeignet", erklärt Heike Leitsch die Voraussetzungen für die Tiere, die einen freundlichen Umgang mit den Menschen pflegen sollen. Sie sollten nicht verwechselt werden mit Begleit- oder Besuchshunden. Im möglichst jungen Alter findet für die Hunde deshalb schon ein Eignungstest statt, bei dem sich entscheidet, ob die Ausbildung zum Therapiehund sinnvoll ist. "Ein ganz wichtiges Kriterium ist, dass sich der Hund problemlos von Fremden anfassen lässt", erläutert Heike Leitsch, "er darf nicht gleich zuschnappen, wenn ihn jemand falsch anfasst oder am Ohr zieht." Rund drei Jahre dauert die Ausbildung zum Therapiehund. Melanie Erdogan ist Hundepsychologin und Besitzerin der Hundeschule "Zum Wolfsblick", sie begleitet die Mensch-Hund-Teams durch die Ausbildung. Es wird zwischen einem aktiven und einem reaktiven Therapiehund unterschieden. Der aktive Therapiehund bringt eigene Spielideen mit, besitzt einen starken Aufforderungscharakter und ist geeignet zur Motivation des Menschen, der therapiert werden soll. Der reaktive Therapiehund reagiert hingegen auf die Spielideen des Patienten, spiegelt also dessen Befindlichkeiten wider.

Einige der Hunde sind derzeit noch Auszubildende und laufen mit den erfahreneren Hunden mit, wenn diese einen Einsatz haben: Für etwa eine Stunde machen sie dann zum Beispiel Bewohnerinnen und Bewohnern von Pflegeheimen Freude mit ihrer Anwesenheit. "Es macht so viel Spaß zu sehen, wie die Menschen sich an den Hunden erfreuen, mit ihnen spielen und sogar ihre Scheu verlieren und sie streicheln", berichtet Marion Heimpel. Die "Therapiehunde Osthessen" und ihre Frauchen sowie Herrchen machen diese Besuche übrigens ehrenamtlich, egal ob in Pflegeeinrichtungen oder in Privathaushalten.

Ein Therapiehund ist ein Haushund, der gezielt in einer tiergestützten medizinischen Behandlung (beispielsweise im Rahmen einer Psychotherapie, Ergotherapie, Physiotherapie, Sprach-Sprechtherapie oder Heilpädagogik) eingesetzt wird. Er ist abzugrenzen vom Assistenzhund, der als ständiger Begleithund für Menschen mit körperlichen und/oder geistigen Einschränkungen ausgebildet und eingesetzt ist. Für die Arbeit des Therapiehundes eignen sich Hunde jeglicher Rasse und Größe.

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