Gastronomen denken sich einiges aus: In der Eudorfer Gaststätte "1874" gibt es spülmaschinenfeste Speisekarten. FOTO: PM
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Gastronomen denken sich einiges aus: In der Eudorfer Gaststätte "1874" gibt es spülmaschinenfeste Speisekarten. FOTO: PM

Mit cleveren Ideen durch die Krise

  • Rolf Schwickert
    vonRolf Schwickert
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Beschränkungen in der Corona-Krise haben Hotels und Gaststätten besonders hart getroffen. Nach der wochenlangen Schließung hatte schönes Wetter immerhin gute Umsätze in der Außengastronomie beschert. Aber wie läuft es in der kalten Jahreszeit? Vogelsberger Gastwirte lassen sich etwas einfallen.

Valerio Dogana bereitet eine Großveranstaltung vor: Der Gastronom aus Büßfeld richtet einen 60. Geburtstag aus, es werden rund 30 Gäste erwartet. Das ist in Zeiten der Corona-Beschränkungen viel und Dogana ist glücklich über die passenden Räume in seinem großen Landgasthaus. Und es wird kein Büfett geben, sondern eine kleine Karte, die Feier muss auch von der Küche bewältigt werden. "Wir sind einigermaßen gut über die Runden gekommen", äußert sich Dogana.

Denn man arbeite im eigenen Gebäude, Angestellte waren in Kurzarbeit. Jetzt geht es langsam wieder los. "Wir haben das Glück, dass wir gesund geblieben sind." Überrascht hat ihn, wie die Büßfelder und Kunden aus anderen Dörfern die Gaststätte in der Zeit der Schließung unterstützt haben. Viele haben Essen abgeholt. "Das war zu Spitzenzeiten phänomenal", erinnert sich Dogana.

Aber es schwingt auch etwas Wehmut in der Stimme: "Dieses Jahr hätten wir im Juni 200 Jahre Gasthof Fleischhauer im Familienbesitz gefeiert." Jetzt ist das Jubiläum auf 2021 verschoben. So ist es auch mit der Stein-Expo, einer Messe von globaler Bedeutung, die dem Hotel immer viele Übernachtungen bescherte. Aber Dogana bleibt zuversichtlich. Und mit großen Innenräumen will Familie Dogana die Außengastronomie nicht mit Heizpilzen künstlich verlängern. "So lala, wie bei ganz vielen. Es ist noch nicht extrem existenzbedrohlich, weil wir Rücklagen haben, aber irgendwann sind die aufgebraucht", antwortet Christine Gärtner auf die Frage, wie ihr Landhotel in Flensungen seither durch die Krise gekommen ist. "Wir haben eine Terrasse, das passt derzeit, und mehr Gäste kommen zum à la carte essen", berichtet die Gastronomin.

Allerdings seien die Gruppen oft kleiner. Gleichwohl habe man den gleichen Aufwand. "Es ist kein Unterschied, ob man 60 oder 30 Personen betreut. Einerseits sei es schön, dass man wieder Familienfeiern hat, aber das gehe nur in großen Räumen und logistisch sei es nicht einfach. Gärtner appelliert an die Gäste, sich bereits im Vorfeld der besonderen Bedingungen in der Corona-Krise bewusst zu sein. "Viele meinen, es läuft so wie früher und kommen einfach mit einer Gruppe zur Tür rein."

Gärtner will nicht an jedem Tisch eine Glaswand aufstellen, damit gehe die Atmosphäre verloren. Wie es in der Weihnachtszeit werden soll, ist deshalb offen. Sie hofft, dass die Feiern in einem größeren Zeitfenster stattfinden und nicht alle zum gleichen Zeitpunkt bestellen. "Das ist mit zwei Köchen, einer Spülkraft und höchstens zwei Bedienungen nicht zu schaffen."

Aber man hat investiert: Weil die Gäste wegen der Abstandsvorgaben in Altbau und Anbau aufgeteilt werden müssen, wurden Tellerglocken angeschafft. Die halten die Speisen von der Küche bis zum Gast warm. Entsprechend den Hygienevorgaben wurden Speisekarten laminiert, sie werden nach Gebrauch desinfiziert. "Speisekarte über QR-Code laden geht bei jungen Menschen, unter 60 auch noch, aber nicht bei allen."

"Als wir gehört haben, dass wir das Restaurant nicht öffnen können, war das die schlimmste Nachricht meines Lebens", berichtet Jörg Hofmann aus Eudorf. Zusammen mit Ehefrau Ute betreibt er die Gaststätte "1874" und das Hotel "Schmiede" in fünfter Generation. Zusammen mit ihrem Team freuen sie sich, dass Essen im Restaurant jetzt wieder möglich ist. Und auch auf den Winter sind sie bestens vorbereitet. Vieles, was man unter den neuen Umständen der Pandemie gut gebrauchen kann, war im "1874" vorhanden. Im Gastraum hängt eine Lüftungsanlage, die früher dazu gedacht war, Zigarettenqualm aus dem Raum zu ziehen. Für den Umgang mit Corona ist diese Lüftungsanlage nun wieder ideal einsetzbar.

Trotzdem möchten Ute und Jörg Hofmann nichts dem Zufall überlassen, sie haben kleine mobile Luftreiniger angeschafft. Diese verfügen über Mehrfachfilter und reinigen rund 340 Kubikmeter Luft pro Stunde - weit mehr, als die Gäste, die zeitgleich im Restaurant sein dürfen, in diesem Zeitraum atmen können. Die Hofmanns haben mit ihren Mitarbeitern einen kreativen Umgang zum Thema Speisekarte gefunden.

Die gibt es per QR-Code auf das Smartphone. Und wer kein Smartphone (dabei) hat? "Unsere Karten werden in der Spülmaschine gereinigt und danach desinfiziert. Das haben wir ausprobiert und es hat funktioniert", erzählt Ute Hofmann.

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