Im Diakonie-Gottesdienst tragen die Vorstandsmitglieder (v. l.) Helge Birk, Karin Deichert, Karl Pitzer und Birgit Ertl den vorbereiteten Text vor. FOTO: EVA
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Im Diakonie-Gottesdienst tragen die Vorstandsmitglieder (v. l.) Helge Birk, Karin Deichert, Karl Pitzer und Birgit Ertl den vorbereiteten Text vor. FOTO: EVA

Christen schauen bei Not anderer nicht weg

  • vonHannelore Diegel
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Gemünden(eva). Der Begriff Diakonie ist gängig. Er kommt vor in Diakoniestation und da weiß man genau, was er bedeutet: Ein breites Spektrum von Hilfen für Kranke und Ältere. Aber was bedeutet Diakonie noch im kirchlichen Umfeld? Darum ging es am Sonntag beim Gottesdienst mit dem Schwerpunktthema "Diakonie". Karin Deichert, Vorsitzende des Fördervereins der Diakonie Ohm/Felda gestaltete die Veranstaltung zusammen mit den weiteren Vorstandsmitgliedern Helga Birk, Birgit Ertl und Karl Pitzer in der Nieder-Gemündener Kirche.

Mit "Willkommen zum Gottesdienst mit allem, was uns das Herz höherschlagen lässt und auch mit allem, was uns belastet", begrüßte Karin Deichert die Gottesdienstbesucher. Und schon sei man bei dem, was Diakonie ausmache, sagte Deichert: "Gemeinsam da sein, gemeinsam stark sein - und das gerade auch in der Not."

Eventuell habe ja mancher gedacht: "Was machen die denn da vom Förderverein der Diakonie? Wieso einen Gottesdienst?" Doch das sei ganz einfach. Es gehe um Diakonie, um dieses Fremdwort aus dem Griechischen, das auf Deutsch "dienen" heißt.

Basis sind Spenden

Vielleicht könnten sich die Älteren ja noch an die einstig überall tätigen Gemeindeschwestern, die Diakonissen, erinnern. Die Diakonissen gebe es heute weniger, aber dafür die Diakonie in einer sehr professionellen Form. Die Diakonie könne man auch als den "helfenden Zweig der Kirche" bezeichnen. Dieser Bereich sei entstanden, weil Christen nicht einfach bei der Not anderer wegschauen wollten. Es wurde erwähnt, dass es mittlerweile in allen Regionen Diakonie-Beratungsstellen gibt, die sich größtenteils durch Spenden finanzieren, wie auch in Alsfeld oder Lauterbach. Dabei kann es um Schwangerschaft, Unterstützungsmöglichkeiten vor und nach Geburten, Mutterschutz, Vorsorgeuntersuchungen oder finanzielle und rechtliche Fragen gehen. Dazu kommen noch die Suchtberatung und Obdachlosenhilfe, bei Bedarf auch Anlaufstellen für Geflüchtete und natürlich die ambulante Pflege. "All das ist Diakonie", erläutert das Vorstandsteam.

Zeitdruck in der Pflege

Sicher sei auch, dass bei den Unterstützungen nicht immer die perfekte Lösung gefunden werden könne. Aber die Hilfe zu versuchen sei allemal besser, als einfach zu sagen: "Sehe zu, wo du bleibst. Das geht mich nichts an."

Die Frage "Seit wann machen Christen das eigentlich?" war schnell beantwortet. Nämlich seit Jesus damit angefangen und es vorgelebt habe, "ohne nach einer Refinanzierung zu fragen". Gerade das sei auch so ein Phänomen. Denn von Anfang an sei Hilfe am Nächsten freiwillig und auf eigene Kosten erbracht worden. Beispiele und Pioniere dafür seien Elisabeth von Thüringen, die in Marburg eines der ersten Krankenhäuser gründete, im Mittelalter waren es die Klöster, die arme Menschen versorgten und sich um alte Menschen kümmerten. Später waren in Deutschland Menschen wie Theodor Fliedner mit seiner Gefängnisfürsorge oder Friedrich von Bodelschwingh, der die nach ihm benannte Stiftung Bethel gründete und insbesondere Johann Hinrich Wichern, der Gründer der Inneren Mission, die später im Diakonischen Werk aufging.

Eleonore Mandl, die 33 Jahre professionell als Pflegekraft und in der Leitung der Diakoniestation gearbeitet hatte, vermittelte Eindrücke aus ihrem Berufsalltag. Sie habe sich bewusst für diese Arbeit bei der Diakoniestation entschieden, da sie ihren Vorstellungen von Altenpflege entsprochen habe. Bei ihren Ausführungen war der Zeitdruck, unter dem Pflegekräfte stehen, genauso ein Thema, wie die außerordentlichen Leistungen pflegender Angehöriger oder auch, dass es für Pflegebedürftige nicht einfach sei, sich in die Situation, von nun an auf Hilfe angewiesen zu sein, hineinzufinden. Das Vorstandsteam sprach auch die Mitgliedschaft im Diakonie-Förderverein an. Immer wieder werde gefragt: "Warum soll ich denn in den Förderverein". Die Antwort sei ganz einfach: Weil es erstens nicht viel koste, zweitens das Geld den Klienten in Form von Zeit direkt zugutekomme und drittens als Zeichen der Solidarität mit den Pflegenden und den zu Pflegenden.

Pfarrerin Ursula Kadelka dankte dem Team für die Gestaltung des Gottesdienstes. "Es wichtig, dass es Menschen gebe, die diese Arbeit unterstützen".

Musikalisch begleitet wurde der Diakonie-Gottesdienst an der Orgel von Maren Kadelka.

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